Stand: 05.02.2019 12:16 Uhr

Riss der Aorta: Schnelles Handeln wichtig

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Ein Riss in der Gefäßinnenwand der Aorta kann tödlich enden.

An einem Riss in der Innenhaut der Hauptschlagader (Aorta) versterben drei von vier Betroffenen innerhalb von 48 Stunden. Ist bei der sogenannten Aortendissektion die Ader im aufsteigenden Bereich kurz hinter dem Herzen betroffen, kann es zu einem Verschluss der Gefäße kommen, die das Gehirn mit Blut versorgen. Oft sammelt sich zugleich Blut im Herzbeutel an und engt das Herz ein - bis hin zum tödlichen Herz-Kreislauf-Versagen. Eine rechtzeitige Operation kann Leben retten.

Aufnahme vom Gehirn

Riss der Aorta: Schnelles Handeln wichtig

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Bei einem Riss der Hauptschlagader ist schnelles Handeln wichtig: Nur eine rechtzeitige Operation kann Leben retten. An welchen Symptomen erkennt man eine Aortendissektion?

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Was bei einer Aortendissektion passiert

Bei einer akuten Aortendissektion reißt meist ohne Vorwarnung die innere Wand der Hauptschlagader (Aorta) ein. Das Blut strömt durch den Riss zwischen die Schichten der Gefäßwand. Der Herzschlag drückt immer mehr Blut in den Spalt. Dadurch entsteht ein gefährlicher Hohlraum, der sich immer weiter ausbreitet - in einigen Fällen hinunter ins Becken.

Im Gespräch
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Aortendissektion erkennen und behandeln

05.02.2019 20:15 Uhr
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Wie erkennt man einen Riss der Hauptschlagader? Und wie behandelt man die sogenannte Aortendissektion? Gefäßmediziner Prof. Dr. Eike Sebastian Debus informiert. Video (03:46 min)

Häufigkeit und Ursachen

Jedes Jahr sterben in Deutschland 900 Menschen an einem Riss in der Aorta. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher, denn viele Betroffene schaffen es nicht rechtzeitig in die Klinik.

Laut aktueller Studien tritt eine Aortendissektion bei etwa zwölf von 100.000 Menschen auf. Das Durchschnittsalter liegt bei rund 60 Jahren. Männer sind drei Mal so häufig betroffen wie Frauen. Noch nicht geklärt ist, warum Aortendissektionen vor allem im Winter und am Vormittag auftreten.

Aortendissektion: Typ A und B

Tritt eine Aortendissektion im aufsteigenden Teil der Aorta auf, also unmittelbar am Herzen, wird sie anhand der sogenannten Stanford-Klassifikation als Typ-A-Dissektion bezeichnet. Dabei handelt es sich um die gefährlichste Form.

Bei einer Aortendissektion vom Typ B ist der absteigende Teil der Hauptschlagader unterhalb der linken Schlüsselbeinarterie betroffen.

Symptome und Diagnose

Typisch für eine Aortendissektion ist ein plötzlicher Vernichtungsschmerz in der Brust, den die Betroffenen als stechend oder heftig reißend empfinden. Häufig strahlt der Schmerz in den Rücken oder in den Bauch aus. Durch den Blutverlust in die Gefäßwand kommt es zu einem Abfall des Blutdrucks und Herzrasen. Ein Hinweis auf eine Aortendissektion ist ein Blutdruckunterschied von mehr als 20 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) zwischen beiden Armen.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Luftnot und Schocksymptome bei einer Herzbeteiligung
  • Schmerzen in den betroffenen Extremitäten bei Durchblutungsstörungen der Arme oder Beine
  • Symptome eines Schlaganfalls bei einer Beteiligung der hirnversorgenden Arterien
  • Bauchschmerzen durch Durchblutungsstörungen des Darms
  • Flankenschmerzen bei Durchblutungsstörungen der Nieren
  • Lähmungserscheinungen aufgrund einer Minderdurchblutung des Rückenmarks

Kontaktieren Sie bei diesen Symptomen immer und sofort einen Notarzt!

Aortendissektion oder Herzinfarkt?

Die meisten Symptome einer Aortendissektion passen auch zum wesentlich häufiger auftretenden Herzinfarkt. Das führt oft dazu, dass Notärzte zunächst von einem Infarkt ausgehen und die falsche Erstbehandlung einleiten. Eine gesicherte Diagnose ist meist erst in der Klinik mit Hilfe der Computertomographie möglich.

Therapie der Aortendissektion

Eine Aortendissektion vom Typ A ist ein Notfall und muss schnellstmöglich operiert werden. Dabei wird der betroffene Abschnitt in der Regel durch eine Gefäßprothese ersetzt, bei Bedarf wird auch eine künstliche Aortenklappe eingesetzt.

Eine chronisch verlaufende Aortendissektion vom Typ B ohne Kreislaufsymptome kann zunächst abwartend behandelt werden. Erst bei einem drohenden Riss oder wenn die Blutversorgung von Organen beeinträchtigt ist, wird ein Operation erforderlich. Dabei wird die eingerissene Gefäßinnenhaut durch Stentprothesen fixiert.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Eike Sebastian Debus, Klinikdirektor
Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin
Universitäres Herzzentrum (UHZ) GmbH
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
www.uke.de

Dr. Anas Aboud, Leitender Oberarzt, stellvertretender Klinikdirektor
Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
www.uksh.de

Weitere Informationen
Informationsportal von Patienten für Patienten
www.aortendissektion.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.02.2019 | 20:15 Uhr

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