Stand: 17.09.2014 08:45 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Parkinson

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Zunächst im Fernsehstudio, dann im Chat: Neurologe Dr. Carsten Buhmann.

Morbus Parkinson ist eine der bekanntesten und häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Die Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn sterben ab. Bei den Patienten äußert sich die Krankheit durch verlangsamte Bewegungen, Muskelzittern, eine starre Haltung oder instabilen Gang. Behandelt wird Parkinson zunächst mit Medikamenten, die das fehlende Dopamin ersetzen. Seit einigen Jahren werden auch neurochirurgische Verfahren genutzt. Wie kann Parkinson bestmöglich behandelt werden?

Hans J Voss: Welche "Signale" lassen es sinnvoll erscheinen, die tiefe Hirnstimulation als Methode der Wahl anzuwenden?

Carsten Buhmann: Hinweise, dass die OP sinnvoll sein kann, sind motorische Wirkschwankungen, Überbewegungen und Steifigkeit (Freezing). Außerdem nicht tolerierbare Nebenwirkungen der bisherigen Medikation oder trotz optimaler Medikation drohender Verlust von individuell wichtigen Fähigkeiten (Arbeiten, Gehen).

bine: Bei meinem Vater sind neben der Parkinson-Krankheit Halluzinationen aufgetreten. Bekommt man diese mit Medikamenten weg und kann die dafür eingesetzten Medikamente bei einer Besserung wieder absetzen?

Buhmann: Halluzinationen sind häufig bei Parkinson und können auf eine beginnende oder manifeste Demenz hinweisen. Die Behandlung der Demenz verbessert auch die Halluzination. Halluzinationen können aber auch eine Nebenwirkung der Parkinson-Medikation sein, sodass eine Anpassung der Medikamente notwendig wird. Insbesondere bei älteren Patienten ist häufig auch die mangelnde Flüssigkeitsaufnahme ein Grund für Halluzinationen.

tascara: Mein Vater ist nun seit nunmehr drei Jahren diagnostizierter Parkinsonpatient (heute 63 Jahre alt). Er ist medikamentös gut eingestellt und nimmt noch eine "relativ" geringe Dosis. In welchem Alter wäre es zu spät für eine OP?

Buhmann: Es zählt das biologische Alter. Ab 70 Jahren sehen wir sehr genau hin, aber es gibt 75-Jährige, die sehr fit sind, und 65-Jährige, die sehr krank sind, sodass die Entscheidung wie immer individuell ist. Eine Demenz, die im Alter häufiger ist, darf nicht vorliegen.

Unbekannt: Kann/darf ein Patient (81) mit der Diagnose Morbus Parkinson (sehr schlechter, langsamer Gang und große Gehschwierigkeiten - auch mit Rollator, schwerhörig, Vergesslichkeiten, beginnende Demenz, Diabetes) noch selbst Autofahren?

Buhmann: Das kann man nicht aus der Ferne beantworten. Es klingt insbesondere wegen der Demenz so, dass er es nicht mehr kann. Er sollte sich an eine spezialisierte Fahrschule wenden, dort einen Test machen, der wird aber nicht gemeldet. Aus dem Test soll er dann - hoffentlich - die richtigen Schlüsse ziehen.

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