Stand: 22.09.2020 11:58 Uhr

Herz-OPs: Wenn das Herz anfällig für Gefühle ist

Mann fasst sich vor Schmerzen ans Herz. © COLOURBOX
Operationen am Herzen können seelische Folgen haben.

Wenn das Herz leidet, leidet auch das Hirn. Inzwischen erkennt diesen Zusammenhang auch die Medizin. Herz-Operation können seelische Folgen haben. Denn das Herz ist ein besonderes Organ, das von den meisten Menschen direkt mit dem Leben, mit großen Emotionen verbunden wird. Wenn am Herzen operiert wird, ist das für viele Patientinnen und Patienten angsteinflößend.

VIDEO: Herz-OPs: Wenn das Herz anfällig für Gefühle ist (7 Min)

Nach einer Herz-OP können sich Ängste entwickeln

Nach einer Herzklappen- oder Bypass-Operation erholen sich die meisten Menschen innerhalb weniger Monate. Doch bei einem Teil bleiben Unsicherheiten zurück: Jeder Dritte entwickelt nach einer Herz-OP Ängste, jeder Siebte Depressionen.

Was passiert da zwischen Herz und Kopf? Die Zusammenhänge sind noch nicht ganz geklärt. Sicher ist: Herz und Gehirn sind über Nervengeflechte miteinander verbunden. Gleichzeitig sendet das Herz Hormone aus, sogenannte Neurotransmitter. Das sind Botenstoffe, die auch das Gehirn erreichen. Beide Organe kommunizieren also miteinander. Das merkt jeder an sich selbst: Wenn man beispielsweise Angst hat, rast einem das Herz, das heißt, die Emotion löst eine Herzreaktion aus. Andererseits bekommen Menschen mit Herzrasen Panik - die Information in umgekehrter Weise funktioniert also auch.

Herz-Patienten brauchen auch seelische Unterstützung

Ärztinnen und Ärzte wissen, es genügt nicht, den Menschen gut zu operieren. Viele brauchen auch seelische Unterstützung. Daher werden psychokardiologische Zentren immer wichtiger. Sie gibt es inzwischen an einigen großen Kliniken. In solchen Zentren arbeiten Herzchirurgen, Kardiologen und Psychologen eng zusammen, um die Patienten umfassend zu betreuen und ihre Herzen sowie die seelischen Auswirkungen der Behandlung im Blick zu behalten.

Weitere Informationen
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Mann fasst sich an die Brust. © Fotolia.com Foto: Photographee.eu

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Experten zum Thema

Dr. med. Monika Sadlonova, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Robert-Koch-Str. 40
Universitätsmedizin Göttingen
37075 Göttingen
Tel. (0551) 396 51 71
www.thg.uni-goettingen.de

Prof. Dr. med. Hassina Baraki, Fachärztin für Herzchirurgie
Stellv. des Klinikdirektors, Bereichsleiterin Herzchirurgie
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
(0551) 396 39 52
www.thg.uni-goettingen.de

Weitere Informationen
Informationen zur Psychokardiologie:
Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen
www.herzzentrum.umg.eu                 

Deutsche Herzstiftung
www.herzstiftung.de

Weitere Infos zu Hilfsangeboten im Beitrag "Hilfe für das Herz - und für die Seele" von Prof. Herrmann-Lingen in HERZ heute 1/2020. Ein kostenfreies Exemplar ist unter Tel. (069) 955 128 400 oder per Mail unter bestellung@herzstifung.de erhältlich.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.09.2020 | 20:15 Uhr

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