VIDEO: Abenteuer Diagnose: Parkinson (15 Min)

Parkinson früh erkennen und behandeln

Stand: 16.11.2020 15:12 Uhr

Die Parkinson-Krankheit, früher als Schüttellähmung bezeichnet, ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Deutschland. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt.

Häufig treten im frühen Krankheitsverlauf fortschreitende Schlaf- und Riechstörungen auf. Wissenschaftler arbeiten daran, die Krankheit möglichst früh zu erkennen und zu behandeln - schon bevor Betroffene typische Symptome der Parkinson-Krankheit entwickeln.

Ursachen und Symptome der Parkinson-Krankheit

Ursache der Parkinson-Krankheit ist eine nachlassende Produktion des Botenstoffs Dopamin durch Absterben der Dopamin produzierenden Zellen in der sogenannten Schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Mittelhirn. Dieser Botenstoff ist wichtig für die Signalübermittlung zwischen Gehirn und Muskulatur. Fehlt Dopamin, werden die Bewegungen immer kleiner, der Gleichgewichtssinn leidet, es kommt zu Zittern oder Steifigkeit der Muskeln. Weitere typische Symptome sind

  • eingefrorene Bewegungen
  • schlurfender Gang
  • leise Sprache
  • ein starrer, wächserner Gesichtsausdruck.

Krankheitsverlauf: Parkinson beginnt schleichend

Die Parkinson-Krankheit bleibt häufig über Jahrzehnte unbemerkt, während im Gehirn immer mehr Zellen abgebaut werden. Wenn das typische Zittern auftritt, ist bereits der größte Teil der entsprechenden Nervenzellen zerstört. Den motorischen Symptomen gehen aber meist jahrelang unklare Symptome voraus. So leiden spätere Parkinson-Erkrankte etwa doppelt so häufig an Verstopfung und Schlafstörungen wie die Allgemeinbevölkerung. Ein schlechter Geruchssinn und Depressionen treten häufiger auf.

Diagnostik: Hohe Gefahr der Fehldiagnose

Da die Symptome sich schleichend entwickeln, wird die Erkrankung gerade bei jüngeren Menschen manchmal übersehen. Andererseits können ähnliche Symptome wie bei Parkinson auch bei anderen Krankheiten auftreten - zum Beispiel bei Altershirndruck, Gefäß- oder Nervenkrankheiten oder einem Tremor. Deshalb kommt es nicht selten zu Fehldiagnosen und überflüssigen Parkinson-Therapien mit belastenden Nebenwirkungen. Das Problem: Eine Parkinson-Diagnose wird von weiterbehandelnden Ärzten kaum hinterfragt. Das Fehlen typischer Symptome führen sie häufig auf die Wirkung der Medikamente zurück.

Schlaf- und Riechstörung als Vorstufe von Parkinson

Als Vorstufe der Parkinson-Krankheit gilt eine sogenannte REM-Schlafverhaltensstörung. Bei dieser Schlafstörung bewegen sich Betroffene im Traum, sie können sich oder ihren Partner sogar verletzen. Ursache ist eine Schädigung des Traumbewegungszentrums im Gehirn. Die Symptome der Schlafstörung lassen sich mit Medikamenten lindern. Doch 70 bis 80 Prozent der Menschen, die im Traum um sich schlagen, entwickeln in den folgenden 10 bis 15 Jahren eine Parkinson-Krankheit. Auch ein zunehmender Verlust des Geruchssinns kann auf eine solche Vorstufe der Parkinson-Krankheit hinweisen.

Biomarker in der Haut

Im Gehirn von Parkinson-Erkrankten spielt ein bestimmter Biomarker, eine krankhafte Eiweißablagerung, eine wichtige Rolle. Er ist ein eindeutiger Beweis für die Parkinson-Krankheit, ließ sich bisher aber erst nach dem Tod im Hirngewebe nachweisen. Wissenschaftler der Universität Würzburg haben den Biomarker auch in der Haut von Betroffenen gefunden. Nun befassen sich die Forscher mit der Suche nach Medikamenten, die gefährdete Zellen des Bewegungszentrums vor der Zerstörung schützen und dadurch eine Parkinson-Krankheit verhindern.

Kommt Parkinson aus dem Darm?

Dass viele Parkinson-Patienten oft Jahre zuvor über Verstopfung klagen, hat Forscher auf eine weitere Spur gebracht: Sie gehen davon aus, dass die Parkinson-Krankheit zumindest teilweise im Verdauungstrakt beginnt. Tierversuche zeigten, dass sich ein falsch gefaltetes Eiweißmolekül (Alpha-Synuclein) bei der Parkinson-Krankheit in den erkrankten Gehirnzellen ablagert. Solche Ablagerungen entstehen, vermutlich aufgrund von Umwelteinflüssen, auch im Nervensystem des Magens und des Darms. Von dort aus könnten die Ablagerungen über den Vagusnerv und seine Verästelungen bis ins Gehirn "wandern".

Den Forschern gelang es bei Mäusen, das Fortschreiten der Krankheit mit einer Durchtrennung das Vagusnervs zu verlangsamen. Untersuchungen an Menschen, denen wegen eines Magengeschwürs der Vagusnerv durchtrennt worden war, bestätigen die Hypothese: Das Risiko einer Parkinson-Erkrankung ist in dieser Gruppe um 22 bis 41 Prozent geringer als in der Allgemeinbevölkerung.

Parkinson-Therapie: Fehlendes Dopamin ersetzen

Zur Therapie der Parkinson-Krankheit stehen mehrere Gruppen von Medikamenten zur Verfügung. Sie verstärken sich gegenseitig durch ihre unterschiedlichen Wirkmechanismen. Ziel ist es, fehlendes Dopamin im Gehirn zu ersetzen. Die Auswahl und Dosierung der Arzneimittel erfolgen individuell.

  • Das wirksamste Mittel gegen die Parkinson-Symptome ist Levodopa (L-Dopa). Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke und wird im Gehirn in aktives Dopamin umgewandelt. Damit eine ausreichende Wirkstoffkonzentration im Gehirn erreicht wird, müssen die Patienten L-Dopa in hohen Dosen einnehmen. Der Wirkstoff wird mit dem Enzymhemmer Benserazid kombiniert, um die erforderliche Dosis zu reduzieren. So lassen sich Nebenwirkungen wie Übelkeit und Kreislaufprobleme abschwächen.
  • Eine weitere wichtige Wirkstoffgruppe sind die sogenannten Dopaminagonisten. Sie ähneln dem Dopamin, verursachen aber Nebenwirkungen wie Schwindel. Ist die individuelle richtige Dosis gefunden, erreichen die Medikamente oft eine stabile Besserung.
  • Zusätzlich werden sogenannte MAO-Hemmer eingesetzt, die den natürlichen Dopaminabbau verzögern.
  • Auch der Wirkstoff Amantadin kann die Parkinson-Symptome verbessern. Die genaue Wirkungsweise ist dabei nicht bekannt.

Bei allen Erfolgen der Arzneimitteltherapie ist eine Heilung oder ein Stoppen der Erkrankung nicht möglich.

Neuer Behandlungsansatz in der Erprobung

Die Parkinson-Krankheit ist eine verhängnisvolle Kettenreaktion im Körper. Sie beginnt vermutlich mit einem körpereigenen Eiweiß (α-Synuclein). Das Protein faltet sich falsch in den Zellen und führt schließlich zu deren Zerstörung. Wissenschaftler vermuten, dass ein Eiweiß das nächste ansteckt und dass die Erkrankung gar nicht im Kopf beginnt, sondern im Darm und von dort über viele Jahre bis ins Gehirn hinaufwandert. Warum der Prozess beginnt, ist eine der vielen noch ungeklärten Fragen. Zudem deutet die Vielfalt der Symptome darauf hin, dass es womöglich nicht nur eine Parkinson-Krankheit gibt, sondern viele verschiedene Formen.

Bereits bekannt ist, dass im Gehirn von Parkinson-Erkrankten unterschiedliche Störungen auftreten:

  • zu viel giftiges Eiweiß
  • zu viel freies Eisen
  • Entzündungen

Gegen diese drei Störungen werden derzeit Medikamente getestet, die das Fortschreiten der Krankheit aufhalten sollen. Wenn das gelingt, wird es umso wichtiger sein, die Parkinson-Krankheit so früh wie möglich zu erkennen, denn einmal verlorene Funktionen werden die Medikamente wohl auch nicht zurückbringen.

Bewegung wirkt in jeder Krankheitsphase

Die Symptome lassen sich mit Medikamenten behandeln. Doch zahlreiche Studien belegen, dass Sport ebenso wirkungsvoll sein kann: Der Verlauf der Erkrankung ist oft sogar günstiger als mit Medikamenten allein.

Bereits im Anfangsstadium lässen sich die Symptome der Parkinson-Erkrankung durch intensives Training verbessern und im weiteren Krankheitsverlauf können Betroffene durch gezieltes Training bereits verlorene Fähigkeiten wiedererlangen. Eine Rolle spielen außerdem Freizeitaktivitäten wie Malen, Tanzen und das Erlernen neuer Bewegungsformen mit weit ausholenden Bewegungen wie Tai Chi.

Für Parkinson-Erkrankte sind Sportarten mit fließenden Bewegungen wie Schwimmen, Radfahren und Joggen geeignet. Wichtig ist, dass Parkinson-Erkrankte jede Gelegenheit zur Bewegung nutzen, denn das Gehirn verlernt die neu erworbenen Fähigkeiten wieder.

Sport kann auch vorbeugend wirksam sein: Wer im mittleren Lebensalter regelmäßig Sport treibt, senkt sein Risiko, später an Parkinson zu erkranken, um bis zu 40 Prozent.

BIG-Therapie für Parkinson-Erkrankte

In den ersten Stadien der Parkinson-Krankheit kann die Bewegungstherapie BIG zum Einsatz kommen. Die Übungen stimulieren ungenutzte Bereiche des Gehirns. Durch intensives Wiederholen und eine ständige Erfolgskontrolle lernen Betroffene, Bewegungen wieder bewusst im Alltag einzusetzen. Durch die Therapie werden Bewegungen schneller und präziser, auch das Gleichgewicht und die Körperwahrnehmung werden gefördert. Die Effekte halten mehrere Wochen bis Monate an.

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Experten zum Thema

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Andreas Hofinga, Anthroposophischer Hausarzt, Internist
Am Damm 8
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Buchenende 13
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Priv.-Doz. Dr. Martin Mücke, Facharzt für Allgemeinmedizin
Leiter Abteilung für seltene Erkrankungen Uniklinikum Bonn
Wilhelmstraße 40-42
53111 Bonn
www.praxismuecke.de

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Visite | 17.11.2020 | 20:15 Uhr

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