Stand: 28.05.2019 23:55 Uhr  - Visite

Chat-Protokoll: Faszien

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Die Orthopädin Dr. Sabine Bleuel hat im Visite Chat Fragen zum Thema Faszien beantwortet.

Spürbar verhärtete Muskeln und Sehnenansätze, die empfindlich auf Druck reagieren und auch in ganz anderen Körperregionen zu Schmerzen führen können, werden als Triggerpunkte oder Myogelosen bezeichnet. Ausgelöst durch Fehlhaltungen, Bewegungsmangel, einseitige Belastung, Sportverletzungen, Arthrose oder auch durch psychische Probleme kommt es zu einer lokalen "Unordnung" im Zusammenspiel der Fasern von Muskeln, Sehnen und Faszien.

Die Orthopädin Dr. Sabine Bleuel aus der Praxis für Orthopädie Elbchaussee hat im Visite Chat Fragen zum Thema Faszien beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen:

Susanne: Wie oft in der Woche darf beziehungsweise muss man mit der Faszienrolle arbeiten, damit eine Verbesserung des Bindegewebes entsteht?

Dr. Sabine Bleuel: Meine Empfehlung ist ein tägliches Rollen über zwei Minuten. Lieber langsam rollen, wenn nicht täglich möglich, dann wenigstens jeden zweiten Tag.

Sabine: Ich bin übergewichtig und habe sehr große Probleme mit den Bodenübungen. Was kann ich trotzdem tun?

Bleuel: Sie können an der Wand mit zwei Tennisbällen in einem Socken oder dem Duoball rollen.

Jutta: Darf ich die Faszienrolle bei Thrombose benutzen?

Bleuel: Nein, bitte nicht.

Helma: Kann Fazienrollen auch bei Arthrose in Knie und Hüfte helfen?

Bleuel: Eignet sich super bei Arthrose in Knie und Hüfte. Am besten wenden Sie sich hierzu an einen Faszientherapeuten, der Ihnen die entsprechenden Übungen zeigt.

Jan M.: Ich leide immer wieder unter Ischias-Schmerzen, die bis in die Beine ausstrahlen. Kann auch hier eine Faszientherapie sinnvoll sein und helfen?

Bleuel: Ja, rollen Sie entlang des ausstrahlenden Schmerzes und gehen dann in die Dehnung. Dehnen Sie die Harmstrings (hintere Muskelkette) und den Hüftbeuger.

G. B.: Soll man hin und her rollen oder immer jeweils nur in eine Richtung und wie lange?

Bleuel: Sehr gute Frage, da gehen die Meinungen sehr auseinander. Es gibt hierzu keine nachgewiesenen Studien, was richtig ist. Ich rate zu einem langsamen Rollen und tendiere in eine Richtung zu rollen. Sollten Sie hierunter weniger Schmerzlinderung verspüren, wechseln Sie die Richtung. Fühlen Sie sich in die Schmerzpunkte hinein und verharren an den Stellen für 30 Sekunden.

Faszientraining: Übungen gegen Verspannungen

rubi: Ich hatte vor drei Monaten einen großen senkrechten Bauchschnitt, daher wurden die Faszien durchtrennt. Wachsen sie wieder zusammen? Wenn ja, wie lange dauert es? Kann ich etwas Gutes zur Genesung beitragen?

Bleuel: Durch die Narbe verkürzt sich die vordere Muskelfaszienkette und zwingt Sie damit in das Hohlkreuz. Rollen Sie den Hüftbeuger aus, dehnen Sie den Hüftbeuger und die Bauchmuskeln.

carenle: In ihrem Beitrag wurde kurz der "Schnappfinger" erwähnt. Welche Muskelgruppen muss ich bearbeiten, damit ich Linderung erfahre?

Bleuel: Dehnen Sie die Beugemuskeln des Unterarms durch Überstreckung des Handgelenkes und spannen Sie aus dieser Position heraus den Schnappfinger gegen Widerstand für zehn Sekunden an.

Lore: Ich leide an einer Verengung des Spinalkanal. Kann ich diesen auch dehnen, damit ich schmerzfrei werde und eine Verbesserung eintritt?

Bleuel: Ja, auf jeden Fall. Versuchen Sie sich aus dem Hohlkreuz heraus zu trainieren, indem Sie mit der Faszienrolle den unteren Rücken rollen und danach schieben Sie das Becken nach hinten, indem Sie die Gesäßhälften anspannen, so als würden Sie sich auf einen Stuhl setzen wollen.

Karina: Ist das Faszientraining mit der Rolle auch bei einer Polyneuropathie in den Füßen und Beinen sinnvoll?

Bleuel: Bei der Polyneuropathie empfehle ich das regelmäßige Ausrollen der Füße und Unterschenkel mit einem Igelball, um die kleinen Nervenendigungen [Verbindungsstücke zwischen Nerven und Nerven und Muskelzellen, Anm. d. Red.] anzuregen.

Rita: Sollte man bei Krampfadern bzw. Bindegewebsschwäche Faszientraining durchführen?

Bleuel: Bei ausgeprägten Krampfadern, Durchblutungsstörungen der Beine und Hautveränderungen, wie sehr dünner Haut, rate ich von der Faszienrolle ab.

Tanja H.: Was kann ich gegen Verspannungen der Nackenmuskulatur tun, die schon in den Arm ausstrahlen? Habe dadurch auch öfters Handgelenkschmerzen und einen Schnappfinger.

Bleuel: Lösen der Verspannung des Nackens durch Ausrollen mit zwei Tennisbällen in einer Socken oder einem Duoball, danach Dehnübungen für den Nacken und bei Rundrücken Kräftigung der Rückenmuskulatur.

babs: Ich war Darmkrebspatientin, seit fünf Jahren krebsfrei. In der Sportgruppe Krebs wurde von einem Faszientraining abgeraten. Warum?

Bleuel: Wenn der Darmkrebs nun seit fünf Jahren geheilt ist, können Sie ohne Bedenken an den Faszien arbeiten, denn Narben im Bauchraum sind Störfelder und ziehen Sie in das Hohlkreuz. Ich sehe keinen Grund, warum hier eine Faszientherapie nicht durchgeführt werden sollte.

Sonja P.: Ich übe einen sitzenden Beruf aus und habe zeitweise zehn bis zwölf Stunden am Tag gearbeitet. Es stellte sich zunehmend ein Druckschmerz im Oberbauch beim Sitzen ein. Ich habe das Gefühl, dass die Brustwirbelsäule an dem Problem mit involviert ist. Die Beschwerden treten überwiegend im Sitzen auf. Mit welchen Übungen kann ich da rangehen?

Bleuel: Ich rate Ihnen zwischen Sitzen und Stehen zu wechseln, vielleicht lässt sich ein höhenverstellbarer Schreibtisch einrichten und dabei können Sie sich noch auf eine Weichbodenmatte stellen.

Birte: Ich habe beim Benutzen der Fazienrolle so starke Schmerzen, dass ich es kaum ertragen kann. Was kann ich tun?

Bleuel: Beginnen Sie langsam an der Wand zu rollen, sollte es hierunter ebenfalls stark schmerzen, suchen Sie sich die schmerzhaftesten Punkte und drücken diese mit einem Faszienball beziehungsweise Tennisball für 30 Sekunden. Mit der Zeit wird es besser.

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Peter: Welche Rollen sollten zur Grundausstattung gehören?

Bleuel: Kaufen Sie sich nicht zu viel, eine Rolle ist ausreichend. Ich empfehle Ihnen mit einer weicheren Rolle anzufangen zum Beispiel die weißgesprenkelte. Achtung: nicht mit der orangenen Rolle anfangen, die ist nämlich mit Abstand am härtesten.

Marcus: Welche Methode ist besser: die Schleip- oder die Liebscher-Bracht-Methode?

Bleuel: Viele Wege führen zum Ziel. Die Lösung liegt im langsamen Rollen und Dehnen. Yoga und Pilates gehören dazu. Ein guter Physiotherapeut unterstützt Sie gern.

mussty: Hilft das Rollen auch bei Rhizarthrose (Arthrose im Daumensattelgelenk) und wenn ja, an welchen Stellen sollte man rollen?

Bleuel: Ausrollen des Daumenballens mit einem Golfball oder einem Flummi und Drücken der schmerzhaften Punkte senkrecht zum Knochen für 30 Sekunden.

Mike: Ich habe Probleme mit verspannten Füßen, besonders die Fußsohlen sind betroffen. Wie arbeite ich da am besten mit der Rolle oder dem Ball?

Bleuel: Langsames Ausrollen der Fußsohle auf dem Faszien- oder Golfball und dabei die Wade nicht vergessen. Anschließend Dehnen der Achillessehne.

Sandra M.: Ich habe einen Rundrücken und leide unter Migräne und Spannungskopfschmerzen. Was kann mir helfen?

Bleuel: Ich empfehle ein Ausrollen der verspannten Nackenmuskeln, danach Dehnen der Nackenmuskeln und Kraftübungen zum Muskelaufbau des unteren Trapezmuskels zur Behandlung des Rundrückens.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 28.05.2019 | 20:15 Uhr

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