Stand: 08.08.2016 14:50 Uhr  | Archiv

Aortenwurzelaneurysma: Wann ist eine OP sinnvoll?

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Querschnitt eines Herzens: Oben in Rot ist der Aortenbogen zu sehen.

Eine krankhafte Erweiterung (Aneurysma) der Hauptschlagader (Aorta) direkt am Herzen bedeutet ein doppeltes Risiko für den Betroffenen. Denn zum einen besteht die Gefahr des Einreißens oder Platzens der gedehnten Gefäßwand, was innerhalb weniger Minuten zum Verbluten führen würde. Zum anderen schließt die Aortenklappe durch die Erweiterung nicht mehr richtig. So fließt ständig Blut aus der Hauptschlagader zurück in die Herzkammer, der Patient leidet an einer sogenannten Aorteninsuffizienz und verminderter Leistungsfähigkeit.

Unsere Hauptschlagader - die Aorta

Die Aorta entspringt der linken Herzkammer und hat die Form eines Wanderstocks, der nach unten entlang der Wirbelsäule verläuft, bis sie sich im Lendenbereich in die beiden Beckenschlagadern aufteilt. Der Aortenbogen ist der Griff dieses Wanderstocks. Beim gesunden Erwachsenen hat die Hauptschlagader einen Durchmesser von 25 bis 35 Millimetern. Sie verteilt das sauerstoffreiche Blut aus dem Herzen im Körper.

Wie entsteht ein Aneurysma?

Ein Aortenaneurysma entwickelt sich meist aus eine Arteriosklerose. Bluthochdruck, Rauchen und fortgeschrittenes Lebensalter sind die wichtigsten Ursachen, aber auch Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom, das Loeys-Dietz-Syndrom oder das Ehlers-Danlos-Syndrom können durch Schwächung der Gefäßwand zur Entwicklung eines Aneurysmas beitragen.

Das Aneurysma entwickelt sich langsam und verursacht lange keinerlei Beschwerden. Gerade das macht diese Erkrankung besonders tückisch, denn wenn die krankhafte Erweiterung nicht zufällig bei einer Ultraschall-, CT- oder MRT-Untersuchung entdeckt wird, schwebt der Patient in tödlicher Gefahr, ohne es zu ahnen.

Risikobewertung per Ultraschall

Wie groß die Gefahr ist, dass die Gefäßwand reißt, kann der Arzt im Ultraschallbild abschätzen: Je größer der Durchmesser des Aneurysmas ist, desto höher ist das Risiko - unabhängig davon, ob der Patient davon etwas spürt oder nicht. Sitzt es an der Aortenwurzel, also direkt am Übergang zwischen der Herzkammer und der Aorta, kann ein Aneurysma zudem die Funktion der Herzklappen beeinträchtigen. Ab einem Durchmesser von 40 Millimetern sollte ein Aortenaneurysma ein- bis zweimal pro Jahr kontrolliert werden.

Da der chirurgische Eingriff nicht ohne Risiko ist, raten Ärzte erst dann zur vorsorglichen Operation, wenn das Aneurysma bereits so groß ist, dass das Risiko eines Platzens das Operationsrisiko deutlich übersteigt. Das ist in der Regel bei einem Durchmesser von mehr als 55 Millimetern der Fall, bei erblichen Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom bereits bei 45 bis 50 Millimetern. Auch bei rasch wachsenden Aneurysmen ist eine Operation oft das geringere Risiko.

Was bedeutet der Durchmesser der Aorta?
Durchmesser (mm)Bewertung
25-35Normal
40Kontrolle alle 6 bis 12 Monate
45-50Operation bei bestimmten Begleiterkrankungen
ab 55Operation

Komplizierte OP mit der Herz-Lungen-Maschine

Das Aortenaneurysma ist eine besondere Herausforderung für die Herzchirurgen. Damit sie operieren können, muss das Herz angehalten werden. In dieser Phase übernimmt die Herz-Lungen-Maschine die Arbeit des Herzens und der Lunge. Die Ärzte müssen schnell und exakt arbeiten, denn passiert nur ein Fehler oder dauert die OP zu lange, kann es sein, dass das Herz nie wieder schlägt. Besonders belastend ist diese Vorstellung für Patienten, die keine akuten Beschwerden haben, sondern sich vorsorglich operieren lassen müssen.

Bei der komplizierten Operation wird der erweiterte Bereich der Hauptschlagader durch ein Implantat ersetzt, die Aortenklappe repariert oder durch eine künstliche Klappe ersetzt. Nach dem Eingriff muss sich der Patient einige Zeit schonen, bis alles wieder gut zusammengewachsen ist. Erst danach ist die Gefahr gebannt, eines Tages plötzlich innerlich zu verbluten.

Filmischer Blick in den OP-Saal

Erstmalig hat ein NDR Team während einer Herz-OP mit einer ganz besonderen Kamera gefilmt - in 360-Grad-Technik. Internetnutzer können in diesem Film frei durch den OP-Saal navigieren, sich jedes Detail des komplizierten Eingriffs genau ansehen und dabei Hintergrundinformationen erhalten.

Weitere Informationen

Spektakuläre Einblicke bei OP am offenen Herzen

Ein interaktiver 360°-Film über eine Operation am offenen Herzen: Verfolgen Sie den Eingriff von Anfang bis Ende mit, schauen Sie sich um und erhalten Sie spannende Zusatzinfos. mehr

Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner, Herz- und Gefäßchirurg
Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH (UHZ)
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Internet: www.uhz.de

Interviewpartner im Beitrag:
Priv.-Doz. Dr. Evaldas Girdauskas, Herzchirurg
Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie
Universitäres Herzzentrum Hamburg GmbH (UHZ)
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Internet: www.uhz.de

Weitere Informationen:
Deutsche Herzstiftung e. V.
Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt
Tel. (069) 95 51 28-0, Fax (069) 95 51 28-313
www.herzstiftung.de

Ratgeber:
Kerstin Bauer, Jürgen Ennker, Stefan Bauer:
"Leben nach dem Herzeingriff"
134 S.; Springer (2010)
22,99 Euro

Kerstin Bauer, Jürgen Ennker:
"Aortenchirurgie: Ein Patientenratgeber"
168 S.; Steinkopff (2008)
19,99 Euro

Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.08.2016 | 20:15 Uhr

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