Stand: 25.06.2018 11:35 Uhr  | Archiv

Arthrose an Hüfte oder Knie: OP vermeidbar

Eine Frau drückt seitlich mit den Händen gegen ihr Knie © Fotolia.com Foto: ojoel
Nicht immer ist bei einer Arthrose eine Operation nötig.

Hunderttausende Menschen werden jedes Jahr an Hüfte oder Knie operiert. Ursache für die Beschwerden ist häufig eine Arthrose: Wenn Knochen auf Knochen reibt, gibt es nach Ansicht vieler Ärzte keine andere Möglichkeit, die Schmerzen auszuschalten und die Beweglichkeit zu erhalten. Doch wenn ein Arzt bei Arthrose auf eine schnelle Operation drängt, sollten Betroffene immer eine zweite Meinung einholen. Nicht selten stellt sich nach einer sorgfältigen Untersuchung heraus, dass eine Operation unnötig ist und eine sogenannte multimodale Therapie und gezielte Physiotherapie ebenso zum Erfolg führen.

Arthrose: Schmerzhafte Entzündung am Gelenk

Etwa 40 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Arthrose. Doch nicht alle gelten als krank: Viele Menschen haben im Röntgenbild eine fortgeschrittene Arthrose, die ihnen kaum oder gar keine Beschwerden bereitet. Erst eine schmerzhafte Entzündung macht aus dem normalen, altersbedingten Verschleiß eine behandlungsbedürftige Krankheit. Vor allem Fehlstellungen wie zum Beispiel O-Beine oder X-Beine führen durch die erhöhte Belastung an bestimmten Stellen zu einer beschleunigten Abnutzung des Knorpels. Ist kein puffernder Knorpel mehr vorhanden, reiben die Knochen aneinander, eine schmerzhafte Entzündung entsteht.

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Therapien gegen Schmerz und Fehlstellungen

Bevor Ärzte zu einer Operation raten, sollte eine multimodale Therapie erfolgen, die mehrere Behandlungsverfahren kombiniert:

  • Als erste Maßnahme schalten Spritzen ins Gelenk den akuten Schmerz aus.
  • Eine dreidimensionale Ganganalyse entlarvt Fehlbelastungen und Schonhaltungen, die zu Schmerzen im gesamten Körper führen. Oft lassen sich die Fehlstellungen durch Schienen korrigieren. In einigen Fällen kommen sensomotorische Einlagen zum Einsatz: Diese signalisieren dem Gehirn, wie der Körper zum Raum steht, und sorgen dadurch für eine Stabilisierung. Durch ihre spezielle Polsterung lösen sensomotorische Einlagen einen Impuls im Gehirn aus, anders aufzutreten.
  • Sind durch Fehlhaltung die Muskeln verspannt oder die Muskelhüllen (Faszien) verklebt, ist eine Faszientherapie sinnvoll. Dabei werden die Faszien mit gezielten Griffen gelockert. Das kann anfangs etwas schmerzhaft sein, führt aber meist schnell zu einer wohltuenden Entspannung.

Denervierung unterbricht Schmerzleitung

Führen konservative Maßnahmen nicht zum Erfolg, kann eine Denervierung den Einsatz eines Kunstgelenks eventuell überflüssig machen: Dabei werden die Schmerzleitungen zwischen Knie und Gehirn unterbrochen. Unter Röntgenkontrolle und örtlicher Betäubung werden die Nerven zunächst markiert, dann durch elektrischen Strom erhitzt und verödet. Zum Abschluss wird ein lange wirkendes Schmerzmittel ins Knie gespritzt. Betroffene können sich anschließend schmerzfrei bewegen.

Die Wirkung der Denervierung hält maximal zwei Jahre an. Wenn Betroffene die schmerzfreie Phase nutzen, um etwa Übergewicht abzubauen und die Muskulatur zu trainieren, lässt sich eine Operation am Knie in vielen Fällen vermeiden. Pro Gelenk kostet das Verfahren rund 2.000 Euro, die bisher nur private Krankenversicherungen erstatten.

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Experten zum Thema

Dr. Martin Marianowicz, Orthopäde
Dr. Mathias Schettle, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Törringstraße 6, 81675 München-Bogenhausen
(089) 41 11 859-0
www.marianowicz.de

Dr. Sabine Bleuel, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
Orthopädie und Chirurgie Elbchaussee
Elbchaussee 567, 22587 Hamburg
(040) 86 23 21
www.orthopaedie-elbchaussee.de

Weitere Informationen
Deutsche Arthrose-Hilfe e. V.
Postfach 11 05 51, 60040 Frankfurt/Main
www.arthrose.de

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Visite | 26.06.2018 | 20:15 Uhr

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