Stand: 18.02.2019 11:29 Uhr

Krank durch Essen: Nährwert-Ampel gefordert

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Ungesundes Essen macht viele Menschen in Deutschland krank.

Eine ungesunde Ernährung macht viele von uns krank: 59 Prozent der Deutschen sind übergewichtig, jeder Dritte hat eine nichtalkoholische Fettleber, sechs Millionen leiden an Diabetes und jeder Fünfte stirbt einen ernährungsbedingten Herztod. Die Deutschen essen sich zu Tode, warnen Experten. Die Politik könnte eine weitere Zunahme der Ernährungskranken verhindern, verweigere aber bislang alle verfügbaren Maßnahmen.

Unterschiedliche Verpackungen von Lebensmittel aus einem Supermarkt.

Krank durch Essen: Nährwert-Ampel gefordert

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Durch Lebensmittel mit viel Salz, Zucker und Fett werden viele Menschen in Deutschland krank. Experten fordern unter anderem eine bessere Kennzeichnung ungesunder Produkte.

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Kürzeste Lebenserwartung in Westeuropa

Welche Folgen die ungesunde Ernährung hat, zeigt der Vergleich mit anderen Staaten Westeuropas. Im Durchschnitt haben Deutsche mit 81 Jahren die geringste Lebenserwartung. Das ist ein Jahr weniger als der durchschnittliche EU-Bürger. Dabei verfügt Deutschland über ein gutes und kostspieliges Gesundheitssystem. Doch dieser Vorteil werde nach Ansicht von Ernährungsmedizinern durch eine besonders schlechte Ernährung mehr als aufgehoben.

Ampel-Kennzeichnung in Deutschland gefordert

In deutschen Supermärkten ist bisher kaum zu erkennen, wie gesund oder ungesund ein Lebensmittel ist. Zwar sind Nährwerttabellen mittlerweile auf allen Lebensmitteln aufgedruckt, aber so klein und unübersichtlich, dass damit kaum jemand etwas anfangen kann.

In anderen Ländern hat die Politik bereits Maßnahmen ergriffen, um die Bürger zu schützen. Mehr als 70 Länder weltweit beschränken die Herstellung oder den Vertrieb ungesunder Lebensmittel.

Bewährt haben sich leicht verständliche Ampel-Systeme. In Frankreich steht zum Beispiel der sogenannte Nutriscore mitten auf der Verpackung. Damit kann jeder Verbraucher sofort erkennen, ob das Lebensmittel gesund (grün), ungesund (rot) oder irgendetwas dazwischen (gelb) ist.

Mit einer Ampel-Kennzeichnung könnten Verbraucher auf Anhieb ungesunde Zutaten in verarbeiteten Lebensmitten erkennen, zum Beispiel Zucker in Getränken oder Fertigsalaten, Salz in Brot oder Fett in Wurst.

Viele Experten fordern eine verpflichtende Ampel-Kennzeichnung auch in Deutschland. Die Erfahrung in anderen Ländern zeige, dass Hersteller dann ihre Rezepturen verändern, um einem roten Warnschild zu entgehen.

Zuckersteuer bringt Industrie zum Einlenken

In Großbritannien hat die Einführung einer Zuckersteuer auf süße Getränke gewirkt. Fast alle Hersteller haben dort nach Ankündigung der neuen Abgabe ihre Rezepturen verändert. So enthalten 100 Milliliter Fanta in Großbritannien nur noch 4,6 Gramm Zucker, in Deutschland mit 9,4 Gramm mehr als das Doppelte.

Transfette in Dänemark und USA verboten

Gefährliche Transfette in verarbeiteten Lebensmitteln sind in Dänemark bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten verboten, mittlerweile auch in den USA. Die für Übergewicht und Gefäßverkalkung verantwortlichen Transfette ließen sich auf Druck des Gesetzgebers leicht durch gesündere Alternativen ersetzen. Doch die Forderung vieler Ärzte nach einem Verbot von Transfetten auch in Deutschland wurde bisher nicht umgesetzt.

Ernährungsministerin setzt auf freiwillige Maßnahmen

Statt auf Verbote, klare Kennzeichnungspflichten oder eine höhere Besteuerung ungesunder Lebensmittel setzt die deutsche Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf freiwillige Maßnahmen der Lebensmittelindustrie und die Eigenverantwortung der Verbraucher.

Dabei zeigen Studien, dass schon eine höhere Mehrwertsteuer auf ungesunde Produkte und eine Steuerbefreiung für Obst und Gemüse einen großen Effekt hätten. Experten haben errechnet, dass steuernde Maßnahmen zur Reduzierung der Kalorienzufuhr die Zahl der schwer übergewichtigen Deutschen um zehn Prozent verringern könnten. Die Maßnahme würde nicht nur Leben retten, sondern auch Krankheitskosten in Milliardenhöhe sparen.

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Experten zum Thema

Dr. Matthias Riedl, Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
medicum Hamburg MVZ GmbH
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
(040) 807 97 90
www.medicum-hamburg.de

Barbara Bitzer, Apothekerin, Geschäftsführerin
Deutsche Diabetes Gesellschaft e. V.
Albrechtstraße 9
10117 Berlin
(030) 311 69 37 11
www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Priv.-Doz. Dr. rer. pol. Tobias Effertz
Institut für Recht der Wirtschaft
Universität Hamburg
Von Melle Park 5
20146 Hamburg
www.bwl.uni-hamburg.de

Prof. Dr. rer. nat. Martin Smollich, Arbeitsgruppenleiter Pharmakonutrition
Institut für Ernährungsmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 31 01 84 01
www.uksh.de/Ernaehrungsmedizin_Luebeck

Weitere Informationen
Positionspapier der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
www.dank-allianz.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 19.02.2019 | 20:15 Uhr

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