Stand: 30.10.2018 14:51 Uhr  - Visite  | Archiv

Abenteuer Diagnose: Knochenentzündung CRMO

Röntgenbild © Colourbox
Bei der Knochenentzündung CRMO sind im Röntgenbild Veränderungen am Knochen zu sehen.

Die chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis (CRMO) ist eine Knochenentzündung, die meist mehrere Bereiche des Körpers betrifft. Die Ursache ist bisher ungeklärt. In der Regel trifft die Krankheit Schulkinder, aber auch Kleinkinder können an einer CRMO erkranken. Insgesamt sind doppelt so viele Mädchen wie Jungen betroffen.

Eine CRMO kann an allen Knochen vorkommen, tritt aber besonders häufig an Schlüsselbeinen und Beckenknochen auf. Weitere typische Stellen sind Ober- und Unterschenkelknochen mit den Fußknochen sowie die Wirbelsäule. Seltener erkranken die Knochen des Kopfes, der Arme oder die Rippen. Auch das Hüftgelenk kann betroffen sein.

Symptome

Die Betroffenen klagen über Schmerzen an Knochen oder Gelenken, die vor allem nach Belastung zunehmen. Die Kinder fühlen sich abgeschlagen. Es können leichte Temperaturerhöhungen auftreten. Die schmerzhaften Stellen im Körper können auch Schwellungen aufweisen. Gelegentlich treten auch Autoimmunerkrankungen auf, zum Beispiel chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa oder aber Schuppenflechte (Psoriasis).

Diagnose

Im Labor finden sich meist Entzündungszeichen im Blut, während das übrige Blutbild unauffällig ist. Bakterien lassen sich weder im Blut noch in den entzündeten Knochen nachweisen. Im Röntgenbild können Veränderungen des Knochens zu sehen sein. Mehr Informationen liefert die Kernspintomografie (MRT): Ein Ganzkörper-MRT zeigt, wie viele Knochen betroffen sind und ob es Entzündungen in den umgebenden Weichteilen oder Gelenken gibt. Ist die Diagnose noch nicht gesichert, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) aus einer entzündeten Stelle auf CRMO untersucht.

Therapie

Die Therapie der CRMO hängt vom individuellen Befall der Knochen ab:

  • Häufig genügt eine symptomatische Therapie: Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen, Naproxen, Indometacin oder Diclofenac zeigen bei den meisten Betroffenen eine gute Wirkung. Bei sehr kurzen und leichten Krankheitsverläufen lässt sich eine Beschwerdefreiheit auch ohne Medikamente erreichen. Andere Betroffene benötigen die Medikamente nur zeitweise bei Bedarf. Bei akuten starken Beschwerden kann auch ein kurzfristiger Einsatz von Kortison hilfreich sein. 

  • Reichen schmerz- und entzündungshemmende Medikamente nicht aus oder sind kritische Bereiche wie Wirbelsäule oder Beckenknochen betroffen, kommen sogenannte Bisphosphonate zum Einsatz. Diese für die Therapie der Osteoporose zugelassenen Medikamente greifen direkt in den Knochenstoffwechsel ein und zeigen auch bei der CRMO rasche Wirkung.

  • An CRMO Erkrankte sind von Anfang an auf Krankengymnastik angewiesen, um die Beweglichkeit von Gelenken und Wirbelsäule zu erhalten. Bei der Behandlung der Symptome können auch Kältepackungen zur Kühlung der entzündeten Bereiche oder Wärme und Elektrotherapie für verspannte Muskeln hilfreich sein.

Verlauf und Prognose

Eine CRMO verläuft meist in Schüben, selten tritt sie einmalig ohne weitere Schübe auf. Ein Schub kann wenige Wochen, aber auch Monate anhalten. Der Verlauf ist in der Regel gutartig und die Erkrankung kommt irgendwann zum Stillstand. In den meisten Fällen ist bis zum Beginn des Erwachsenenalters mit einer Spontanheilung zu rechnen.

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Experten zum Thema

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Wirbelsäulenchirurgie, Kinder-, Rheuma- und onkologische Orthopädie
Lubinus Clinicum
Steenbeker Weg 25
24106 Kiel
(0431) 388-11 30
www.lubinus-stiftung.de

Priv.-Doz. Dr. Philipp von Bismarck, Kinderrheumatologe
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
(0431) 500-20156
www.uksh.de

Prof. Dr. Ralf Stücker, Ärztlicher Direktor und Leitender Arzt der Kinderorthopädie
Kinderorthopädie
Altonaer Kinderkrankenhaus gGmbH
Bleickenallee 38
22763 Hamburg
www.kinderkrankenhaus.net

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