O-Beine und X-Beine: OP gegen Schmerzen und Arthrose im Knie

Stand: 16.08.2022 14:53 Uhr

Viele Menschen haben X- oder O-Beine. In einigen Fällen kann eine solche Fehlstellung zu Knorpelverschleiß und sogar Arthrose führen. Mitunter kann eine OP, eine sogenannte Umstellungsosteotomie, helfen.

Auch wenn die meisten Betroffenen keine Probleme haben, kann eine Fehlstellung im Kniegelenk im Einzelfall langfristig dramatische Folgen haben: Knorpelverschleiß, ständige Schmerzen, künstliches Kniegelenk, berufliche Einschränkungen.

Symptome: Schmerzen im Knie bis hin zur Arthrose

O-Beine sind vor allem bei Männern nicht ungewöhnlich. Sie führen aber dazu, dass die Knie einseitig belastet werden, und das halten die Gelenke nicht immer ein Leben lang aus. Probleme drohen vor allen, wenn Betroffene ihre Knie im Beruf oder im Sport stark belasten - und wenn sie rauchen. Ohne eine Behandlung nimmt der Schmerz im Knie ganz langsam zu. Das Körpergewicht lastet bei O-Beinen vor allem auf der Gelenkinnenseite, bei X-Beinen auf der Außenseite. Der Knorpel reibt sich mit der Zeit immer weiter ab, eine Arthrose entwickelt sich bei O-Beinen etwa 20-mal schneller als ohne Fehlstellung.

Konservative Therapie: Einlagen, Orthesen und Übungen

Oft werden bei Kniebeschwerden Sport und eine konservative Behandlung mit Schuhaußenranderhöhung, Einlagen, Orthesen und gezielter Muskelkräftigung empfohlen. Doch deren Chancen sind begrenzt, wenn die Fehlstellung zu stark ausgeprägt ist. Bevor man sich zu einer Operation entschließt, müssen diese Optionen allerdings ausgeschöpft sein. Und das erfordert Geduld, denn bis sich bei Orthesen oder Einlagen eine Schmerzlinderung einstellt, kann es einige Wochen dauern.

 

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Operation: Begradigung, Teilprothese oder künstliches Kniegelenk

Führen die konservativen Maßnahmen nicht zu einem nachhaltigen Erfolg, gibt es verschiedene Operationsverfahren, die zum Einsatz kommen können. Für die Entscheidung ist wichtig, wie stark der Knorpel schon beschädigt ist: Ist der Schaden noch gering, kann das Bein begradigt werden. Bei einem mittelschweren Schaden kommt eine sogenannte Teilprothese zum Einsatz, bei völlig zerstörtem Knorpel hilft nur noch ein künstliches Knie, eine Vollprothese.

Umstellungsosteotomie: Begradigung verschont Kniegelenk

Durch eine rechtzeitige Begradigung der Beine können die Kniegelenke komplett erhalten werden. Doch die dafür erforderliche Operation ist ein aufwendiger Eingriff: Bei der sogenannte Umstellungsosteotomie sägen die Operateure in einem minimalinvasiven Eingriff den Knochen ein und biegen ihn dann so weit, bis das Bein gerade ist. In diesem Winkel wird das Bein mit einer Titanplatte fixiert, damit Knochengewebe in den Spalt einwachsen kann. Letztlich soll das neue Knochengewebe genauso hart und belastbar sein, wie der restliche Knochen. Auch der Knorpel erholt sich in dieser Zeit. Zwar wird der hyaline Gelenkknorpel selbst nicht nachgebildet, aber auf den Defektzonen wächst eine Art Narbengewebe, das die Beschwerden immerhin deutlich lindert.

Beine zu begradigen ist eigentlich ein altbekanntes Verfahren, das im Prinzip bereits vor mehr als hundert Jahren entwickelt wurde. Durch den heute verbreiteten und lukrativeren Einsatz von Kunstgelenken sei diese Methode aber weitgehend in Vergessenheit geraten, kritisieren Experten. Dabei seien künstliche Gelenke gerade für jüngere Patientinnen und Patienten nicht immer eine gute Lösung, denn ihre Haltbarkeit ist begrenzt und ein Austausch nicht unbegrenzt möglich.

OP: Schnellere Heilung durch biegen der Knochen

Das Verfahren zur Beinbegradigung hat heute allerdings nicht mehr viel mit dem früheren Vorgehen gemein, denn inzwischen werden die Knochen nicht mehr wie früher gebrochen, sondern gebogen. Das macht die Operation einfacher und erlaubt eine schnellere Heilung. Nach vier bis sechs Wochen sind die meisten Patientinnen und Patienten wieder fit für den Alltag. Ein Problem sei aber, dass eine Beinbegradigung von den Krankenkassen nicht so gut vergütet wird wie andere Verfahren und zugleich eine aufwendigere Vorbereitung mit gründlicher Vermessung des Beins erfordert.

Experten zum Thema

Prof. Dr. Karl-Dieter Heller, Herzogin-Elisabeth-Hospital, Braunschweig

Ärztlicher Direktor, Chefarzt der Orthopädischen Klinik
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
(0531) 699 20 01
www.heh-bs.de

 

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Visite | 16.08.2022 | 20:15 Uhr

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