Stand: 15.11.2016 09:07 Uhr  | Archiv

Inkontinenz: Therapien gegen Blasenschwäche

Hinweisschild WC © Fotolia Foto: namning
Bei Blasenschwäche oft die letzte Rettung: eine öffentliche Toilette.

Wer an Blasenschwäche leidet, kennt in seinem Umfeld wohl jedes öffentliche WC. Das Leben ist bestimmt von der ständigen Sorge, es nicht rechtzeitig zur Toilette zu schaffen. Viele Erkrankte können nachts nicht durchschlafen und geben viel Geld für saugfähige Vorlagen aus. Oft trauen sie sich nicht einmal, mit ihrem Arzt über die Harninkontinenz zu sprechen. Dabei gibt es wirksame Therapien, zum Beispiel Beckenbodentraining, Einlagen, Medikamente oder eine Operation. Welche Behandlung die richtige ist, hängt von den Ursachen der Blasenschwäche ab.

Blase und Beckenboden untersuchen

Zur Diagnostik einer Harninkontinenz untersucht der Arzt zunächst den Beckenboden und misst den Blasendruck. Bei Frauen ist in den meisten Fällen - oft nach Geburten - der Beckenboden geschwächt. Das Muskelgeflecht liegt wie eine Acht um Vagina und After herum. Bei der Messung des Blasendrucks wird über einen Katheter Wasser in die Blase geleitet und ermittelt, wie viel Flüssigkeit sie halten kann. Betroffene müssen außerdem protokollieren, wann sie auf die Toilette müssen und wie viel Urin sie ausscheiden.

Belastungsinkontinenz: Physiotherapie bis Operation

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Chat-Protokoll zum Thema Inkontinenz

Wer an Blasenschwäche leidet, traut sich oft nicht, mit seinem Arzt über die Harninkontinenz zu sprechen. Dabei kann sehr vielen Patienten schnell geholfen werden, so Prof. Axel Merseburger im Visite Chat. mehr

Eine Belastungsinkontinenz ist eine allgemeine Beckenbodenschwäche, die sich häufig erst bei einer Überlastung zeigt, beispielsweise durch langdauerndes Husten. Ist die Harninkontinenz durch eine Senkung der Blase oder des Beckenbodens bedingt, können Physiotherapie, Biofeedback, Pessare oder Medikamente für Abhilfe sorgen. Bei Frauen, die an Belastungsinkontinenz leiden und nicht auf konservative Therapien ansprechen, kann eine Operation hilfreich sein: Dabei werden in einem kurzen Eingriff über zwei Einstiche durch die Haut oder von der Vagina aus spannungsfreie Vaginalbänder unter die Harnröhre gezogen, um die nicht mehr intakte Bandstruktur des Beckenbodens zu unterstützen.

Dranginkontinenz: Verhaltenstherapie und Medikamente

Bei einer Dranginkontinenz kommt es ohne körperliche Belastung zu unwillkürlichem Urinverlust. Oft hilft eine Verhaltenstherapie: Unterstützt durch Physiotherapie und gegebenenfalls auch Medikamente, lernt der Erkrankte, seine Blase besser zu kontrollieren und Druck auszuhalten. Zunächst geht es darum, ein Gefühl für die Beckenbodenmuskulatur zu entwickeln. Biofeedback-Übungen helfen, den Beckenboden bewusst wahrzunehmen und die Muskulatur so zu steuern, dass man seltener auf die Toilette gehen muss.

Überaktive Blase: Medikamente und Nervenstimulation

Ist eine überaktive Blase, auch Reizblase genannt, die Ursache, lässt sich die Harninkontinenz mit Medikamenten behandeln, zum Beispiel Hormoncremes, Tabletten (Anticholinergika) und Botox-Spritzen. Auch eine elektrische Nervenstimulation (TENS) kann hilfreich sein. Dabei wird die Beckenbodenmuskulatur über Elektroden auf der Haut stimuliert und trainiert.

Blasenentzündung: Medikamente oder Operation

Tritt die Harninkontinenz zusammen mit Schmerzen in der Blase auf, kann das auf eine chronische, nicht bakterielle Blasenentzündung hindeuten. Ein Urologe kann die Diagnose anhand einer Blasenspiegelung stellen und die Entzündung mit Medikamenten oder einem kleinen operativen Eingriff beseitigen.

Übungen für den Beckenboden

Vor Inkontinenz kann ein gut trainierter Beckenboden schützen. Mit einigen einfachen Übungen, die man am besten mehrmals täglich macht, lässt sich der Beckenbodenmuskel stärken. Ein positiver Nebeneffekt: Der Bauch wird flacher, weil ein fester Beckenboden die Haltung verbessert und die inneren Organe am richtigen Platz hält.

Becken kippen

Aufrecht hinstellen, die Füße fest am Boden, die Knie leicht beugen. Das Brustbein heben und den Oberkörper aufrichten. Den Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule halten, Schultern locker hängen lassen. Einen Handrücken auf den unteren Rücken, die andere Hand mit der Innenfläche auf den Bauch unterhalb des Nabels legen, der kleine Finger zeigt zum Schambein. Stellen Sie sich vor, der Beckenboden verbindet wie eine Hängematte Schambein und Steißbein. Drücken Sie leicht mit dem kleinen Finger auf das Schambein. Mit einem stimmlosen "fff"-Laut ausatmen und das Becken nach vorne kippen. Den Beckenboden anspannen, indem Sie Scham- und Steißbein zusammenziehen, solange Sie ausatmen. Einatmen und dabei das Becken nach hinten kippen, sodass Sie fast ins Hohlkreuz kommen. Zehnmal wiederholen.

 

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Inkontinenz: Welche OP hilft Frauen?

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.11.2016 | 20:15 Uhr

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