Stand: 05.12.2017 22:35 Uhr

Chat-Protokoll zum Thema Juckreiz

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Prof. Dr. Stefan Schneider hat im Chat Fragen zum Thema Juckreiz beantwortet.

Sie brennt, sie spannt, sie juckt - und Kratzen macht alles noch viel schlimmer. Wenn die Haut länger als sechs Wochen so verrückt spielt, sprechen Ärzte von chronischem Juckreiz. Ein qualvoller Zustand, der die Menschen fast verzweifeln lässt. Die individuellen Auslöser zu finden, gleicht einer Detektivarbeit, denn neben Entzündungen und Allergien der Haut können auch Leber- oder Nierenerkrankungen die Ursache sein. Und allmählich verstehen die Forscher immer besser, was beim Juckreiz genau in der Haut passiert, wie Immunsystem und Nervenzellen irritiert werden und vor allem, was dagegen hilft.

Prof. Dr. Stefan Schneider, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, hat Fragen zum Thema Juckreiz im Visite Chat beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Unbekannt: Wie heißt das neue Medikament gegen Neurodermitis an Händen und Füßen?

Prof. Dr. Stefan Schneider: Es ist zugelassen für mittelschwere bis schwere Neurodermitis und der Wirkstoff heißt "Dupilumab". Das Medikament wird "Dupixent" heißen und ist eine Spritze, die alle zwei Wochen gegeben werden muss.

Linnis: Gibt es aktuelle Forschung zum Thema "aquagener Pruritus"? Durch Wasserkontakt ausgelöster Juckreiz ohne sichtbare Hautreaktionen und ohne Allergien. Leider wird man als Patient nicht richtig ernst genommen: "Auf Wasser kann man nicht allergisch sein".

Schneider: Es wird versucht, die Ursache des aquagenen Pruritus zu verstehen und es sollte unbedingt bei Ihnen abgeklärt werden, was bei Ihrem Juckreiz dahintersteckt. Es gibt neben den Veränderungen des Blutbildes weitere mögliche Ursachen, zum Beispiel nicht das Wasser selbst, sondern der Wasserstrahl, der Wasserdruck, das abschließende Abtrocknen oder die Wärme des Wassers. Vielleicht ein Tipp: 30 Minuten vor dem Duschen ein Antihistaminikum einnehmen.

J.Schurz: Ich bekomme regelmäßig ein starkes Jucken, wenn ich laufen gehe, der so stark wird, dass ich nicht weiterlaufen kann. Ein Arzt sagte mir, das sei Nesselfieber und ich solle einfach nicht mehr laufen gehen. Was kann ich tun?

Schneider: Das hört sich stark nach einer bewegungsinduzierten Nesselsucht (Urtikaria) an beziehungsweise nach einer cholinergen Urtikaria oder eine Nesselsucht, die ausgelöst wird durch die Kombination Sport und Einnahme von Cerealien. Neben einer Abklärung empfehle ich die Einnahme von Antihistaminika vor dem Laufen.

Dagmar: Medikamentenallergie nach Injektion (eventuell Mutterkornpräparat Methergin?): Erster Tag: Gesichts- und Rachenschwellung, Notarztbehandlung mit Prednisolon, Fenistil und Ranitidin hilft. Ab dem zweiten Tag und seitdem acht Wochen: Urtikaria am ganzen Körper außer im Gesicht. Therapie: zweimal Cetirizin hilft. Frage eins: Gibt es inzwischen noch Hoffnung auf Heilung? Frage zwei: Was kann ich noch tun? Frage drei: Was muss ich zukünftig, zum Beispiel vor Operationen beachten, um einer Anaphylaxie vorzubeugen?

Schneider: Wenn die Medikamentenursache geklärt wird, dann müssen Sie das Medikament meiden. Die Symptome sollten abnehmen. Im Falle einer chronischen Nesselsucht - unabhängig der Ursache - gibt es neben der Therapie mit Antihistaminika und Glukokortikoiden die Möglichkeit einer Therapie mit Xolair.

Unbekannt: Ich leide an Notalgia paraesthetica. Erste Anzeichen: Pigmentierung und Juckreiz auf dem linken Schulterblatt. Mittlerweile seit Jahren starkes Stechen und Jucken am ganzen Körper. Nach Absprache mit Frau Prof. Ständer von der Uni Münster Therapie dreimal 300 mg Gabapentin. Gibt es Alternativen?

Schneider: Gabapentin ist eine gute Therapieoption. Weitere Möglichkeiten sind eine Lokaltherapie mit Capsaicin oder mit Paroxetin. Wichtig wäre zu erkunden, ob es eine orthopädische oder eine nervenbedingte Ursache gibt.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.12.2017 | 20:15 Uhr

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