Ein Kind mit bunter OP-Schutzmaske bekommt eine Spritze in den Oberarm. ©  picture alliance/Laci Perenyi Foto: picture alliance / Laci Perenyi | Laci Perenyi

Corona-Impfung für unter 12-Jährige: Reaktionen sind unterschiedlich

Stand: 09.12.2021 18:06 Uhr

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Einschätzung zu der Schutzimpfung für Kinder unter zwölf Jahren abgegeben. Ab kommender Woche soll es Impfangebote in Schleswig-Holstein geben.

Die beim Robert Koch-Institut angesiedelte Kommission empfiehlt den Covid-19-Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige von Biontech/Pfizer zunächst nur für Kinder mit Vorerkrankungen. Die Impfempfehlung gelte für Kinder mit verschiedenen Vorerkrankungen sowie für solche, in deren Umfeld sich Personen mit dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs befänden, die selbst nicht oder nur unzureichend durch eine Impfung geschützt werden könnten, teilte die Stiko mit.

Noch keine finale Empfehlung

Bei individuellem Wunsch könnten auch Kinder ohne Vorerkrankung nach entsprechender ärztlicher Aufklärung geimpft werden. Das Gremium verwies darauf, dass es sich noch nicht um eine finale Empfehlung handele. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte bereits Ende November grünes Licht für den Einsatz des Biontech-Mittels bei Kindern gegeben.

Mobile Impfteams in SH unterwegs

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) hatte bereits kurz vor Bekanntwerden der Stiko-Einschätzung mitgeteilt, dass mobile Impfteams sich an zehn Standorten in SH um die Impfung von Fünf- bis Elfjährigen kümmern sollten. Entsprechende Angebote solle es zwischen dem 14. und dem 18. Dezember geben. Er betonte: "Das ist keine Impfempfehlung, die ich ausspreche, sondern das ist eine Entscheidung, die die Eltern dieser Kinder treffen müssen, auch um Absprache mit dem jeweiligen Impfarzt oder der jeweiligen Impfärztin." In der Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen gebe es rund 180.000 Kinder, informierte er.

Impfung jüngerer Kinder bereits Realität

Dr. Ralf van Heek, Kinder- und Jugendarzt.
Ist Vorsitzender des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte in Schleswig-Holstein: Ralf van Heek.

Der Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte in Schleswig-Holstein, Ralf van Heek, sagte, einige Kinderärzte in SH würden bereits jetzt jüngere Kinder gegen das Corona-Virus impfen. Die Durchführung sei aber eher schwierig. "Man musste eine so kleine Menge aus diesen Flaschen, die für Erwachsene dosiert sind, aufziehen, dass das technisch sehr schwierig und sehr ungenau wurde. Deswegen haben die Fachgesellschaften geraten, darauf zu warten, bis die speziell für Kinder portionierten oder verdünnten Lösungen kommen." Für Montag nächster Woche seien diese Lieferungen nun zugesagt.

Kinderärztin aus Eckernförde will impfen

Zwei Kinderärzte in Schleswig-Holstein bewerten die Stiko-Einschätzung und eine Impfung der Fünf- bis Elfjährigen mit Vorerkrankung ganz unterschiedlich. Regina Bahr, Kinderärztin in Eckernförde (Kreis Rendsburg Eckernförde), beispielsweise will mit den Impfungen loslegen, sobald sie den Impfstoff dafür hat. "Wenn wir davon ausgehen müssen, dass wirklich alle Kinder, die nicht geimpft sind, in den nächsten Monaten auch erkranken, dann werden auch ziemlich viele sehr schwer erkranken", sagt sie.

Kinderarzt aus Wedel will nicht impfen

Kritik daran, jetzt jüngere Kinder gegen Corona zu impfen, kommt unter anderem von Alexander Konietzky. Er ist Kinderarzt in Wedel (Kreis Pinneberg). Er meint, man müsse sich zunächst darauf konzentrieren, die Älteren durchzuimpfen. Kinder erkrankten normalerweise nicht schwer an einer Corona-Infektion und sie hätten nicht stark zur Verbreitung der Epidemie beigetragen. "Also sie sind nicht die Pandemietreiber." Der Stiko-Empfehlung will er nicht folgen.

Diskussionen im Netz

Angeregte Diskussionen unter Eltern gibt es auf den Social-Media-Kanälen von NDR Schleswig-Holstein. Einigen gibt es noch nicht genügend Daten zu den Kinder-Impfungen – andere haben ihren fünf- bis elfjährigen Nachwuchs schon vor der Empfehlung impfen lassen. So schreibt Axel auf Facebook, er sei zwar fürs Impfen von Erwachsenenen, aber unsere Kinder unter 12 Jahren werden nicht geimpft, bis es mehr Zahlen dazu gibt. Anders sieht das Recep. Er schreibt, dass sich seine zehnjährige Tochter schon freut, die Erlaubnis der Eltern habe sie schon. Weiter schreibt er: Sie seien optimistisch, dass sie es tapfer wegstecken werde. Sie wollen ihr Kind nicht schutzlos dem Covid 19-Virus aussetzen.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.12.2021 | 19:30 Uhr

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