VIDEO: Maskenpflicht in Bus und Bahn gilt nur noch bis Jahresende (2 Min)

Corona in SH: Maskenpflicht im ÖPNV fällt Ende des Jahres

Stand: 13.12.2022 18:23 Uhr

Schleswig-Holstein schafft die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr zum Jahresende ab. Die Regierung setzt künftig auf Eigenverantwortung und empfiehlt das Tragen einer Maske in Bus und Bahn.

Die Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) läuft in Schleswig-Holstein aus. Wie erwartet verständigte sich die Landesregierung am Montag darauf, diese Regelung nicht über den 31. Dezember hinaus zu verlängern. Ab Neujahr muss in Bussen und Bahnen in Schleswig-Holstein also keine medizinische Maske mehr getragen werden. Das Land wolle den Weg Richtung Normalität Stück für Stück weitergehen, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).

Günther rät Risikogruppen zu Maske

"Ich glaube, dass das der richtige Weg ist, das zu machen", sagte Günther. Auch die Expertenrunde im Landtag habe am Morgen dazu geraten, die Maskenpflicht im ÖPNV auslaufen zu lassen - trotz der angespannten Lage in den Krankenhäusern, so Günther. Die Regierung setze nun auf mehr Eigenverantwortung, gegenseitige Rücksicht und gesunden Menschenverstand als wichtigstes Mittel gegen Corona. Günther empfahl, dass sich Risikogruppen in Innenräumen weiterhin durch eine Maske schützen sollten und dass Menschen, die Corona-Symptome zeigten, weiterhin eine Maske tragen sollten.

VIDEO: Günther: Ab Neujahr keine Maskenpflicht mehr im ÖPNV (4 Min)

Es sei nicht gelungen einen gemeinsamen Weg in Deutschland zu gehen, sagte er mit Blick auf andere Bundesländer, die die Maskenpflicht im ÖPNV beibehalten werden. Bereits abgeschafft ist die Maskenpflicht im ÖPNV auch in Bayern und Sachsen-Anhalt. "Ich glaube, in Schleswig-Holstein sind wir in den vergangenen Jahren damit gut durch die Zeit gekommen, dass wir dann Verschärfungen durchgeführt haben, wenn die Situation verschärft war, aber auch soviel Freiheit wie möglich zugelassen haben", so Günther.

In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern weiterhin Maskenpflicht

Das bedeutet auch, dass ab dem 1. Januar 2023 in Schleswig-Holstein auf der einen und Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern auf der anderen Seite unterschiedliche Bestimmungen gelten. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern halten an der Maskenpflicht erst einmal weiterhin fest. Ministerpräsident Günther bedauerte, dass es keine einheitliche Lösung gebe. Günther bestätigte auf Nachfrage zu einer Fahrt mit dem Flughafenbus von Kiel nach Hamburg, dass die Maske aufgesetzt werden müsse. An der deutsch-dänischen Grenze würden die unterschiedlichen Regelungen auch problemlos funktionieren. Sprich: Wer aktuell mit dem Zug von Dänemark nach Schleswig-Holstein einreist, muss an der Grenze zu SH auch seine Maske aufsetzen.

Die Entwicklung der Corona-Zahlen in Schleswig-Holstein

Heinold: "Sich selbst schützen und Rücksicht nehmen"

Schleswig-Holsteins stellvertretende Ministerpräsidentin Monika Heinold (Grüne) ist davon überzeugt, dass die Menschen klug genug seien, um zu wissen, wo sie am Neujahrstag noch Maske tragen müssen und wo nicht. Der Entscheidung am Nachmittag seien intensive Beratungen mit dem Expertenrat vorrausgegangen. Trotz des Masken-Aus betonte sie: "Das Gebot der Stunde heißt: sich selbst schützen und Rücksicht auf andere nehmen." Jeder müsse situationsabhängig entscheiden, ob er eine Maske brauche oder nicht.

Gesundheitsministerin: Corona hat geringen Anteil an Krankheitswelle

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Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz. © NDR
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Von der Decken: Corona keine Gefahr für Gesundheitssystem

Daher habe das Land keine Möglichkeit mehr, Freiheitsbeschränkungen und Pflicht aufzuerlegen, sagte die Gesundheitsministerin. 3 Min

Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) sagte mit Blick auf die derzeitige Welle an Atemwegserkrankungen, dass nur noch ein geringer Prozentsatz der Erkrankungen durch das Coronavirus verursacht werde. "Das mutierte Virus trifft darüber hinaus auf eine durch Impfung und Infektionen mittlerweile weitgehend immunisierte Bevölkerung." Die meisten Corona-Krankheitsverläufe seinen derzeit mild. "Die Möglichkeit, wegen Corona, Freiheitsbeschränkungen und Pflichten aufzuerlegen gilt nur, solange Corona das Gesundheitssystem gefährdet und das ist heute nicht mehr der Fall."

Bereits am 17. November war in Schleswig-Holstein die generelle Isolationspflicht für positiv auf Corona getestete Personen entfallen.

Birte Pauls plädiert für Ende der Maskenpflicht erst im Frühjahr

Der ehemalige Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) nannte den Wegfall der Maskenpflicht einen richtigen und logischen nächsten Schritt. "Konsequent wäre allerdings gewesen, wenn die Landesregierung die Maskenpflicht im ÖPNV sofort und nicht erst zum 31.12.2022 hätte auslaufen lassen", sagte er. Kritik kam von der SPD-Gesundheitspolitikerin Birte Pauls. Das Auslaufen der Maskenpflicht im Frühjahr wäre früh genug gewesen. Sie sei eine relativ gering einschneidende Maßnahme und viele Menschen seien auf Busse und Bahnen angewiesen. Diese könnten sich "nicht frei dagegen entscheiden, wie beim Theater- oder Stadionbesuch ohne Maskenpflicht."

Fickenscher: Weitgehender Immunschutz vorhanden

Der Kieler Virologe Helmut Fickenscher findet es dagegen gut, dass die Maskenpflicht im ÖPNV wegfällt. Die Regel sei rechtlich kaum mehr zu rechtfertigen, denn vom Coronavirus gehe längst nicht mehr so eine große Gefahr aus wie noch zu Beginn der Pandemie. "In der Frühphase der Pandemie hatten wir bis zu fünf Prozent Letalität. Das heißt, bis zu fünf Prozent der Infizierten sind daran verstorben. Und heutzutage ist ein großer Teil der Bevölkerung geimpft. Man findet kaum mehr Personen, die nicht entweder geimpft oder schon infiziert waren. Von daher ist ein weitgehender Immunschutz vorhanden." Deshalb sei es wichtig, die gesetzlichen Einschränkungen schrittweise aufzuheben. Der Virologe geht nicht davon aus, dass sich deutlich mehr Menschen infizieren, weil die Maskenpflicht im ÖPNV wegfällt.

Für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ist das Ende der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln überfällig, teilte Dr. Ralf van Heek NDR Schleswig-Holstein mit. Laut des Landesvorsitzenden haben in der aktuellen Infektwelle hauptsächlich Vorschulkinder schwere Verläufe. Für diese gelte sowieso keine Maskenpflicht und Ansteckungen bei Erwachsenen ließen sich nicht durch Masken im ÖPNV verhindern. Es bleibe jedem selbst überlassen, sich zu schützen.

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(von links) Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU), Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) auf einer Pressekonferenz. © NDR
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.12.2022 | 17:00 Uhr

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