Stand: 20.03.2018 13:47 Uhr  | Archiv

Wenn eine Stoffwechselstörung Krämpfe verursacht

Bild vergrößern
Bei der Stoffwechselstörung Hypoparathyreoidismus treten Muskelkrämpfe auf.

Der Hypoparathyreoidismus ist eine Stoffwechselstörung, die von der Nebenschilddrüse ausgeht. Er ist gekennzeichnet durch einen Mangel am Parathormon (PTH). Der Hormonmangel führt zu Elektrolytverschiebungen, die sich in Form eines verringerten Kalziumspiegels, eines erhöhten Phosphatspiegels und eines verminderten Vitamin-D-Spiegels im Blut äußern.

Parathormon erhöht Kalziumspiegel im Blut

Die Nebenschilddrüsen sind zwei etwa linsengroße Organpaare, die an den Polen der Schilddrüse liegen. Sie produzieren das sogenannte Parathormon. Das ist unter anderem dafür zuständig, den Kalziumspiegel im Blut zu erhöhen, indem es die Aktivität von speziellen Knochenzellen anregt. Diese sogenannten Osteoklasten bauen dann Knochensubstanz ab und setzen dadurch Kalzium ins Blut frei. Kalzium ist unter anderem wichtig für den reibungslosen Ablauf von Muskelarbeit sowie für die Blutgerinnung.

Schilddrüsen-OPs oder Vererbung als Ursache der Störung

Die häufigste Ursache für einen Hypoparathyreoidismus sind Schilddrüsenoperationen, die zu einer Schädigung der Nebenschilddrüsenfunktion führen können. Die Stoffwechselstörung kann aber auch vererbt sein. Sie kann dann isoliert oder aber auch im Rahmen anderer genetischer Erkrankungen auftreten. Ein schwerer Kalziummangel äußert sich in plötzlichen Muskelkrämpfen (Tetanie). Stimmbandkrämpfe mit Atemnot können die Folge sein. Zudem können Beschwerden wie Verwirrtheit, Angst und psychotische Symptome, Halluzinationen sowie Symptome der Demenz und Depression auftreten. Außerdem kann es zu gravierenden Herzrhythmusstörungen und nicht behandelbaren Blutdruckabfällen kommen. Bei leichterer Ausprägung führt der Hypoparathyreoidismus zu Missempfindungen wie Taubheitsgefühl im Bereich des Mundes, Kribbelparästhesien der Haut sowie zu Muskelzuckungen an den kleinen Hand- und Fußmuskeln oder zu Krämpfen im Hals- und Rachenbereich.

Diagnose anhand bestimmter Blutwerte

Wegweisend ist eine typische Konstellation von Blutwerten: Trotz eines verringerten Kalziumspiegels im Blut ist auch der Parathormonspiegel erniedrigt. Zudem können begleitend erhöhte Phosphatspiegel im Blut auffallen.

Kalzium und Vitamin D zur Therapie

Die Therapie des Hypoparathyreoidismus besteht in der Verabreichung von Kalzium und Vitamin D in Form von Tabletten. In akut lebensbedrohlichen Phasen von Muskelkrämpfen muss das Kalzium intravenös verabreicht werden. Die Therapie erfolgt unter engmaschiger Kontrolle des Kalzium- und Phosphatblutspiegels, da es durch die hochdosierte Gabe von Kalzium zu Bildung von Nierensteinen kommen kann.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.03.2018 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

08:39
Mein Nachmittag