Stand: 31.03.2020 06:00 Uhr

Coronavirus: Der harte Kampf um Masken und Handschuhe

Ein Schnäppchen war es nicht gerade. 5.000 Masken hat Einkaufsleiter Lars Thomsen für die Segeberger Kliniken bestellt. Sie kosten sieben Euro pro Stück. Der Preis ist zehnmal so hoch wie normal. Mangelware bleiben Masken trotzdem noch: "20 bis 30 Masken sind im Moment der Tagesverbrauch. Der wird sich allerdings, das muss man ganz deutlich sagen, unter Volllast auf bis zu 2.500 Masken pro Tag erhöhen."

Schwer zu bekommen sind Schutzmasken mit Filter

Auch in anderen Krankenhäusern ist die Lage angespannt. Manche Kliniken haben noch Material für eine Woche, andere für vier Wochen. Schwierig sei die Lage bei allen, sagt Patrick Reimund von der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein. In erster Linie geht es um Masken mit eingebautem Filter, die im Gegensatz zu den schlichten OP-Masken einen besseren Schutz vor Bakterien oder Viren bieten. Auch Schutzhandschuhe und Kittel sind schwer zu kriegen.

Nicht nur die hohen Preise, sondern auch unseriöse Anbieter machen es den Krankenhäusern schwer, an geeignete Schutzausrüstung zu kommen. Reimund berichtet von Verkäufern, die weniger liefern als angekündigt oder mindere Qualität anbieten. Andere versprechen Waren, die es gar nicht gibt - bezahlt werden sollen sie per Vorkasse.

Schutzkleidung: Land baut Reserve auf - zu spät?

Laut Gesundheitsministerium arbeiten alle Beteiligten mit Hochdruck daran, Schutzkleidung zu beschaffen. So hat das Land vom Bund in der vergangenen Woche eine erste Lieferung - zu subventionierten Preisen - bekommen. Die Ware soll in Notsituationen dahin gehen, wo der Bedarf am größten ist. Seit mehreren Wochen arbeitet das Land außerdem daran, eine strategische Reserve an Schutzausrüstung aufzubauen.

Zu spät, findet der Gesundheitsexperte Christian Kühn. Er berät deutschlandweit Kliniken und Unternehmen. "Aus meiner Sicht hat das Land ganz klar versäumt, seine eigenen Pandemiepläne zu verfolgen. Man hätte Ressourcen zurückhalten müssen, beziehungsweise die Bestände aufbauen müssen."

Einkaufsleiter Lars Thomsen von den Segeberger Kliniken sagt, noch reichten die Bestände an Schutzkleidung. Wenn allerdings die echte Versorgungslage komme, dann könne es knapp werden.

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