Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein.  Foto: Marcus Brandt

Landesregierung will Corona-Regeln verschärfen

Stand: 07.01.2022 07:01 Uhr

Am Freitag steht erneut eine Bund-Länder-Konferenz an. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat wegen der aktuellen Entwicklung der Corona-Lage bereits verschärfte Regeln für das Land angekündigt.

"Wir sehen im Moment einen Anstieg der Infektionen - auch nach Diskothekenbesuchen sind Fälle aufgetreten", sagte Günther und will die Corona-Regeln verschärfen. So plant die Landesregierung ab der kommenden Woche eine Beschränkung der Teilnehmerzahl etwa im Theater, im Kino oder bei Konzerten auf 500 Personen. Das gilt für Sitzveranstaltungen. Die Maskenpflicht im Land wird demnach ausgeweitet. Sie gilt künftig auch für Beschäftigte im Einzelhandel unabhängig von physischen Barrieren wie Trennwänden an den Kassen. Beim organisierten Sport und im Fitnessstudio gilt für alle ab 18 Jahren künftig 2G-Plus, also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene mit aktuellem Test - Ausnahme sind Menschen mit Auffrischungsimpfung (Booster).

Günther muss in Quarantäne

Wenn der Landtag in seiner Sondersitzung am Montag wie geplant eine epidemische Lage für den Norden feststellt, sollen alle Diskotheken und ähnliche Einrichtungen geschlossen werden. Außerdem will die Regierung eine Sperrstunde von 23 bis 5 Uhr einführen. Der Ministerpräsident appellierte an die Bevölkerung Schleswig-Holsteins, sich an die Abstands-, Masken- und Hygieneregeln zu halten. Diese seien der beste Schutz vor Infektionen, sagte Günther, der in Quarantäne ist. Nach Angaben der Staatskanzlei wurde ein Mitarbeiter im Arbeitsumfeld des Ministerpräsidenten positiv getestet. Der Ministerpräsident habe sich als Kontaktperson einer Index-Person in Quarantäne begeben. Ein Antigen-Schnelltest habe ein negatives Ergebnis erbracht, teilte die Staatskanzlei mit.

Land verkürzt Corona-Quarantänezeiten

Bereits umgesetzt hat Schleswig-Holstein Vorschläge der Gesundheitsminister zur Verkürzung von Corona-Quarantänezeiten. Ab sofort gelten für enge Kontaktpersonen von Infizierten einheitlich zehn Tage - unabhängig von der Virusvariante. Geimpfte Beschäftigte mit Grundimmunisierung aus Bereichen der kritischen Infrastruktur können nach einem negativen PCR-Test schon nach fünf Tagen wieder arbeiten gehen.

Disco-Öffnungen über Weihnachten: Günther räumt Fehler ein

Im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein räumte Günther Fehler im Corona-Krisenmanagement ein. Dabei geht es um die vielen Infektionsfälle nach Diskobesuchen über Weihnachten. Er sagte, Omikron sei offenkundig schneller im Land angekommen als erwartet. Es habe ein Delta von zehn Tagen gegeben, wo es besser gewesen wäre, schneller zu handeln. Das nicht zu tun, sei sicherlich ein Fehler gewesen, so der Ministerpräsident. Er nehme das auch persönlich auf seine Kappe.

Bund-Länder-Treffen am Freitag

Auf der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am Freitag soll es unter anderem um eine neue Quarantäne-Verordnung gehen. Die hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Mittwoch mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen aus den Ländern vorgestellt. Künftig sollen geimpfte und genesene Kontaktpersonen demnach weitgehend von der Quarantäne befreit werden und deren Dauer verkürzt werden.

Beschlussvorlage: Geltende Kontaktbeschränkungen bleiben

Außerdem sollen die geltenden Kontaktbeschränkungen laut Beschlussvorschlag bestehen bleiben. Das bedeutet, Geimpfte und Genesene dürfen sich maximal zu zehnt treffen. Bei Ungeimpften darf sich der eigene Haushalt mit maximal zwei Personen aus einem weiteren Haushalt treffen. Für den Zugang zu Einrichtungen der Kultur- und Freizeitgestaltung - zum Beispiel Kinos, Theater oder Sportstätten soll es bei der 2G-Regel bleiben - das heißt Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. Gleiches gilt im Einzelhandel, außer für Geschäfte des täglichen Bedarfs. Beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr wird das Tragen von FFP-2-Masken empfohlen.

Gleichzeitig planen Bund und Länder, dass künftig auch für Besuche in der Gastronomie für Geimpfte und Genesene ein aktueller Coronatest vorgelegt werden muss. Es sei denn, man ist geboostert. Die Quarantänezeiten sollen bundesweit auf zehn Tage verkürzt werden. Freitestungen sollen für Beschäftigte in den Bereichen der kritischen Infrastruktur möglich sein. Eine entsprechende Regelung gilt bereits in Schleswig-Holstein. Geboosterte und frisch Geimpfte oder Genesene sollen von der Quarantäne ausgenommen sein, so der Beschlussvorschlag, der NDR Schleswig-Holstein vorliegt.

Täglich steigende Coronazahlen in SH

Im nördlichsten Bundesland steigen die Corona-Zahlen von Tag zu Tag. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 405,4 (Vortag: 352,8) - bisheriger Höchststand in der Pandemie. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte bereits am Donnerstagvormittag erklärt, wie es mit den Schulen im Land weiter geht. Für zwei Wochen gelten ab Montag verschärfte Maßnahmen. Dazu gehöre eine ausgeweitete Testpflicht. Statt wie bisher zwei seien jetzt drei Tests pro Woche vorgesehen, so Prien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.01.2022 | 20:00 Uhr

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