Stand: 10.09.2018 15:08 Uhr  | Archiv

Nackenschmerzen: Vorsicht bei Spritzen

Injektionsspritze © Colourbox
Bei Injektionen im Bereich der Halswirbelsäule ist äußerste Präzision gefragt.

Bei starken Nackenschmerzen verspricht eine schmerzstillende Spritze an die Halswirbelsäule schnelle Hilfe. Doch das Risiko einer solchen Behandlung wird oft unterschätzt. Spritzt der Arzt zu tief, können sich die Wirkstoffe über das Rückenmark Richtung Gehirn ausbreiten. Eine mögliche Folge sind Lähmungen oder ein Schlaganfall.

Röntgenkontrolle bei Spritzen am Hals

Die Halswirbelsäule ist ein riskanter Bereich für Injektionen. Um keine Venen, Arterien oder Nerven zu treffen, sollte der Arzt solche Eingriffe nur unter Röntgendurchleuchtung durchführen. Nur so sieht der Arzt genau, wo seine Nadel sitzt. Doch immer wieder verlassen sich Ärzte so sehr auf ihr Gefühl und ihre Erfahrung, dass sie solche Spritzen ohne Röntgenkontrolle setzen. Gelegentlich bekommen Betroffene immer wieder Spritzen, denn das Verfahren geht schnell und ist für die Ärzte lukrativ.

Konservative Behandlung mit Medikamenten

Experten raten von umfangreichen Spritzentherapien an der Halswirbelsäule und an der Lendenwirbelsäule ab. Konservative Methoden wie Anti-Rheumatika und muskelentspannende Mittel können die Schmerzen genauso lindern wie Spritzen. Auf Dauer helfen Physiotherapie und Sport, die die Muskulatur gezielt aufbauen. Ist eine Spritzentherapie unvermeidbar, sollten Betroffene darauf bestehen, dass die Spritzen unter Röntgendurchleuchtung gegeben werden.

Spritzentherapien bei Rückenschmerzen

  • Periradikuläre Infiltration (PRT): Bei dieser Therapie wird die Nervenwurzel, also der Nerv an der Austrittsstelle aus dem knöchernen Wirbelkanal, unter Röntgen-/CT- oder MRT-Kontrolle umspritzt.
  • Facettengelenk-Infiltration: Die Medikamente werden unter Röntgenkontrolle um die Wirbelgelenke herum gespritzt.
  • Epidurale Infiltration: Die Medikamente werden unter Röntgenkontrolle direkt in den Wirbelkanal um das darin befindliche Rückenmark herum gespritzt.
  • Quaddeln: Ein Medikament zur örtlichen Betäubung (Lokalanästhetikum) wird an mehreren Punkten in die Haut gespritzt, sodass blasenartige Quaddeln entstehen.
  • Triggerpunkt-Therapie: Spritzen werden in definierte Punkte in der Muskulatur gesetzt.

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Experten zum Thema

Dr. Jan Stork, Chefarzt
Anästhesie und Intensivmedizin, Schmerztherapie
Krankenhaus Tabea
Kösterbergstraße 32, 22587 Hamburg
(040) 866 92-240
www.tabea-fachklinik.de

Prof. Dr. Roman Fischbach, Chefarzt
Radiologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
(040) 18 18-81 18 11
www.asklepios.com

Dr. Benjamin Philipp Ernst, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Hals-, Nasen-, Ohrenklinik und Poliklinik - Plastische Operationen
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz
www.unimedizin-mainz.de/hno

Dr. Sabine Bleuel, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
Orthopädie und Chirurgie Elbchaussee
Elbchaussee 567, 22587 Hamburg
(040) 86 23 21
www.orthopaedie-elbchaussee.de

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Visite | 11.09.2018 | 20:15 Uhr

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