Sendedatum: 09.07.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Nach dem Herzinfarkt: Wenn die Psyche leidet

Ein Herzinfarkt ist ein plötzlich eintretendes, lebensbedrohliches Ereignis. In Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 280.000 Menschen einen Herzinfarkt, jährlich sterben etwa 50.000 bis 60.000 Menschen. Damit zählt der Herzinfarkt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Da sich die Akutversorgung von Herzinfarktpatienten stetig verbessert, ist die Zahl der Todesfälle infolge eines Herzinfarktes seit Jahren rückläufig. Dagegen wird die Nachsorge nach einem überlebten Myokardinfarkt häufig vernachlässigt.

Mann senkt den Kopf in die Hände © Picture Alliance

Trauma durch Herzinfarkt

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Viele Patienten, die einen Herzinfarkt überstanden haben, leiden durch die plötzliche Konfrontation mit dem Tod an psychischen Problemen. Wie können sie sich helfen?

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Posttraumatische Belastungsstörung

Neben einer optimalen medikamentösen Behandlung, steht zusätzlich zur gesunden Ernährung eventuell eine Raucherentwöhnung, regelmäßige körperliche Bewegung und unter Umständen auch eine psychologische Betreuung der Betroffenen im Mittelpunkt einer erfolgreichen Langzeittherapie. Denn fast ein Viertel aller Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt haben, leiden danach an psychischen Problemen.

Experten sprechen dann von einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung. Diese äußert sich insbesondere in Angst, Panik sowie Schlafstörungen. Typischerweise durchleben die Betroffenen das belastende Ereignis immer wieder in Gedanken. Dies kann zu ausgeprägtem Vermeidungsverhalten führen, in deren Folge die Patienten zum Beispiel den Ort des Geschehens nicht mehr aufsuchen können oder sich sozial isolieren.

Gespräche in Selbsthilfegruppen können helfen

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Experten empfehlen, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen.

Wenn die Erinnerungen an das Ereignis und die Erfahrung dem Tod nur knapp entkommen zu sein, das Leben so bestimmen, haben die Betroffenen ein erhöhtes Risiko, früher zu sterben, als Patienten, die sich mit ihrer Erkrankung arrangieren.

Experten weisen darauf hin, dass sich bereits mit Hilfe von Gesprächen, zum Beispiel im Rahmen von Selbsthilfegruppen, gute Therapieerfolge erzielen lassen. In schwierigeren Fällen kann eine Psycho- oder Verhaltenstherapie sinnvoll sein.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig
Facharzt für Psychosomatische Medizin und medizinische Psychologie
Leiter des "Mental Health Research Team"
Helmholtz Zentrum  München, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
Institut für Epidemiologie II
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg

Dr. Michael Klucken
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Diplom Psychologe
Am Bloher Forst 18
26160 Bad Zwischenahn

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.07.2013 | 20:15 Uhr

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