Stand: 28.09.2020 12:25 Uhr

Herz untersuchen - per Katheter, CT oder MRT?

Mann fasst sich vor Schmerzen ans Herz. © COLOURBOX
Bei Herzbeschwerden ist eine Untersuchung wichtig, um die Ursachen abzuklären.

Mehr als 800.000 Herzkatheter-Untersuchungen werden pro Jahr in Deutschland durchgeführt. In mehr als der Hälfte der Fälle stellt sich dabei heraus, dass keine Verengung der Herzkranzgefäße vorliegt - diese könnte per Katheter behandelt werden. In anderen Fällen ließe sich der Eingriff durch ein bildgebendes Verfahren wie der Computertomografie des Herzens (Kardio-CT) ersetzen - vor allem bei jüngeren Patienten ohne Risikofaktoren mit untypischen Beschwerden, die in der Regel andere Ursachen als einen Herzinfarkt haben.

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Herzkatheter: Operation mit Risiken

Bei der Herzkatheter-Untersuchung handelt es sich um eine minimalinvasive Operation mit Risiken. Um den Katheter vom Handgelenk oder der Leiste zum Herzen zu führen, muss eine Arterie punktiert werden. Das kann zu Nachblutungen, Gefäß- und Nervenirritationen, Blutergüssen und in extrem seltenen Fällen zu tödlichen Komplikationen führen. Deshalb müssen die Patienten nach der Untersuchung für eine gewisse Zeit in der Klinik beobachtet werden.

Wann der Herzkatheter sinnvoll ist

Unverzichtbar ist der Herzkatheter, wenn verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße geweitet oder Herzrhythmusstörungen behandelt werden müssen. Auch bei typischen Symptomen eines Herzinfarkts - wie Brustschmerzen mit Ausstrahlung in Schulter, Arm, Rücken oder Kiefer - sowie begleitender Luftnot ist eine sofortige Herzkatheter-Untersuchung die Methode der Wahl.

Vor einer diagnostischen Katheter-Untersuchung helfen Tests wie ein Belastungs-EKG und eine Ultraschalluntersuchung, das sogenannte Herz-Echo, die Wahrscheinlichkeit einer Verengung in einem Herzkranzgefäß einzuschätzen. In der Echokardiografie (Herzecho) sehen die Ärzte die Struktur des Herzens, können die Größe der Herzkammern und des Herzmuskels abschätzen sowie die Funktion der Herzklappen und die Pumpleistung des Herzens messen. Nur wenn dabei Hinweise auf eine Engstelle gefunden werden, ist eine sofortige Herzkatheter-Untersuchung ratsam. Um bei geringer oder mittlerer Wahrscheinlichkeit eine Engstelle auszuschließen, eignet sich auch die weniger belastende Untersuchung im Computertomografen (CT).

Vorteile der Kardio-CT

Eine Computertomografie lässt sich ambulant durchführen. Die Untersuchung dauert in der Regel fünf bis zehn Minuten. Die Darstellungsmöglichkeiten und die Geschwindigkeit der CT-Geräte haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. In einigen Punkten sind sie der Katheteruntersuchung sogar überlegen. Zugleich sank die Strahlenbelastung dramatisch: Sie beträgt bei neuesten Geräten nur noch etwa ein Hundertstel der früher üblichen Dosis und ist damit vergleichbar mit der Strahlenbelastung einer Katheteruntersuchung, die unter Röntgendurchleuchtung durchgeführt wird. Auch die Menge des nierenbelastenden Kontrastmittels ist bei beiden Methoden vergleichbar.

Wann eine Kardio-CT sinnvoll ist

Das ideale Verfahren ist eine Kardio-CT zur Untersuchung der Koronarvenen vor der Implantation von Schrittmachern und Aortenklappen. Mit der Untersuchung lassen sich außerdem Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen (Kalkscore) ermitteln. Dadurch erlaubt die Kardio-CT bei einigen Patienten eine genauere Beurteilung des Herzinfarktrisikos.

Kardio-CT auch unter Belastung möglich

Die Kardio-CT liefert hochauflösende Bilder des Herzens, das in Scheiben und auch dreidimensional und in Bewegung dargestellt wird. Durch den Einsatz bestimmter Medikamente lässt sich das Herz auch unter Belastung untersuchen. So kommen wie beim Belastungs-EKG Durchblutungsstörungen ans Licht, die sich in Ruhe nicht bemerkbar machen. Bei den meisten Patienten reicht die Kardio-CT als alleiniges Diagnoseverfahren aus. Voraussetzung einer präzisen CT-Untersuchung des Herzens ist ein relativ langsamer, regelmäßiger Herzschlag.

Krankenkassen zahlen Kardio-CT noch nicht

Ärzte der Berliner Charité haben mehr als drei Jahre ihre Patienten nachuntersucht und dabei gezeigt, dass eine Kardio-CT ein sehr sicheres Verfahren zum Ausschluss einer relevanten Erkrankung der Herzkranzgefäße ist. Doch obwohl die Kardio-CT nicht nur schonender für die Patienten, sondern auch günstiger ist, gehört die Untersuchung noch nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Kardio-MRT kommt ohne Röntgenstrahlen aus

Ganz ohne Röntgenstrahlen kommt die Kernspin- oder Magnetresonanztomografie (MRT) aus. Auch bei einem Stress-MRT wird die Belastung des Herzens durch ein Medikament künstlich gesteigert, um die Durchblutung des Herzmuskels zu beurteilen. Ein Kardio-MRT kann zur Abklärung von Herzbeschwerden eingesetzt werden, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Verengung der Herzkranzgefäße gering ist.

Aber auch bei mittlerem bis hohem Risiko kann die Untersuchung sinnvoll sein. Denn im MRT können die Ärzte den Zustand des Herzmuskels besser beurteilen, ob es zum Beispiel kleine Verletzungen oder Entzündungen gibt, oder ob sich irgendwo im Herzen ein Gerinnsel befindet. Anders als die teurere und gefährlichere Herzkatheter-Untersuchung gehört aber auch die Kardio-MRT noch nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen, sodass die Krankenkasse über die Kostenerstattung im Einzelfall entscheidet.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Prof. Dr. Thomas Meinertz, Kardiologe
Ehem. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung
Deutsche Herzstiftung e.V
Bockenheimer Landstr. 94-96
60323 Frankfurt am Main
(069) 95 51 28-0
www.herzstiftung.de

Prof. Dr. Ulrich Schäfer, Chefarzt
Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin
Kath. Marienkrankenhaus GmbH
Alfredstraße 9
22087 Hamburg
www.marienkrankenhaus.org

Dr. Moritz Montenbruck, Leitender Arzt
Kardiale Bildgebung
Zentrum für Präventivmedizin
Kath. Marienkrankenhaus GmbH
Alfredstraße 9
22087 Hamburg
www.marienkrankenhaus.org

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Visite | 29.09.2020 | 20:15 Uhr

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