Stand: 23.11.2016 18:41 Uhr  | Archiv

Forscher wollen Arthrose von innen heilen

von Sigrun Damas, NDR Info

150 Millionen Menschen weltweit leiden unter Arthrose. In Deutschland ist sie der häufigste Grund dafür, dass Menschen früher in Rente gehen müssen als geplant. Damit ist Arthrose eine der verbreitetsten Volkskrankheiten. Bis heute gibt es keine wirksame Therapie dagegen.

Keine Alternativen zur Operation

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Arthrose führt in vielen Fällen dazu, dass ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden muss.

Rund 400.000 Menschen jährlich wird in Deutschland ein künstliches Gelenk eingesetzt - den meisten, weil sie Arthrose haben. Obwohl viele Patienten eine Operation vermeiden möchten, gibt es keine andere Möglichkeit, die Krankheit aufzuhalten oder zu heilen. "Wir können eigentlich den Folgen der Erkrankung nur immer nachlaufen und irgendwann das Gelenk ersetzen", sagt Carsten Perka, ärztlicher Leiter des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Berliner Charité.

Mehr als Gelenkverschleiß

Arthrose galt lange als Gelenkverschleiß. Mediziner gingen davon aus, dass die schützende Knorpelschicht am Ende der Knochen eines Gelenks schlicht abgenutzt war. Eine Vorstellung, die zu kurz greift, wissen Arthroseforscher wie der Arzt Thomas Pap von der Universität Münster heute. "Niemand würde auf die Idee kommen zu sagen, dass vom vielen Nachdenken das Gehirn verschleißt. Während beim Gelenk jeder sagt: Naja, das Alter, dann verschleißt halt der Knorpel. So einfach ist es nicht." Es seien eher unheilvolle Umbauprozesse die im Knorpel abliefen. Schaltstelle dafür seien knorpelbildende Zellen, sogenannte Chondrozyten. Diese einzigen lebenden Zellen des Knorpels sind umgeben von einer Schicht aus Collagen.

Stress schadet dem Knorpel

Chondrozyten können Knorpel aufbauen, ihn aber auch zerstören, ergänzt Max Löhning, Zellbiologe am Pitzer-Labor für Arthroseforschung in Berlin. "Wir gehen davon aus, dass unter Stresssituationen wie Überlastung, Übergewicht oder Fehlstellung die knorpelbildenden Zellen auf die schiefe Bahn kommen." Sie würden dann ein Programm fahren, das letztlich nicht helfe, beschädigten Knorpel wieder aufzubauen. Stattdessen werde die vorhandene, gesunde Knorpelmasse angegriffen und abgebaut.

Chondrozyten bauen den Knorpel dann zu Knochen um. Um Arthrose zu verhindern, sollte man also vermeiden, dass die Chondrozyten unter Stress geraten. Sportarten wie Fußball, Handball, Tennis oder Skifahren mit einem hohen Verletzungsrisiko können diesen Stress im Knorpel verursachen. Inzwischen weiß man aber, dass auch Übergewicht Arthrose begünstigen kann.

Heilung von innen heraus

Entscheidend sei dabei nicht das Gewicht, sondern das Fett, sagt Thomas Pap. "Fettgewebe ist ein sehr aktives Gewebe." Es mache Menschen nicht nur schwerer, sondern produziere auch Entzündungsbotenstoffe. Diese sogenannten Zytokine, die über den Stoffwechsel an den Knorpel gelangen, halten dort eine dauerhafte, unterschwellige Entzündung in Gang. Ziel der Forscher ist es, die knorpelbildenden Zellen so zu beeinflussen, dass sie sich dem Stress widersetzen. "Wir suchen nach dem Schalter für die biologische Regeneration. Wir wollen eine Heilung der Knorpelschäden von innen bewirken", beschreibt Zellbiologe Max Löhning das Ziel.

Mit dosierter Belastung vorbeugen

Von Medikamenten, die diese Signale aussenden, sind die Knorpelspezialisten aber noch weit entfernt. So bleibt zur Vorsorge bisher nur die individuelle Knorpelpflege: regelmäßige, aber vorsichtige Bewegung. Sie regt die Knorpelzellen zur Produktion an und und trainiert außerdem umliegende Bänder und die Muskulatur. Umgekehrt gilt: Wird Knorpel nicht benutzt, wird er dünner. Das hat man bei Menschen gesehen, die längere Zeit an Krücken gingen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 23.11.2016 | 09:20 Uhr

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