Stand: 14.01.2019 16:28 Uhr

Lipödem: Operation als Kassenleistung?

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Bei einem Lipödem sind die betroffenen Stellen berührungs- und druckempfindlich.

Das Lipödem ist eine Störung der Fettverteilung, die fast nur bei Frauen auftritt. Dabei kommt es zu einer Fettvermehrung, vor allem an Beinen, Hüfte, Gesäß und in einigen Fällen auch an den Arme. Eine Operation beim Lipödem haben gesetzliche Krankenkassen bisher nur in Einzelfällen bezahlt. Hilfe für die Betroffenen könnte von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommen: Die Liposuktion (Fettabsaugung) bei einem Lipödem soll per Rechtsverordnung zur Kassenleistung werden.

Ein Lipödem wird operativ behandelt

Lipödem: Operation als Kassenleistung?

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Bei einem Lipödem werden die Beine oder Arme immer dicker. Vom unkontrollierten Wachstum des Fettgewebes sind vor allem Frauen betroffen. Meist hilft nur eine Operation.

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Verbreitung des Lipödems

An einem Lipödem sind in Deutschland rund 3,8 Millionen Menschen erkrankt. Experten gehen aber von einer sehr hohen Dunkelziffer aus, weil viele Betroffene glauben, dass sie sich falsch ernähren oder zu wenig bewegen. Auch Ärzte erkennen die Erkrankung nicht immer. Erst in den letzten 20 Jahren ist das Lipödem mehr ins Bewusstsein der Mediziner gerückt. Und: Das Lipödem wird häufig mit einem Lymphödem oder Adipositas verwechselt.

Symptome und Ursachen des Lipödems

Typisch für ein Lipödem ist ein unproportionales Verhältnis der einzelnen Körperteile zueinander. Im Extremfall tragen betroffene Frauen am Oberkörper Kleidergröße XS, an den Oberschenkeln aber XXL. Dazu kommen ständige Schmerzen.

Die genauen Ursachen des Lipödems sind nicht geklärt. Da die ersten Symptome meist in der Pubertät oder nach Schwangerschaften auftreten, vermuten Experten hormonelle Auslöser. Die Neigung zum Lipödem scheint vererbbar zu sein.

Knubbel und Ödeme im Fettgewebe

Beim Lipödem vermehren sich die Fettzellen unkontrolliert im Fettgewebe der Unterhaut. An den betroffenen Stellen lassen sich harte Knubbel tasten, während Knöchel und Handgelenke schlank bleiben.

Zwischen den Fettzellen kommt es zu Wassereinlagerungen - sogenannten Ödemen. Sie drücken auf das umliegende Gewebe, sodass es insbesondere abends, nach langem Stehen und bei warmen Temperaturen zu Spannungs- und Schweregefühlen der Beine kommt. Die betroffenen Stellen sind sehr berührungs- und druckempfindlich. Bereits nach kleinen Stößen treten Blutergüsse auf.

Krankheit verläuft in drei Stadien

Bei einem zumeist schlanken Oberkörper wirken die Beine beim Lipödem meist unproportioniert dick. Die Erkrankung verläuft in drei Stadien:

  • Im Stadium I ist die Unterhautschicht noch gleichmäßig verdickt.
  • Im Stadium II wird sie knotenförmig und führt zu Unebenheiten der Hautoberfläche.
  • Im Stadium III verhärtet sich das Gewebe zunehmend, es entstehen ausgeprägte Fettwülste, die im Knie- und Oberschenkelbereich zu einer Behinderung beim Gehen führen können.

Nur die Symptome lassen sich behandeln

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Lipödem Hilfe Deutschland

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Die Fettansammlungen lassen sich durch Diäten oder Sport nicht reduzieren. Bislang ist es nicht möglich, ein Lipödem ursächlich zu behandeln. Daher können lediglich die Symptome behandelt werden. Oft lassen sich die Beschwerden lindern durch

  • eine komplexe physikalische Entstauungstherapie
  • eine Kombination aus regelmäßiger manueller Lymphdrainage, Krankengymnastik und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen

Fett absaugen: Operation ab Stadium II

Ab Stadium II hat sich zusätzlich eine gezielte Fettabsaugung (Vibrationsliposuktion) bewährt. Dabei werden die krankhaften Fettmassen unter örtlicher Betäubung mit einer sehr dünnen, abgerundeten und vibrierenden Sonde abgesaugt. So können normale Körperformen wiederhergestellt und die Beschwerden dauerhaft gelindert werden. Zudem kann eine möglichst frühe Operation die Entwicklung gefährlicher Folgeerkrankungen wie Lymphödeme oder offene Beine verhindern.

Operation wird nur in Einzelfällen bezahlt

Nach einer gesicherten Diagnose empfehlen Experten, den Eingriff in einer spezialisierten Klinik durchführen zu lassen, da die Operation viel Erfahrung erfordert. Bisher übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten von mehreren Tausend Euro pro Eingriff allerdings nur in Einzelfällen: Die dauerhafte Wirksamkeit der Methode sei nicht ausreichend belegt.

Konservative Behandlung oft teuer als Operation

Die konservative Behandlung mit Kompressionsstrümpfen und Lymphdrainage ist oft deutlich teurer als eine Operation:

  • Konservative Therapie: Je nach Krankenkasse werden pro Jahr vier maßangefertigte Kompressionsstrümpfe für jeweils 700 bis 1.200 Euro und zehn Rezepte über zehn Lymphdrainagen (jeweils 500 bis 550 Euro) bezahlt. Das sind nach einem Jahr circa 7.800 bis 10.300 Euro, nach zehn Jahren schon 78.000 bis 103.000 Euro.
  • Operation: Der Eingriff bei einem Lymphödem kostet einmalig circa 18.000 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht, weil der Posten nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung steht.

Studie untersucht Wirksamkeit

In einer Studie soll nun die Wirksamkeit der Operation im Vergleich zu konservativen Therapien untersucht werden. Sie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) veranlasst, der über den Leistungskatalog der Krankenversicherungen entscheidet. Der GBA ist damit nach mehr als 20 Jahren Liposuktion an betroffenen Frauen die erste Einrichtung, die eine kontrollierte Studie zu der OP-Methode auf den Weg gebracht hat.

Expertinnen zum Thema

Dr. Marion Heck
Gynäkologin
LipoClinic Dr. Heck
Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen
Zeppelinstraße 321
45470 Mülheim an der Ruhr
www.lipo-clinic.de

Dr. Christina Schreiber
Fachärztin für Allgemeinmedizin und Phlebologie
Zentrum für Gefäßmedizin Hamburg
Paul-Dessau-Straße 3e
22761 Hamburg
(040) 460 03 90
www.gefaesszentrum.de

Dieses Thema im Programm:

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