Long Covid: Der lange Schatten von Corona-Spätfolgen

Stand: 01.06.2021 17:34 Uhr

Im Moment erkranken in der Altersgruppe der 15- bis 35-Jährigen vier Mal so viele Menschen wie bei den über 60-Jährigen. Berufstätige fallen nach einer Coronainfektion länger und auch öfter aus. Das Virus geht, doch die Folgen bleiben.

Oft sind die Krankheitsverläufe leicht bis mittel. Schnell sollte man eigentlich wieder fit sein. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Noch tappen Mediziner im Dunkeln: Denn bisher ist noch nicht klar, wie viele der bisher knapp 3,7 Millionen Infizierten auch Long-Covid-Symptome bekommen - und wann.

Es kann jeden treffen

Auch Professor Klaus Rabe hat jeden Tag damit beruflich zu tun und stellt fest: Es kann jeden treffen. "Das gibt uns zum Teil Rätsel auf." In der LungenClinic Großhansdorf (Kreis Stormarn) muss er multidisziplinär damit umgehen. "Da müssen der Kardiologe, der Psychosomatiker und der Neurologe auch mal schauen. Und das ist eine Herausforderung."

Zurzeit behandelt er Frank Sauerland. Der Zollbeamte hatte Ende Februar die ersten Symptome, drei Monate fiel er ins Koma. Vorher war der 57-Jährige nie krank. "Ich gebe die Hoffnung nicht auf", sagt Sauerland. Wann er wieder arbeiten kann, weiß er nicht.

Long-Covid-Symptome sind vielfältig

Long-Covid-Symptome sind vielfältig und für die Mediziner noch schwer einzuordnen. Viele Erkrankte fühlen sich oft nach einem halben Jahr und länger noch nicht wieder voll leistungsfähig: Etwa 80 Prozent klagen über das Fatigue-Syndrom - einen chronischen Erschöpfungszustand. Aber auch Depressionen, Kurzatmigkeit oder Muskelschwäche müssen Ärzte derzeit behandeln.

Und Long Covid trifft nicht nur alte und schwache Menschen. "Ich glaube, das hat erhebliche Folgen. Das hat Folgen über die langfristige Arbeitsunfähigkeit, die Reintegration dieser Menschen aus allen Berufsgruppen. Ich glaube, dass das etwas ist, was uns noch Jahre beschäftigen wird. Ich hoffe sehr - mit abnehmender Tendenz", sagt Klaus Rabe.

Langfristige neurologische Ausfälle

Das hofft auch Neurologe Dr. Klaus Stecker. Er sieht in seiner Rehaklinik in Malente (Kreis Ostholstein) noch andere Symptome von Long Covid. Denn es gibt auch langfristige neurologische Ausfälle wie zum Beispiel komplette Lähmungen in Armen und Beinen. Der Arzt behandelt aber nicht nur Patienten mit schweren Verläufen. Er musste viel dazulernen - zuletzt bei einem jungen Patienten um die 30 Jahre alt, ehemals Leistungssportler. "Der war Ruderer, gut durchtrainiert - und hat im Moment wegen der geistigen Beeinträchtigungen erst mal die Arbeit an der Doktorarbeit eingestellt", berichtet Stecker.

Auch sein Patient Helmut Bauer spürte seine Infektion nur ganz leicht. Doch zwei Monate später waren seine Beine gelähmt. Momentan ist er auf einen Rollstuhl angewiesen und lernt gerade wieder mühevoll das Laufen. "Damit habe ich im Traum nicht gerechnet. Wir waren froh, dass wir das so gut überstanden haben. Wir hatten nur erhöhte Temperatur", meint Bauer.

Leitlinie: Suche nach Interventionsmaßnahmen

Professor Klaus Rabe schreibt derzeit mit Kollegen an einer bundeseinheitlichen Leitlinie zur Behandlung von betroffenen Patienten. "Wir wollen versuchen, es in den Fokus zu stellen. Wir wollen es für denjenigen, der sich damit beschäftigt und den Patienten sieht, dass der einen Leitfaden hat. Da geht es um die Definition von Begriffen, über das, was häufig und selten ist. Wir müssen da Struktur reinbekommen", erklärt Rabe. Das Ziel sei die Suche nach Interventionsmaßnahmen. Denn noch kann niemand sagen, wo der lange Schatten von Covid-19 endet.

Weitere Informationen
Eine Frau liegt im Bett und greift sich an den Kopf. Sie sieht erschöpft aus. © Colourbox Foto: -
7 Min

Long-Covid: Corona-Langzeitfolgen werden unterschätzt

Nach einer Covid-19-Erkrankung dauert es oft Monate, bis sich Genesene wieder fit fühlen. Die Symptome sind vielfältig. 7 Min

Eine Frau sitzt erschöpft auf einem Sofa © Colourbox Foto: Aleksandr

Genesen, aber nicht gesund: Langzeitschäden durch Corona

In Wilhelmshaven gibt es eine Selbsthilfegruppe für Betroffene des "Long Covid"-Syndroms. Eine Teilnehmerin berichtet. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.06.2021 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Johann Wadephul (CDU).  Foto: Jonas Walzberg

SH: Johann Wadephul CDU-Spitzenkandidat für Bundestagswahl

Bei der Wahl auf der Landesvertreterversammlung erhielt der 58-Jährige 198 Stimmen. Er führt die Nord-CDU damit zum vierten Mal in den Wahlkampf. mehr

Videos