Stand: 23.01.2018 10:00 Uhr  | Archiv

Gefährliche Lungenentzündung: Impfung empfohlen

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Pneumokokken können innerhalb weniger Stunden eine lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen.

Pneumokokken sind die Hauptursache von bakteriell verursachten Lungenentzündungen. An den Folgen sterben in Deutschland jedes Jahr mehr als 5.000 Menschen. Die Bakterien können auch andere Erkrankungen auslösen, zum Beispiel Entzündungen von Nasennebenhöhlen, Mittelohr und Hirnhaut sowie schwere allgemeine Entzündungen wie eine Blutvergiftung. Besonders gefährdet sind Kinder unter zwei Jahren, chronisch Kranke - zum Beispiel Menschen mit Herz- und Lungenerkrankungen - und besonders ältere Menschen ab 60.

Pneumokokken sind weltweit verbreitet

Pneumokokken sind Bakterien aus der Familie der Streptokokken. Sie sind weltweit verbreitet und werden durch Tröpfcheninfektion, etwa beim Husten oder Niesen, übertragen. Die Bakterien finden sich im Nasen-Rachen-Raum vieler Menschen, ohne dass diese daran erkranken. Warum Pneumokokken bei manchen plötzlich Krankheiten auslösen und bei anderen nicht, ist nicht genau bekannt.

Symptome sind nicht immer eindeutig

Die Erreger können innerhalb weniger Stunden eine lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen, die zu einem Organversagen und schließlich zum Tod führen kann. Die Symptome sind nicht immer eindeutig. Viele Lungenentzündungen, die durch Pneumokokken verursacht wurden, machen sich nur durch ein allgemeines Krankheitsgefühl und etwas Husten bemerkbar. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es zu hohem Fieber mit Schüttelfrost. Auch Verwirrtheit kann auftreten. Wenn die Lunge schon stark eitrig ist, husten die Patienten nicht. Oft wird die Diagnose dann mit deutlicher Verzögerung gestellt. Bei schweren Verläufen sterben etwa zehn Prozent der Erkrankten, bei geschwächter Immunabwehr sogar rund 30 Prozent.

Schnelles Handeln zählt

Bei einer Entzündung durch Pneumokokken muss schnell gehandelt werden. In der Regel schlägt eine Behandlung mit Antibiotika gut an, doch Resistenzen nehmen zu. Das bedeutet, dass die Medikamente nur eingeschränkt oder gar nicht gegen die Krankheitserreger wirken. Warnsymptome, nach denen ein Antibiotikum verabreicht werden sollte, sind: 

  • Körpertemperatur über 37,8 Grad
  • knisternde Geräusche in der Lunge
  • Puls von mehr als 100 pro Minute
  • Sauerstoffsättigung des Blutes unter 95 Prozent

Risikogruppen sollten sich impfen lassen

Eine Impfung verringert zuverlässig das Risiko, an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken oder schwere Komplikationen zu erleiden. Sie kann gemeinsam mit der Grippeimpfung erfolgen. In der Risikogruppe zwischen 65 und 79 Jahren sind allerdings nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nur 31 Prozent der Menschen geimpft.

Die Impfung wird meist gut vertragen und kann ganzjährig erfolgen. In den ersten drei Tagen nach der Impfung können Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen auftreten. Empfohlen wird sie allen Erwachsenen ab einem Alter von 60 Jahren und Personen mit Diabetes, chronischen Herz- oder Lungen-Erkrankungen, Leber- oder Nierenkrankheiten und Erkrankungen des Nervensystems. Auch Personen, denen die Milz entfernt wurde oder die an Krankheiten der Milz oder des Knochenmarks leiden, sollten sich impfen lassen.

Impfstoff schützt vor 23 Pneumokokken-Typen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt für alle Personen ab 60 Jahren die Impfung mit dem Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff PPSV23, der Erwachsene vor 23 der wichtigsten Pneumokokken-Typen schützt. Eine Wiederholungsimpfung im Mindestabstand von sechs Jahren sei sinnvoll. Nur spezielle Risikogruppen (zum Beispiel Personen mit einer Immunschwäche) sollten zusätzlich einen Konjugat-Impfstoff erhalten. Seit einiger Zeit gibt es den Konjugat-Impfstoff (PCV13) gegen 13 häufige Pneumokokken-Typen. Die positive Wirkung bei unter Zweijährigen ist unumstritten. Doch ob der Einsatz auch bei Älteren sinnvoll ist, ist unklar. Vergleichsstudien gibt es nicht.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.01.2018 | 20:15 Uhr

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