Stand: 30.08.2019 12:31 Uhr  | Archiv

Fußheberschwäche richtig behandeln

Person gehend auf  Krücken © Fotolia Foto: Andy Nowack
Das Anheben der Fußspitze steuert der Peroneusnerv.

Der Peroneusnerv steuert das Anheben der Fußspitze. Fällt er aus, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, einen Bandscheibenvorfall oder eine Schädel-Hirn-Verletzung, kommt es zu einer sogenannten Fußheberschwäche: Um nicht zu stolpern, müssen Betroffene beim Gehen das ganze Bein wegen des herabhängenden Fußes höher anheben. Auch eine Multiple Sklerose oder sonstige Nervenerkrankungen können Auslöser einer Fußheberschwäche sein.

Formen der Fußheberschwäche

Bei gesunden Menschen sendet das Gehirn Signale an das Rückenmark. Von dort leiten Nervenbahnen die Bewegungsimpulse an die Nerven in Bein und Fuß, um die Fußhebermuskulatur zu steuern. In der Kniekehle wird der Peroneusnerv aktiviert, um beim Gehen die Fußspitze zu heben. Bei einer Fußheberschwäche liegt auf diesem Weg eine Störung vor.

Im Gespräch
Animation Nerv © NDR

Chat-Protokoll: Fußheberschwäche

Bei einer Fußheberschwäche bleiben die Nervenimpulse aus, die das Anheben des Fußes steuern. Der Neurologe Prof. David Liebetanz hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Man unterscheidet zwischen der zentralen und der peripheren Fußheberschwäche:

  • Bei der zentralen Fußheberschwäche ist häufig ein Schlaganfall die Ursache. Durch die Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks sind die motorischen Bahnen zum Bein beeinträchtigt.
  • Eine periphere Fußheberschwäche entsteht oft als Folge eines Bandscheibenvorfalls: Die Bandscheibe übt Druck auf einen Nerv in der Lendenwirbelsäule aus und schädigt ihn dadurch.

Ziel der Therapien ist es hier, den geschädigten Nerv zu regenerieren.

Therapie der Fußheberschwäche

Krankengymnastik ist immer ein wichtiger Bestandteil der Therapie einer Fußheberschwäche. Besonders nach einem Schlaganfall und bei anderen Schädigungen des Gehirns und des Rückenmarks ist sie maßgeblich für den Erfolg. Vor allem das Training der Bauch- und Fußmuskulatur bringt die Kraft zum Gehen zurück.

Elektrische Impulse trainieren die Nerven

Die Verletzungsgefahr ist bei einer Fußheberschwäche groß. Individuell angepasste, mechanische Schienen (Orthesen) können dem Fuß Halt geben, Muskulatur und Nerven unterstützen. Sie helfen vielen Menschen mit Fußheberschwäche wieder mobil zu werden oder zu bleiben.

Kommen Betroffene mit den Schienen nicht zurecht, gibt es eine neuartige Manschette. Sie wird am Unterschenkel befestigt und sendet elektrische Impulse über den Peroneusnerv an den Fußhebermuskel und andere an der Fußhebung beteiligte Muskeln. Dadurch bekommen die Muskeln die nötigen Reize und der Fuß geht jetzt hoch. Dieser Elektrostimulator kommt nur bei einigen Fällen einer zentralen Fußheberschwäche infrage. Voraussetzung ist ein intakter Peroneusnerv.

Experten zum Thema

Prof. Dr. David Liebetanz, Oberarzt
Klinik für Klinische Neurophysiologie
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Straße 40
37075 Göttingen
(0551) 39-8484
www.neurologie.uni-goettingen.de

Dr. Jonas Repenthin, Chefarzt
Klinik für Neurologie und Neurophysiologie
AMEOS Klinikum Oldenburg
Mühlenkamp 5
23758 Oldenburg i. H.
(04361) 508 04-0
www.ameos.eu

Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.09.2019 | 20:15 Uhr

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