Stand: 01.10.2019 05:00 Uhr

Tag der Deutschen Einheit: Ost-West-Vergleich

von Daniel Kummetz

Vor 30 Jahren fiel die Mauer, seit 29 Jahren ist Deutschland wiedervereint - ein Staat, eine Einheit. Das wird am Mittwoch und Donnerstag in Kiel gefeiert. Juristisch war die Einheit relativ schnell vollzogen - am 3. Oktober 1990 trat die ehemalige DDR offiziell der Bundesrepublik bei. Die Folgen: Alle Gesetze, Rechte und Pflichten der Bürger der Bundesrepublik galten nun auch für die Einwohner in den fünf neuen Bundesländern und im ehemaligen Ost-Berlin. Doch vor allem wirtschaftlich gleichzuziehen ging nicht so schnell, auch wenn die Hoffnungen und die Versprechungen in den Wendejahren groß waren.

Jetzt werde "zusammenwachsen, was zusammen gehört", sagte Alt-Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) damals. Der zu der Zeit amtierende Regierungschef Helmut Kohl (CDU) versprach "blühende Landschaften" im Osten binnen weniger Jahre. Eine etwas weniger blumige Formulierung wurde das Ziel aller Bundesregierungen seit der Wiedervereinigung: die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West.

Bundesregierung: "Einheit eindrucksvolle Erfolgsgeschichte"

Wie es darum steht, wird regelmäßig untersucht - unter anderem vom Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Dessen Tenor ist meist: Es ist viel geschafft, aber das Ziel noch nicht erreicht. Das ist auch in diesem Jahr so: Christian Hirte (CDU), der aktuelle Ost-Beauftragte, nannte die Einheit in einer Bundestagsdebatte zu seinem aktuellen Bericht in der vergangenen Woche "eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte."

Er verwies auf die gestiegene Wirtschaftskraft, die gestiegene Beschäftigung und gestiegene Löhne - im Vergleich zu den Vorjahren. Angekommen auf West-Niveau sind die neuen Länder in diesen Bereichen allerdings noch nicht.

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Linken-Fraktionschef Bartsch: "Unverantwortliche Lobhudelei"

Auch Hirte sieht starke Schwächen im wirtschaftlichen Bereich: So weist er in seinem Bericht daraufhin, dass kein einziges Ost-Unternehmen im Börsenleitindex Dax-30 notiert und die Wirtschaft zu kleinteilig sei - auch wenn die Region ein attraktiver Wirtschaftsstandort sei. Auch habe nahezu kein Großunternehmen seine Zentrale in Ostdeutschland. 

Die Opposition verwahrt sich gegen die überwiegend positive Bewertung der Entwicklung seit der Deutschen Einheit. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch etwa bemängelt, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse zu langsam vorangehe. Er warf Hirte eine "unverantwortliche Lobhudelei" und der ganzen Bundesregierung "Realitätsverweigerung" vor.

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Mehrheit zufrieden mit der Entwicklung

Und was halten die Menschen von den Entwicklungen? Laut einer Umfrage des ARD-DeutschlandTrends aus dem August sind drei Viertel der Bevölkerung zufrieden mit der Entwicklung nach der Wiedervereinigung (77 Prozent der Westdeutschen/68 Prozent der Ostdeutschen) - unzufrieden etwas weniger als ein Viertel (21 Prozent der Westdeutschen/30 Prozent der Ostdeutschen).

DDR: Berufstätige Mütter selbstverständlich

Auch wenn die staatliche Teilung seit nun bald 30 Jahren vorbei ist, sieht man die Spuren davon, dass es 40 Jahre lang die DDR gab, auch in gesellschaftlichen Bereichen weiterhin. So war etwa die Berufstätigkeit von Müttern auch junger Kleinkinder selbstverständlich - ganz anders als in der Bundesrepublik. Entsprechend gab es Betreuungseinrichtungen für Kinder unter 3 Jahren. Diese unterschiedlichen Erfahrungen hinterlassen auch heute noch Spuren: Der Anteil der Kinder, die jünger als 3 Jahre sind und durch Kitas betreut werden, ist in den ostdeutschen Bundesländern auffällig höher als im Westen.

Mehr Kirchenmitglieder im Westen

Und auch in einem anderen Bereich sind andere Prägungen zu bemerken: In der DDR standen die christlichen Kirchen und ihre Mitglieder unter politischem Druck, staatlicherseits wurde ein atheistisches Weltbild vermittelt. Der Anteil der Mitglieder der christlichen Kirchen an der Bevölkerung ist in den ostdeutschen Ländern auffällig niedriger als im Westen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.10.2019 | 12:00 Uhr

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