Stand: 10.02.2020 09:00 Uhr  - Mehr wissen - besser leben

Coronavirus: Wenn sich eine Epidemie weltweit ausbreitet

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Viren können weltweite Epidemien - sogenannte Pandemien - auslösen.

Das Coronavirus 2019-nCoV breitet sich immer weiter aus: Vor allem in China, aber auch in anderen Ländern. Experten warnen daher vor einer Pandemie, einer länder- und kontinentübergreifenden Ausweitung der Krankheit. Pandemien gab es schon häufiger: Vor mehr als 100 Jahren, von 1918 bis 1920, grassierte ebenfalls ein gefährlicher Erreger weltweit. Binnen weniger Monate forderte die Spanische Grippe schätzungsweise 50 Millionen Todesopfer.

Coronavirus: Sorge vor weiterer Ausbreitung

Angesichts des Coronoavirus-Ausbruchs hat die WHO den Gesundheitsnotstand ausgerufen, Tausende sind erkrankt. Allerdings kursieren auch etliche Falschmeldungen über das Virus.

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Grund für die rasante Ausbreitung war der Erste Weltkrieg. Die Truppen bewegten sich schnell, die Bevölkerung war nach jahrelangen Kämpfen ausgezehrt und geschwächt. Den Ursprung der Krankheit vermuten Forscher, anders als der Name vermuten lässt, nicht in Spanien, sondern auf einer Farm in den USA. Möglicherweise steckte sich ein Bauer bei einem Tier an, wurde in die Armee aufgenommen und verteilte das Virus so über den Globus. Die Epidemie wurde von einem Subtypen des Influenza-A-Virus H1N1 verursacht und forderte Opfer auf dem gesamten Erdball.

Asia-Grippe forderte rund zwei Millionen Tote weltweit

1957 und 1968 forderten gleich zwei schwere Grippewellen je eine Million Tote weltweit. Ihre Ursprünge lagen in Hongkong und China - deshalb werden sie "Asia-Grippe" genannt. Ausgelöst wurden die Grippewellen vermutlich durch mutierte Vogelviren.

SARS und MERS ebenfalls von Coronaviren verursacht

2002/2003 breitete sich von China ausgehend die Infektionskrankheit SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) auf fast allen Kontinenten aus. Von den mehr als 8.000 Fällen verliefen fast zehn Prozent tödlich. Das "Middle East Respiratory Syndrome", kurz MERS, wurde 2012 erstmals bei einem Mann in Saudi-Arabien identifiziert. Der potenziell lebensgefährliche Erreger verursacht eine akut auftretende grippeähnliche Erkrankung, die häufig zu einer Lungenentzündung führt. Es droht ein akutes Atemnotsyndrom. Sowohl bei SARS als auch MERS waren die Erreger Coronaviren, die eng mit dem aktuellen Erreger 2019-nCoV verwandt sind.

Schweinegrippe wurde als Pandemie eingestuft

Die sogenannte Schweinegrippe, die in den Wintermonaten 2009/2010 auftauchte, wurde ebenfalls von einer Variante des Influenza-A-Virus H1N1 verursacht. Sie trat erstmals in Mexiko auf, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte diese "neue Grippe" als Pandemie ein.

Nationale Pandemie-Pläne entwickelt

Um gegen weltweite Epidemien gewappnet zu sein, hatte die WHO bereits 1999 dazu aufgerufen, nationale Pandemie-Pläne zu entwickeln. Seit 2005 gibt es einen vom Robert Koch Institut (RKI) entwickelten Notfallplan, der zahlreiche Schutzmaßnahmen vorsieht - von der Entwicklung von Impfstoffen über die Bevorratung mit Medikamenten bis hin zu Reiseverboten.

WissensCheck: Wissensrubrik auf tagesschau24

WissensCheck - das ist die Wissensrubrik auf tagesschau24. Tim Berendonk präsentiert alle 14 Tage dienstags ein aktuelles Thema aus Wissenschaft und Forschung. Die Folgen laufen um 9.05 Uhr, um 10.05 Uhr und stündlich zwischen 11.50 und 18.50 Uhr.

2017/2018 starben mehr als 25.000 Menschen an Grippe

Auch wenn es zum Glück selten zu einer Pandemie kommt - jedes Jahr erkranken laut RKI zwischen 2 und 14 Millionen Menschen an der saisonalen Grippe (Influenza). In der Saison 2017/2018 starben mehr als 25.100 Menschen an dem Infekt. Weil sich Grippeviren ständig verändern, muss die Impfung gegen die Grippe jedes Jahr erneuert werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen, chronisch Kranken wie Diabetikern und Schwangeren dazu, die Möglichkeit zur Impfung wahrzunehmen.

Zika-Virus durch Mücken übertragen

Neben Influenza- und Coronaviren gab es in den vergangenen Jahren aber auch viele andere, teils neue Erreger, die Epidemien verursachten. Das Zika-Virus wurde erstmals 1947 bei einem Affen in Uganda isoliert, seit 2015 breitet es sich in Mittel- und Südamerika aus. Es wird durch infizierte Mücken der Gattung Aedes übertragen. Die Infektion verläuft beim Menschen meist milde, bei Kindern im Mutterleib kann das Virus aber Hirnfehlbildungen verursachen.

Ebola: Einer der gefährlichsten Erreger der Welt

Ebola ist seit einem Ausbruch Mitte der 1970er-Jahre in Zentralafrika weltweit bekannt. Die Erkrankung wird durch Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen. Das Virus kapert Körperzellen, um sich selbst zu kopieren. Anschließend nutzt es die Zellen des Immunsystems, um sich im ganzen Körper zu verteilen. Die Erkrankten leiden an Fieber, Erbrechen, Durchfall und Blutungen. Beim letzten Ausbruch des Ebola-Virus 2014 in Westafrika starben mehr als 11.000 Menschen.

Was sind Zoonosen?

Bei fast allen neuen Infektionskrankheiten der vergangenen Jahre und offenbar auch beim neuen Coronavirus handelt es sich um Zoonosen, also Infektionskrankheiten, die wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Auch bei der Aviären Influenza, der Geflügelpest (auch Vogelgrippe genannt), handelt es sich um eine Zoonose. Allerdings verlässt der Erreger in der Regel sein Wirtstier - das Geflügel - nicht. Unter bestimmten Voraussetzungen ist jedoch eine Übertragung auf den Menschen möglich. Es besteht zudem die Gefahr, dass Erreger mutieren können und dann leichter auf den Menschen übertragbar sind.

Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest droht

Eine reine Tierseuche ist hingegen die ursprünglich in Afrika aufgetretene Afrikanische Schweinepest (ASP). Sie kann nur Tieren gefährlich werden, Menschen können die Krankheit aber verbreiten. Dass die unter Wild- und Hausschweinen in Osteuropa grassierende Infektion auch in Deutschland auftreten wird, halten viele Experten nur noch für eine Frage der Zeit.

Impf-Pflicht für Masern

Einige Infektionskrankheiten sind gut erforscht, tauchen aber dennoch immer wieder auf. Zuletzt häuften sich in Deutschland wieder die Infektionen mit Masern - und das, obwohl es seit Jahren einen gut wirksamen Impfstoff gegen die Erkrankung gibt und diese längst ausgerottet sein könnte. Masern gehen zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem Hautausschlag einher. Die Infektion mit dem hochansteckenden Virus schwächt das Immunsystem und kann erhebliche Komplikationen und Folgeerkrankungen mit sich bringen. In seltenen Fällen kann sie tödlich enden. Der Bundestag beschloss kürzlich eine Impf-Pflicht für Masern, nach der für Kinder ab dem 1. Geburtstag bei Eintritt in eine Kita oder Schule ein Impfschutz nachgewiesen werden muss.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 11.02.2020 | 09:05 Uhr

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