Ein Schild weist auf die 2G-Regel hin. © picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer Foto: Michael Bihlmayer

Corona in SH: Jamaika-Koalition verschärft die Regeln

Stand: 17.11.2021 12:24 Uhr

Ministerpräsident Günther hat am Mittwoch erklärt, wie die Landesregierung angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen mit der Lage umgehen will. Die Jamaika-Koalition verschärft die Regeln drastisch.

In seiner Rede verwies Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) erneut darauf, dass sich die Lage in Schleswig-Holstein deutlich von der in anderen Bundesländern unterscheidet. Das läge an einer hohen Impfquote im Land. "Wir haben die niedrigste Infektionsrate in ganz Deutschland", sagte Günther. Er wolle vermeiden, dass das Land in eine ähnliche Situation komme wie andere Bundesländer. Er nannte dabei Sachsen, das eine 7-Tage-Inzidenz von mehr als 700 hat. "Wir haben immer sehr, sehr frühzeitig gehandelt, vielleicht auch frühzeitiger als andere, und das ist der Grund, warum wir heute in dieser Lage sind. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass die Lage in Schleswig-Holstein so bleibt."

Günther kündigte an, dass das Land zur Eindämmung der Corona-Pandemie künftig verstärkt auf die 2G-Regel im Innenbereich setzt. Das bedeutet, dass nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt haben. Für Ungeimpfte gilt dann ab Montag, dass sie keinen Zutritt mehr zu Gaststätten, zum Sport in Innenräumen und zu Dienstleistungen mit Körperkontakt erhalten. Ausnahmen gelten für Friseure und medizinische und pflegerische Dienstleistungen, sagte der Ministerpräsident. Auch für Minderjährige gibt es Ausnahmen. Alle unter 18 Jahren kommen nach wie vor mit ihren Schultestungen und Nachweisen überall rein.

Neue Corona-Verordnung soll vier Wochen gelten

Während bei Freizeitveranstaltungen künftig 2G gelten soll, greift bei beruflichen Veranstaltungen die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet), kündigten Günther sowie Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) und Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) gemeinsam an. Die entsprechende neue Corona-Verordnung muss die Landesregierung aber erst noch fertigstellen. Sie soll dann für vier Wochen gelten.

VIDEO: Günther zum künftigen Kurs in Corona-Pandemie (8 Min)

Kontaktregeln werden wieder verschärft

Bei Veranstaltungen draußen - zum Beispiel bei Weihnachtsmärkten - müssen Veranstalter ein Hygienekonzept vorlegen und das Risiko bewerten. Die Landesregierung empfiehlt den Kommunen überall dort, wo es aufgrund von räumlicher Enge zu Gedränge kommen kann, eine 2G-Regelung umzusetzen. Bislang hat das Land bei Veranstaltungen drinnen auf 3G (geimpft, genesen, getestet) gesetzt.

Weiterhin will die Jamaika-Koalition die Kontakte einschränken. Private Zusammenkünfte innerhalb geschlossener Räume sind von Montag an nur noch mit bis zu zehn ungeimpften Personen zulässig, kündigte sie an.

"81 Prozent der Schleswig-Holsteiner ab 18 Jahren sind mittlerweile vollständig geimpft", sagte Garg. Ungeimpfte sollen nach dem Willen der Regierung künftig keinen Zugang mehr zu Diskotheken erhalten. Bei Beherbergungen wird künftig unterschieden zwischen beruflich oder privat. Bei privaten Übernachtungen gilt künftig 2G. Im Einzelhandel bleibt es bei den bestehenden Regelungen. Auch die Maskenpflicht an Schulen wird ab Montag wieder eingeführt.

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NDR Reporterin Julia Stein blickt in die Kamera © NDR
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Julia Stein zu den verschärften Corona-Regeln in SH

NDR Landespolitikchefin Julia Stein ordnet die beschlossenen Corona-Regeln der Jamaika-Koalition ein und erklärt, was das für Schleswig-Holstein bedeutet. 1 Min

In Lübeck gilt in vielen Bereichen schon 2G-Regel

In der Hansestadt Lübeck gilt bereits seit vergangenem Montag in vielen Bereichen die 2G-Regel. Die Stadt hat damit auf die hohen Inzidenzzahlen reagiert und beruft sich dabei auf das Hausrecht. In viele Bereiche der Stadtverwaltung, in Bibliotheken, Museen, in die Volkshochschule, in Schwimmbäder, ins Theater und in die Musik- und Kongresshalle kommen dann nur noch Genesene und Geimpfte. Das hatte die Stadt am Freitagabend bekannt gegeben.

In den Bund-Länder-Beratungen will sich die Jamaika-Koalition für eine 3G-Regel am Arbeitsplatz und eine Impfpflicht für Beschäftigte in Heil- und Pflegeberufen einsetzen. "Wir brauchen bundeseinheitliche Regeln, also 3G-Regelung. Bitte, bitte einigt euch in Berlin. Das muss bundeseinheitlich geregelt werden, auch 3G im ÖNPV ist wichtig, auch wenn die Kontrolle schwierig ist", sagte Heinold.

VIDEO: Heinold: "Halten Sie sich an die Regeln, lassen Sie sich impfen" (5 Min)

Pandemische Notlage läuft am 25. November aus

Mit Blick auf das geplante Auslaufen der pandemischen Notlage am 25. November sagte die Fraktionschefin der Grünen im Landtag, Eka von Kalben, vor der Pressekonferenz der Landesregierung: "Mir hat bisher noch nie jemand erläutert, warum es so wichtig ist, die epidemische Lage auslaufen zu lassen. Ich glaube, das ist an die Bevölkerung ein ganz schlechtes Signal", sagte sie. Es werde dazu kommen, dass Maßnahmen nachgeschärft würden. Von Kalben ergänzte: "Wir werden mit Sicherheit in bestimmten Bereichen eine 2G-Lösung einführen - das heißt: Nur noch Geimpfte und Genesene könnten an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen."

VIDEO: Garg: "80,8 Prozent ab 18 Jahren haben vollen Impfschutz" (11 Min)

Morgen Bund-Länder-Treffen

Morgen will die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) über eine einheitliche Linie beraten. NRW-Regierungschef Wüst als amtierender MPK-Vorsitzender sagte, die Abstimmung über Zugangsbeschränkungen für Nichtgeimpfte werde gebraucht, "weil wir in der Ausgestaltung möglichst einig sein sollten". Viele unterschiedliche Details in den Ländern führten nur wieder zu Verunsicherung. Der Deutsche Städtetag forderte eine bundesweite 2G-Regelung in Freizeit und Kultur.

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Zwei Mikrofone mit NDR und ARD-Logo liegen auf einem Tisch © dpa/picture-alliance
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Im Anschluss an die Statements der Landesregierung stellten die anwesenden Journalisten noch Fragen an Günther, Heinold und Garg. 32 Min

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Corona: Schleswig-Holstein zieht nach - 2G-Pflicht beim Indoor-Sport

Die Handball-Bundesligisten THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt müssen bei ihren Heimspielen von 3G auf 2G umstellen. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.11.2021 | 07:00 Uhr

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