Daniel Günther (CDU).

CDU: Günther - Ministerpräsident mit Überzeugung

Stand: 14.04.2022 14:00 Uhr

Sein unaufgeregter Regierungsstil hat ihm hohe Beliebtheitswerte gebracht. Die will Günther nutzen - und weiterregieren. Als klassischer "Landesvater" sieht er sich allerdings nicht.

Vorsichtig nähert sich eine Frau mit ihrem Handy dem Ministerpräsidenten und fragt, ob sie ein Foto von ihm machen darf. Daniel Günther hat gerade in einem Einkaufszentrum seine Wahlkampagne vorgestellt. Der CDU-Spitzenkandidat präsentiert sich dort als erfahrener Regierungschef - aber auch als nahbarer Kumpeltyp. Entsprechend unaufgeregt reagiert er: "Wollen Sie nicht lieber mit aufs Foto", fragt er die Besucherin. Sie willigt natürlich ein, Günthers Pressesprecher wird kurzerhand als Fotograf verpflichtet und Günther posiert mit der Frau fürs Foto. Es ist Günthers zweiter Wahlkampf als Spitzenkandidat der CDU. Diesmal mit Amtsbonus.

Vom Last-Minute-Kandidaten zum Ministerpräsidenten

Bei der letzten Wahl 2017 hatte Günther deutlich weniger Vorlauf: Als Fraktionsvorsitzender sprang nur ein halbes Jahr vor dem Wahltermin für den vorigen Spitzenkandidaten Liebing ein. Und hatte Erfolg. Überregionale Medien haben plötzlich einen neuen Namen auf dem Zettel, den des Überraschungssiegers aus Kiel. Inzwischen überflügelt Günther als Ministerpräsident sämtliche Regierungschefs anderer Länder bei den Beliebtheitswerten.

Doch der klassische "Landesvater"-Typ ist er nicht, anders als frühere CDU-Ministerpräsidenten wie Peter Harry Carstensen etwa. Vielleicht doch eher ein "Landesschwiegersohn", wie es der frühere SPD-Fraktionschef Ralf Stegner über ihn sagte? Daniel Günther selbst favorisiert schlicht: "Ministerpräsident". Und zwar "mit Überzeugung."

Den Begriff verbindet er mit "Verantwortung" und nimmt für sich selbst in Anspruch, ein Land nicht nur in guten, sondern auch in herausfordernden Zeiten führen zu können. Wie so oft ergänzt Günther so eine - eher präsidiale - Aussage mit einem Schmunzler: "'Landesvater' macht einen ja fast immer älter als ich eigentlich bin."

Von der Jungen Union in die Staatskanzlei

Daniel Günther hat sein Berufsleben fast ausschließlich in der Politik verbracht. Er ist ein echtes Parteigewächs und kennt die Landes-CDU genau. Seine lupenreine Laufbahn begann in der Jungen Union. Dort lernte er auch seine Frau kennen. 1998 wurde er Mitglied der Ratsversammlung von Eckernförde, 2003 Kreistagsabgeordneter, 2009 zog er in den Landtag ein.

Auch im Hauptberuf ist er lange für die CDU im Einsatz - fünf Jahre als Kreisgeschäftsführer der CDU Rendsburg-Eckernförde und acht Jahre lang als Landesgeschäftsführer. Damals ist er auch Wahlkampfleiter des Spitzenkandidaten Jost de Jager. Nach der knapp verlorenen Wahl sagt Daniel Günther: "Auch mir selbst sind Fehler unterlaufen."

Im Landtag hat er sich damals längst als Vertreter der "Abteilung Attacke" einen Namen gemacht, greift die damalige Bildungsministerin Wende unnachgiebig an, als es gegen sie Korruptionsvorwürfe gibt. Sorgt mit Forderungen nach einer Schweinefleisch-Pflicht in Kantinen oder einer Residenzpflicht für Minister nicht nur für Begeisterung - wird aber wahrgenommen.

Harte Entscheidungen nötig

Als Ministerpräsident überlässt Daniel Günther die "Abteilung Attacke" inzwischen anderen. Doch harte Entscheidungen muss er auch in seinem Amt treffen: Etwa, als er seinen Innenminister entlässt. Oder in der Corona-Pandemie Beschränkungen verkündet. Braucht es Härte, um politisch erfolgreich zu sein? "Naja, zumindest muss man entscheidungsstark sein", sagt Günther. In der Politik seien Entscheidungen eigentlich nie leicht. Anerkennung und Vertrauen verdiene man sich aber nur, wenn die Menschen merkten, dass man auch bereit sei, Entscheidungen zu treffen.

Daniel Günther ist Katholik und lebt in Eckernförde. In seiner Freizeit macht er gern ausgedehnte Spaziergänge am Meer oder geht laufen. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 20.04.2022 | 19:30 Uhr

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