Stand: 07.06.2016 11:51 Uhr

Leichter atmen: Hilfe für COPD-Kranke

Eine Frau mit einem Beatmungsgerät
Zwei Patienten nutzen das veränderte Beatmungsgerät bisher - mit Erfolg, es geht ihnen besser.

Sie zählt weltweit zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass sie schon bald Todesursache Nummer vier sein wird: die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung - kurz COPD. Allein in Deutschland wird die Zahl der COPD-Patienten auf sieben Millionen geschätzt. Heilbar ist die Krankheit nicht,  und viele schwer Betroffene sind nachts auf ein Beatmungsgerät angewiesen.

COPD: Luft aus Lungenbläschen kann nicht entweichen

Bei einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung sind die Bronchien ständig entzündet. Die Lungenbläschen am Ende der Atemwege sind zerstört, die Atemwege schlaff und verengt. Bei der Ausatmung fallen sie zusammen, die Luft aus den Lungenbläschen kann nicht entweichen. Mit jedem Einatmen steigt der Druck in der Lunge und presst die Atemwege noch stärker zusammen - vor allem nachts unter dem zusätzlichen Druck eines  Beatmungsgeräts. Die Betroffenen leiden am Morgen unter einem Engegefühl und Atemnot.

Beatmungsgerät simuliert Lippenbremse

Die Schlafmediziner im Forschungszentrum Borstel  in Schleswig-Holstein haben nun das gängige Beatmungsgerät so verändert, dass eine bei Lungenkranken  bekannte und bewährte Atemtechnik simuliert wird: die sogenannte Lippenbremse.  Die Lungenkranken müssen nun nachts gegen einen sich verändernden Widerstand ausatmen, insgesamt wird der Druck der Beatmung gesenkt.  Bei der Lippenbremse werden die Lippen gekräuselt und es wird gegen den so entstehenden Gegendruck ausgeatmet. Dadurch werden die Atemwege weiter geöffnet und die Ausatemphase verlängert sich. Die Folge: Die in den Lungenbläschen gefangene Luft kann entweichen.

Seit Jahresbeginn ist das neue Beatmungsgerät offiziell als Medizinprodukt zugelassen. Bei den ersten Patienten, bei denen die Lippenbremse eingesetzt wurde, konnte eine deutliche Verbesserung erzielt werden. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für das neue Gerät inzwischen, dies muss aber im Einzelfall erfragt werden.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Stefan Rüller, Facharzt für Innere Medizin
Forschungszentrum Borstel
Medizinische Klinik Borstel
Parkallee 35
23845 Sülfeld
Tel. (04537) 188 37 00
Fax:(04537) 18 83 13
E-Mail: srueller@fz-borstel.de

Dr. Hans-Jürgen Struckmeyer
Internist
Internistische Gemeinschaftspraxis
Georgstraße 27
30159 Hannover
Tel. (0511) 32 33 32
Fax: (0511) 76 39 93 93
Internet: www.internisten-georgstrasse.de/

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Visite | 07.06.2016 | 20:15 Uhr

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