Stand: 20.05.2016 12:30 Uhr  | Archiv

Kopfschmerz - Wenn Schmerzmittel schuld sind

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Bei Kopfschmerzen greifen viele Menschen schnell zu Schmerztabletten.

Ein Pochen hinter der Stirn, ein Druck an der Schläfe: Schon leichte Kopfschmerzen sind unangenehm und können den Tagesablauf erheblich beeinträchtigen. Durch die Einnahme von Schmerzmitteln lassen sich die Beschwerden meist einfach behandeln. Aus Angst vor der nächsten Attacke greifen viele Migräne- und Kopfschmerzpatienten aber regelmäßig zu Schmerztabletten. Was nur wenige wissen: Bei häufiger und unkontrollierter Einnahme drohen nicht nur Magenbeschwerden, Nierenversagen, Leberschäden, Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch die Wirkung lässt nach. Die Beschwerden nehmen sogar zu.  

Schmerzschwelle sinkt, Schmerzen nehmen zu

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Schmerzmittel unterdrücken Kopfschmerzen oft schnell und einfach. Sie können aber auch zum Auslöser für Kopfschmerzen werden.

Wenn wir ab und zu eine Schmerztablette nehmen, funktionieren unsere Schmerzfilter: Sie unterbrechen den Prozess. Die Beschwerden lassen nach. Doch wenn wir zu oft Schmerztabletten nehmen, reagiert das zentrale Nervensystem immer empfindlicher. Die Folge: Die Schmerzschwelle sinkt. Die Filter lassen sämtliche Reize passieren. So entsteht ein Teufelskreis: Mehr Schmerzmittel produzieren mehr Kopfschmerzen. Typisch für diesen sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerz sind dumpf-drückende Schmerzen, die morgens beginnen und den ganzen Tag anhalten. Rund drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung leiden darunter, Frauen häufiger als Männer.

Um diese Schmerzspirale zu vermeiden, sollten Kopfschmerztabletten nicht länger als drei Monate an höchstens zehn Tagen pro Monat eingenommen werden. Bei koffeinhaltigen Präparaten ist das Risiko, einen medikamentenabhängigen Dauerkopfschmerz zu entwickeln, besonders groß. Die einzige Möglichkeit, ihn zu behandeln, ist der Entzug, also das Absetzen aller Schmerzmittel - ambulant oder in einer speziellen Schmerzklinik.

Schmerzmittel beeinträchtigen auch die Emotionen

Aber Schmerzmittel können nicht nur weitere Schmerzen auslösen. "Sie beeinflussen auch die Emotionen und das Empfinden, was Dinge wert sind", warnt der Hamburger Arzt Dr. Johannes Wimmer. US-Psychologen haben dazu 2014 an der Universität von Kentucky eine Studie durchgeführt. Die Hälfte der Teilnehmer bekam vor dem Experiment Paracetamol verabreicht, die andere Hälfte ein Placebo. Dann sollten alle einen Thermo-Kaffeebecher verkaufen. Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die kein Paracetamol genommen hatten, veräußerten den Becher im Durchschnitt für ein Drittel mehr als diejenigen, die das Schmerzmittel geschluckt hatten. Für die Studienleiter ein eindeutiger Beweis dafür, dass Schmerzmittel den Verlustschmerz reduzieren.

Schmerztherapeuten aufsuchen

Wer häufig oder dauerhaft an Kopfschmerzen leidet, sollte einen Schmerztherapeuten aufsuchen. Diese Spezialisten kennen sich besonders gut mit Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen der Schmerzmittel aus und können oft auch mit nichtmedikamentösen Verfahren helfen.

Kopfschmerz-Sprechstunde am UKE Hamburg

Schmerz-Ambulanz (Neurologie)
Neurologische Poliklinik, Haus O 10, EG
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Terminvergabe 
(040) 741 05 27 80  (Mo-Fr 9.00-16.00 Uhr)

Die Möglichkeiten reichen dabei von gezielten Entspannungsverfahren wie Yoga, autogenem Training, Muskelentspannung, Autosuggestion und Biofeedback bis hin zu Massagen. Nach dem Entzug können Schmerzmittel wieder verabreicht werden, allerdings nur in einer sehr geringen Dosis, denn Rückfälle sind - gerade im ersten Jahr - häufig.

Weitere Informationen

"Schmerzmittel höchstens zehn Tage im Monat"

Wie läuft ein Entzug bei medikamenteninduzierten Kopfschmerzen ab? Diese und weitere Fragen hat der Schmerztherapeut Dr. Jan Stork im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Jan Stork
Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Ärztlicher Leiter Bereich Schmerztherapie               
Ambulanzzentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 61 88
Fax (040) 741 05 69 73
E-Mail: schmerz@uke.de
Internet: www.uke.de/ambulanzzentrum
Kopfschmerz-Sprechstunde
Neurologische Poliklinik, Neues Klinikum (O10), Erdgeschoss
Terminvergabe  (040) 741 05 27 80  (Mo - Fr 9.00-16.00 Uhr)

Im Beitrag:

Dr. Silke Sternberg, Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin und Neurologie
Praxis für Schmerztherapie
Wiesenkamp 22B
22359 Hamburg                                              
Tel. (040) 64 53 63 03
Fax (040) 60 44 28 96
Internet: www.schmerzpraxis-sternberg.de

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Dr. Wimmer: Wissen ist die beste Medizin / 30.05.2016 / 21.00 Uhr

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