Stand: 25.03.2020 15:41 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Profis am Beatmungsgerät: Intensivpfleger gesucht

Während das Leben draußen fast komplett heruntergefahren ist, fahren sie gerade hoch: Die Krankenhäuser im Land bereiten sich auf Patienten vor, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Weil damit gerechnet wird, dass Patienten mit schweren Verläufen beatmet werden müssen, will die Landesregierung die Kapazität der Intensivbetten jetzt verdoppeln. Nach jüngstem Stand gibt es rund 630 solcher Betten mit Beatmungsmöglichkeit.

Doch das alles bringt nichts, wenn keine Pflegekräfte da sind, die sich um diese Patienten kümmern und die Beatmungsgeräte auch bedienen können. Und an eben jenen Pflegekräften fehlt es - auch ohne Coronakrise.

Drei Vollzeitstellen für 24-Stunden-Versorgung eines Beatmungspatienten

Deswegen geht es jetzt vor allem darum, die stillen Reserven zu aktivieren, also die Pflegekräfte, die gerade nicht in ihrem Beruf arbeiten. Sie zurückzuholen, darum bemühen sich gerade Krankenhäuser, das Gesundheitsministerium und die Pflegekammer.

Auf die Frage, wer gesucht wird, kommt die Antwort: alle mit Pflegeerfahrung. Wegen der Erhöhung der Zahl an Beatmungsplätzen wird allerdings bei den Intensiv-Pflegekräften mit dem größten Engpass gerechnet.

Wie groß der Bedarf an speziell qualifizierten Pflegekräften werden könnte, zeigt diese Rechnung: Für die Rund-um-die-Uhr-Versorgung eines Beatmungspatienten werden drei Vollzeitstellen gebraucht, so das Städtische Krankenhaus in Kiel. Dort gibt es aktuell 20 Beatmungsgeräte. Die Bemühungen, die Zahl zu verdoppeln, laufen.

Unterstützung durch andere Stationen

Die Pflegeberufekammer geht davon aus, dass in nächster Zeit einige Tausend zusätzliche Pfleger benötigt werden. Schon in der vergangenen Woche hat die Kammer deshalb einen flächendeckenden Aufruf gestartet, um die stillen Reserven an Pflegekräften zu aktivieren. In Absprache mit dem Gesundheitsministerium hat die Kammer eine Koordinierungsstelle aufgesetzt, bei der sich Pflegekräfte und Helfer melden können und weitervermittelt werden. 55 haben sich nach Angaben der Kammer bisher bereits gemeldet, zehn gaben an, auf der Intensivstation arbeiten zu können.

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"Es wird am Ende so sein müssen, dass diejenigen, die jetzt schon täglich klinisch arbeiten und gut in der Praxis sind, für die anspruchsvolle Versorgung eingesetzt werden, und dass man diejenigen, die länger aus dem Beruf raus sind, so fit macht, dass die die anderen Bereiche abdecken können", sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegekammer.

Gesucht: Alle, die pflegen können

Nach diesem Prinzip will sich auch das Städtische Krankenhaus Kiel aufstellen. Deswegen sind auch dort alle mit Pflegeerfahrung willkommen. Sie können zwar nicht die Aufgaben des Intensivpflegers übernehmen, aber dennoch helfen, sagt Angela Aurin, Bereichsleiterin der Intensivstation im Städtisches Krankenhaus Kiel. Denn es gehe gerade darum, die zu entlasten, die an den Beatmungsgeräten arbeiten können.

Auch innerhalb des Hauses werde geschaut, wer schon mal auf einer Intensivstation gearbeitet hat oder dafür ausgebildet ist, aber auf einer anderen Station arbeitet. Diese sollen auf der Intensivstation eingesetzt werden.

Aufgaben, die dadurch liegenbleiben, würden dann abgegeben: "Pflegeassistenten können uns zum Beispiel bei der Grundpflege unterstützen. Denkbar wäre auch, dass Kollegen von anderen Stationen oder Medizinstudenten in einem Raum Infusionslösungen herstellen oder Medikamente. Sie müssen dann nicht zwangsläufig ins Patientenzimmer", sagt Aurin.

Intensivpflegerin: "Das bedarf Routine"

Stefanie Hesse arbeitet ebenfalls auf der Intensivstation des Städtischen Krankenhauses. Sie erklärt, warum es wichtig ist, für die Betreuung schwer kranker Beatmungspatienten ausgebildet zu sein: "Man muss das Beatmungsgerät kennen, also die Einstellung, die Überwachung. Was bedeutet der Alarm, welche Daten liefert mir das Gerät? Auch wenn der Patient abgesaugt werden muss, weil Sekret in der Lunge ist, bedarf das einfach einer gewissen Routine."

Schulungen sind nötig

Auch das Gesundheitsministerium sieht derzeit landesweit einen besonderen Bedarf an Intensiv-Pflegern, um die Corona-Krise zu bewältigen. Dafür seien Schulungen vorgesehen. Am Städtischen Krankenhaus in Kiel dauern diese Schulungen normalerweise zweieinhalb Monate. Man müsse jetzt schauen, was möglich ist, sagte eine Sprecherin.

Noch braucht im Städtischen Krankenhaus kein Corona-Patient eine Intensivbeatmung. Aber das Haus bereitet sich vor - so wie viele andere Kliniken im Land.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.03.2020 | 16:00 Uhr

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