Stand: 07.03.2017 09:39 Uhr  | Archiv

Antibiotika mit gefährlichen Nebenwirkungen

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Antiobiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone können schwere Nebenwirkungen haben.

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone können in seltenen Fällen zu Sehnenrissen, Nervenschmerzen oder Angstzuständen führen. Zu den Fluorchinolonen gehören zum Beispiel die Medikamente Norfloxacin, Ciprofloxacin, Moxifloxacin und Levofloxacin. Schon nach wenigen Tabletten können teilweise schwere Nebenwirkungen auftreten: Kribbeln im Gesicht und in den Händen, Taubheitserscheinungen, Schmerzen und Risse im Bereich der Sehnen, Muskelschmerzen, Angstzustände, Panikattacken und Leberschäden. Die Nebenwirkungen können sogar nach dem Absetzen des Medikaments monatelang oder auf Dauer bleiben. Ein Medikament aus der Gruppe der Fluorchinolone wurde deshalb bereits wieder vom Markt genommen.

EU schränkt Indikation für Fluorchinolone ein

Auf dem Beipackzettel der Medikamente sind die Nebenwirkungen weit unten als "seltene Nebenwirkungen" aufgeführt. Dabei sind in den Nebenwirkungsdatenbanken der EU für diese Antibiotika-Gruppe bereits Zehntausende Fälle aufgelistet. Nach einer Nutzen-Risiko-Analyse schränkten die Behörden 2008 die Indikation von Norfloxacin, Ciprofloxacin und Moxifloxacin ein, 2012 folgte Levofloxacin.

Fluorchinolone nur bei lebensgefährlichen Erkrankungen

In der Praxis würden die Warnungen jedoch oft nicht ausreichend ernst genommen, kritisieren Experten. Viele niedergelassene Ärzte verschrieben Fluorchinolone auch bei relativ harmlosen Atemwegserkrankungen oder bei nicht lebensgefährlichen Harnwegsinfekten. In Krankenhäusern werden diese Antiobiotika in der Regel nur noch bei lebensgefährlichen Infektionen eingesetzt, wenn keine anderen Medikamente zur Verfügung stünden.

Medikament bei Nebenwirkungen sofort absetzen

In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA 2016 angeordnet, dass die Hersteller in den Beipackzetteln von Fluorchinolon-Antibiotika unübersehbar in Fettdruck auf die seltenen, aber massiven Nebenwirkungen hinweisen müssen. Sofern andere Antibiotika für die Therapie zur Verfügung stehen, rät die Behörde Ärzten, Fluorchinolone nicht mehr zu verordnen. Beim Auftreten von Nebenwirkungen solle ein Fluorchinolon zudem sofort abgesetzt und auf ein anderes Antibiotikum umgestellt werden.

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