Stand: 28.05.2019 10:12 Uhr  | Archiv

Mit Intervallfasten Diabetes verhindern

Zusammengesetztes Bild von zwei Uhren
Dreimal am Tag essen, dazwischen fünf Stunden Pause - das ist die Grundlage des Intervallfastens.

Er zählt zu den meistverbreiteten Volkskrankheiten: der Diabetes mellitus. Unterschieden wird zwischen Typ 1 und Typ 2, wobei vor allem letzterer als Wohlstandskrankheit gilt - über 90 Prozent aller Diabetiker leiden daran. Vor allem Menschen mit deutlichem Übergewicht und familiärer Veranlagung sind betroffen. Die Erklärung dafür liegt meist in einer unausgewogenen Ernährung mit großen Mengen kohlenhydrathaltiger Lebensmittel und Getränke. Kombiniert mit Bewegungsmangel, kann die Insulinresistenz schnell voranschreiten.

Was passiert genau im Körper?

Nach jedem Essen schwimmen vermehrt Zuckermoleküle im Blut - der Blutzucker. Damit er in die Zellen gelangen kann, produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin. Dieses schleust den Zucker in die Zellen ein. So sinkt der Zuckerspiegel im Blut wieder. Essen wir aber oft, ohne lange Pausen, verändern sich die Zellen. Die Rezeptoren für Insulin stumpfen ab, sie werden müde und reagieren nicht mehr. Die Folge: Insulin kann nicht mehr andocken. Der Zucker bleibt im Blut - Diabetes entsteht. Herzinfarkt, Nervenschäden, Erblindung oder Nierenversagen sind häufige Spätfolgen.

Untersuchung an Mäusen

Im Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam suchen Wissenschaftler nach Wegen, um Diabetes zu verhindern - bei Mäusen und Menschen. Die Forscher untersuchten drei Mäuse-Gruppen: Die erste Gruppe durfte so viel fressen, wie sie wollte. Diese Mäuse wurden dick und schwer. Sie fraßen rund um die Uhr viel Fett und viele Kohlenhydrate. Gruppe zwei bekam täglich zehn Prozent weniger Futter als die erste Gruppe. Und Gruppe drei bekam eine Intervallfasten-Kur: einen Tag bekamen die Tiere nichts, am nächsten bekamen sie unbegrenzt Futter.

Die Forscher sahen Unterschiede in den Leberzellen der Mäuse: Bei den Tieren der Gruppe eins reicherten sich schädliche Fette an, die Diabetes fördern - so auch bei Gruppe zwei, allerdings waren es hier etwas weniger Fette. Bei Gruppe drei dagegen entwickelten sich kaum giftige Fette. Diese Mäuse waren vor Diabetes geschützt. Die Forscher stellten fest, dass in Muskeln und Leberzellen das Signal zur Insulinaufnahme durch die Fastenperiode in Gruppe drei verbessert war.

Radikale Ernährungsumstellung bei Probanden wirkt

Ein Mann trinkt einen Eiweiß-Vitamin-Shake.
Beim Intervallfasten werden die Hauptmahlzeiten zunächst durch Shakes ersetzt.

Diese Erkenntnisse nutzten die Forscher für ihre Probanden. Seit einem Jahr läuft eine Studie mit 100 Probanden. Diese mussten ihre Ernährung radikal umstellen: In den ersten drei Wochen durften sie zu den Hauptmahlzeiten nur Eiweiß-Vitamin-Shakes trinken. Dazwischen durfte nicht gegessen werden. Die Folge: Der Stoffwechsel schaltet um. In der Folgezeit sollten die Probanden weiterhin nur dreimal am Tag essen und zwischen den Mahlzeiten fünf Stunden Pause einhalten. Auf den Teller kamen Lebensmittel mit viel Vitaminen, wenig Fett und Kohlenhydraten.

Die Forscher prüften regelmäßig, wie der Körper mit einer Zuckerbelastung zurechtkam. Dazu musste eine Zuckerlösung getrunken werden und die Blutwerte wurden nach 30, 60 und 90 Minuten gemessen. Das Ergebnis: Die Zellen der Probanden konnten Zucker wieder besser verarbeiten. Auch die Leber profitierte vom Fasten: Der Fettanteil sank. Außerdem reduzierten die Probanden ihr Körpergewicht.

Studienteilnehmer gesucht

Auch in den nächsten zehn Jahren wollen die Wissenschaftler ihre Probanden begleiten. Außerdem suchen sie weitere Studienteilnehmer. Interessierte können sich an die Pressestelle des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung wenden.

Weitere Informationen
Frau steht auf einer Waage und hält einen Doughnut und einen Apfel in den Händen © Fotolia.com Foto: Maksymiv Iurii

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Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Andreas Pfeiffer
Endokrinologe
DIfE - Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114–116
14558 Nuthetal
Tel. (033200) 88 22 78
E-Mail: presse@dife.de
Internet: www.dife.de/

Prof. Dr. Annette Schürmann
Biologin
DIfE - Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114–116
14558 Nuthetal
Tel. (033200) 88 22 78
E-Mail: presse@dife.de
Internet: www.dife.de/

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Visite | 08.09.2015 | 20:15 Uhr

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