Stand: 11.11.2019 11:37 Uhr

Oberarmkopfbruch: OP oder konservativ behandeln?

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Ein Oberarmkopfbruch ist auf dem Röntgenbild meist gut zu erkennen.

Oberarmkopfbrüche, auch Humeruskopffrakturen genannt, gehören zu den häufigsten Brüchen bei Menschen über 60 Jahren. Der Oberarmkopf ist das obere Ende des Oberarmknochens. Eine klein ausgelegte internationale Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich mit einer konservativen Therapie ebenso gute Ergebnisse erzielen lassen wie bei einer Operation, auch wenn die Knochen durch den Bruch um mehr als einen Zentimeter oder 45 Grad verschoben sind. Wichtig ist bei beiden Verfahren die richtige Physiotherapie und Mobilisation, um eine Versteifung des Gelenkes zu verhindern.

Jemand erklärt das Röntgenbild eines Oberarmkopfbruchs

Oberarmkopfbruch: OP oder konservativ behandeln?

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Ein Bruch des Oberarmknochens gehört bei Menschen über 60 zu den häufigsten Knochenbrüchen. Ursache ist oft eine Osteoporose. Welche Therapien versprechen den größten Erfolg?

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Ursache ist häufig Osteoporose

Oberarmkopffrakturen sind häufig der erste Hinweis auf eine Osteoporose. Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Bei jüngeren Menschen führen meist Verkehrs- oder Sportunfälle zu Oberarmkopfbrüchen. Bei älteren Personen sind es Stürze auf den ausgestreckten Arm.

Diagnose mit Röntgenbild und CT-Aufnahme

Nach einem Oberarmkopfbruch halten Betroffene den verletzten, schmerzhaften Arm typischerweise in Schonhaltung eng am Brustkorb. Die Beweglichkeit des betroffenen Armes ist in der Regel stark eingeschränkt. Röntgenaufnahmen des betroffenen Oberarms gehören zur Standarddiagnostik der Verletzung. Eine Computertomographie kann bei komplizierten Brüchen zusätzliche Informationen liefern, zum Beispiel über die Größe und die Lage der einzelnen Bruchstücke und über begleitende Verletzungen. 

Therapie: Operation oft nicht nötig

Das Ziel der Therapie ist es, die Funktion und die Belastungsfähigkeit des betroffenen Arms wiederherzustellen. Die Wahl des geeigneten Therapieverfahrens ist dabei von verschiedenen Faktoren abhängig, zum Beispiel der Form des Bruchs: Nicht verschobene Brüche können in der Regel gut konservativ behandelt werden. Verschobene Brüche werden häufig operiert.

Eine Operation ist in der Regel notwendig, wenn

  • durch den Bruch Nerven oder Blutgefäße verletzt wurden
  • der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne ausgetreten ist
  • es sich um einen Bruch mit vielen zueinander verschobenen Bruchteilen handelt
  • jüngere Menschen betroffen sind

Mögliche Komplikationen der operativen Therapie sind:

  • Schraubenfehllagen
  • Schraubenlockerungen
  • Infektionen

Humeruskopffraktur: Zu viele Operationen?

Experten gehen davon aus, dass bei bis zu 30 Prozent der über 60-Jährigen, die wegen eines Oberarmbruchs operiert werden, eine OP nicht nötig wäre. Bei ihnen ließen sich mit Hilfe eines konservativen Behandlungsvorgehens vergleichbare Ergebnisse erzielen. 

Konservative Behandlung mit guten Ergebnissen

Bei nicht oder nur gering verschobenen Brüchen des Oberarmkopfs führt eine konservative Therapie in der Regel zu guten Ergebnissen: Die vom Oberarmkopfbruch betroffene Schulter kann 85 Prozent der Beweglichkeit der anderen Schulter erreichen.

Bei der konservativen Behandlung wird der betroffene Arm sechs Wochen ruhiggestellt. In der anschließenden Physiotherapie wird der Arm zunächst vom Therapeuten bewegt, es folgen Bewegungen mit dem Gewicht des Arms gegen die Schwerkraft und unter Belastung. Die Bewegungen werden in jeder Phase bis zur individuellen Schmerzgrenze durchgeführt.

Zu den möglichen Komplikationen der konservativen Behandlung zählen:

  • anhaltende Bewegungseinschränkung
  • anhaltende Schmerzen
  • unvollständige Bruchheilung

Prinzipiell ist es möglich, die Therapie konservativ zu beginnen und bei ausbleibendem Erfolg eine Operation durchzuführen.

Weitere Informationen

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Experten zum Thema

Prof. Dr. med. habil. Helmut Lill
Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
DIAKOVERE Friederikenstift Hannover
DIAKOVERE Krankenhaus gGmbH
Humboldtstr. 5
30169 Hannover
(0511) 129 23 31
www.diakovere.de

Prof. Dr. Christian Krettek
Direktor der Unfallchirurgischen Klinik
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
(0511) 532 20 99

Dieses Thema im Programm:

Visite | 12.11.2019 | 20:15 Uhr

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