Stand: 09.01.2018 11:08 Uhr  | Archiv

Mit Ingwer und Andorn Erkältungen lindern

Der beliebte Ingwer und der weitgehend unbekannte Andorn sind bei Erkältungen, Magen-Darm-Beschwerden, Rheuma und Diabetes so wirksam, dass Experten sie zur Heilmittelpflanze beziehungsweise Arzneipflanze des Jahres 2018 gekürt haben. Beide leisten gerade im Winter wertvolle Hilfe bei Erkältungskrankheiten.

Andorn: Arzneipflanze des Jahres 2018

Andorn ©  Stan Shebs Foto: Stan Shebs
Andorn ist Arzneipflanze des Jahres 2018.

Der gemeine Andorn stärkt das Immunsystem, stabilisiert den Kreislauf und hilft gegen Erkältungen. Dafür sorgen seine Diterpen-Bitterstoffe und Lamiaceen-Gerbstoffe. Andorn-Tinkturen oder -Sprays wirken schleimlösend und erleichtern das Abhusten aus den Bronchien. Auch viele Halsbonbons enthalten neben anderen Kräutern Andorn. Darüber hinaus fördern die Bitterstoffe und Gerbstoffe den Gallenfluss und kurbeln dadurch die Fettverdauung an. Sie lindern Blähungen und Völlegefühl.

Bei Magen-Darm-Problemen werden zwei Teelöffel getrockneter Andorn mit kochendem Wasser aufgegossen. Zehn Minuten ziehen lassen, durch ein Teesieb gießen, mit etwas Honig süßen und in kleinen Schlucken trinken. Nebenwirkungen sind für den Andorn nicht bekannt. Menschen mit einem Magengeschwür oder Zwölffingerdarmgeschwür sollten auf die Arzneipflanze des Jahres jedoch verzichten.

Ingwer: Heilmittelpflanze des Jahres 2018

Ingwer-Wurzel und Ingwer-Pulver © fotolia Foto: baibaz
Ingwer ist zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten ein bewährter Helfer.

Der Knolle des Ingwers wird eine ganze Reihe gesunder Wirkungen zugeschrieben. Sie soll Erkältungen und Magen-Darm-Beschwerden, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen lindern, bei Diabetes helfen und schlanker machen. Ingwer gibt es getrocknet oder kandiert, zum Beispiel in Lebensmitteln wie Kuchen, Keksen, Schokolade, Öl, Bonbons und Marmelade.

Bei Kopfschmerzen hilft frischer Ingwer: Etwas Bio-Ingwer mit Schale reiben und mit Fruchtsaft übergießen, ein paar Minuten ziehen lassen, über ein feines Sieb abgießen und trinken. Die ätherischen Öle im Ingwer (Oleoresine) hemmen - genau wie Aspirin - bestimmte Enzyme (zum Beispiel Cyclooxygenase). Unterwegs machen ein paar Tropfen Ingwer-Öl, auf die Schläfen aufgetragen, den Kopf wieder schmerzfrei.

Bei Rheuma und Muskelschmerzen können die Öle und Scharfstoffe der asiatischen Wurzel die Beschwerden lindern. Das ätherische Öl Gingerol im Ingwer wirkt entzündungshemmend, lässt Schmerzen und Schwellungen abklingen. Vier bis fünf Gramm frischer Ingwer pro Tag können bereits ausreichen. Wer die Schärfe des frischen Ingwers nicht mag, kann auf Kapseln zurückgreifen. Bislang ist die Wirkung der Ingwer-Präparate gegen Rheuma nicht durch Studien belegt.

Beim Diabetes haben wissenschaftliche Untersuchungen bereits gezeigt, wie Ingwer den Blutzuckerspiegel positiv beeinflusst: Die Gingerole vergrößern auf den Muskelzellen das Eiweiß GLUT4. Dadurch können die Zellen mehr Zucker aus dem Blut aufnehmen und der Blutzuckerspiegel sinkt. Für einen Tee in dünne Scheiben geschnittenen Ingwer mit heißem, aber nicht kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Drei Mal täglich getrunken, senkt der Ingwertee den Blutzuckerspiegel und kann Muskelkater lindern.

Am Anfang einer Erkältung kann Ingwer als Tee den Ausbruch der Krankheit verhindern. Wer allerdings bereits Fieber hat, sollte besser die Finger von der Knolle lassen, denn ihre Scharfstoffe aktivieren die Wärmerezeptoren im Körper und lassen das Fieber noch weiter steigen.

Auch bei Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden soll Ingwer helfen, zum Beispiel in Form kandierter Ingwerstücke.

Tatsächlich hilft Ingwer auch beim Abnehmen: Studien zeigen, dass die Scharfstoffe im Ingwer den Appetit zügeln. Zudem erhöhen sie die Betriebstemperatur des Körpers und sorgen so für eine schnellere Verbrennung der Kalorien.

Ingwer hat aber auch Nebenwirkungen. Er gilt als blutverdünnend, was bei Operationen zu Komplikationen führen kann. In Schokolade verpackt ist Ingwer vor allem eine Süßigkeit.

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Ingwer-Wurzel und Ingwer-Pulver © fotolia Foto: baibaz

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Visite | 09.01.2018 | 20:15 Uhr

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