Vor dem Corona-Test-Mobil hat sich eine Schlange an Menschen gebildet.  Foto: Kai Peuckert

Corona-Test als Eintrittskarte: Eckernförde empfängt Touristen

Stand: 19.04.2021 18:14 Uhr

Eckernförde ist - gemeinsam mit der Schlei-Region - Teil eines Modellprojekts in der Corona-Pandemie. Zum Start am Montag trafen nach Urlaub lechzende Gäste auf Einwohner mit gemischten Gefühlen.

von Kai Peuckert

Kurz nach 10 Uhr in Eckernförde. Am Testmobil an der Strandpromenade hat sich bereits kurz nach der Öffnung eine Schlange gebildet. Knapp 50 Menschen wollen einen Abstrich machen lassen. Die meisten von ihnen sind Touristen. Ein negativer Corona-Test ist für sie wie eine Eintrittskarte in den Urlaub. Das Ergebnis eines PCR- oder Antigen-Schnelltests darf nicht älter als 48 Stunden sein, dann dürfen sie in ihre Hotels, Ferienwohnungen oder auf den Campingplatz. Sieben Test-Möglichkeiten gibt es im Stadtgebiet.

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Der Büsumer Leuchtturm hinterm Deich mit einem Strandkorb. © fotolis.com Foto: Katja Xenikis

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Technische Probleme am Testmobil

Der Andrang am Mobil ist so groß, dass kurzzeitig das Netzwerk des Wlan-Druckers zusammenbricht und ein Mitarbeiter darum bitten muss, dass sich nicht alle Wartenden gleichzeitig zur Anmeldung einwählen. Ein Ehepaar aus dem Münsterland gehört zu den Ersten, denen ein Stäbchen in Rachen und Nase eingeführt wird. "Ich habe letzte Woche im Fernsehen gesehen, dass Eckernförde öffnet, da haben wir gesagt, wir wollen hier gerne auf den Stellplatz", sagt die Frau.

Auswärtige Kennzeichen auf Strand-Parkplatz

Ihr Wohnmobil ist nagelneu und sie scharren mit den Füßen, endlich Touren machen zu können. Damit sind sie offensichtlich nicht allein: Der Stellplatz mit 50 Plätzen sei ausgebucht, sagt der Münsterländer. Eigentlich hatten sie die Info, sie könnten auf den Stellplatz ohne Test und diesen nachreichen - nun mussten sie zunächst an die Strandpromenade. Nach knapp 30 Minuten erhalten sie ihr Ergebnis: negativ. Sie wollen eine Woche bleiben, müssen daher alle zwei Tage einen neuen negativen Test vorweisen. Der angrenzende Parkplatz ist nicht einmal zu einem Drittel gefüllt, die Kennzeichen aber überwiegend auswärtig: Hamburg, Cuxhaven, Hochsauerland-Kreis, Paderborn und Heidelberg.

Touristen ja - Überfüllung nein

Zwei Frauen und ein Mann stehen vor dem Eckernförder Strand.  Foto: Kai Peuckert
Martin und Martina Vahland (M.) sind mit Helga Timper aus Nordrhein-Westfalen nach Eckernförde gereist.

Dass Auswärtige in Eckernförde sind, ist auch auf der Strandpromenade zu hören. Dialekte, die man in Schleswig-Holstein in den vergangenen Monaten eher weniger oder gar nicht gehört hat. Platzprobleme gibt es hier am Vormittag aber nicht. Von einem Touristen-Ansturm kann man nicht sprechen. Martin Vahland, seine Frau Martina und seine Schwiegermutter sind zum ersten Mal im Ostseebad. "Der erste Eindruck: gefällt mir", sagt Vahland. Die Drei sind um 1 Uhr in der Nacht angekommen. Eigentlich hatten sie in Timmendorfer Strand gebucht, aber Ostholstein hat seinen Modellprojekt-Start verschoben. Sie kommen aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen, große Urlaubspläne haben sie nicht. "Wir wollen die Zeit genießen, das Meer hören. Bei uns ist alles zu und Ausgangssperre haben wir auch noch", sagt Vahland. Die Inzidenz in der Heimat liegt - Stand Montag - bei etwa 175.

"Ich vermute, dass die Zahlen hochgehen"

Die Inzidenz im Kreis Rendsburg-Eckernförde liegt nach den jüngsten Zahlen bei etwa 50. Daher machen sich viele Eckernförder Sorgen. "Ich vermute, dass die Zahlen hochgehen", sagt eine Einwohnerin. Sie befürchtet einen Touristenansturm, dem die 21.000-Einwohner-Stadt nicht gewachsen sei, und verweist auf ihre Erfahrungen aus dem Sommer 2020. Da seien die Besucher ohne Abstand, zum Teil in größeren Gruppen auf der Promenade unterwegs gewesen: "Wir sind als Eckernförder nicht mehr an den Strand gegangen. Die Urlauber waren alle am Strand." Auch heute sei sie nervös zum Einkaufen gegangen.

Strände bieten ausreichend Platz

Tanja Merkl ist da deutlich entspannter, sie sucht am Strand mit ihrer Tochter Bernstein. Sie vertraut der Politik, die das Modellprojekt ausgearbeitet hat, und setzt auf die Rücksicht der Menschen. Außerdem sei an den Stränden sehr viel Platz. Sollte es ihr doch zu voll werden, "gehen wir einfach woanders hin".

Tagestouristen-Ansturm am Wochenende?

Beek Hadler steht der Modellregion zwiegespalten gegenüber. Er verkauft Kaffee an einem mobilen Verkaufsstand in der Fußgängerzone. Zum Einen freut er sich, dass die Touristen wiederkommen, das kurbelt seinen Verkauf an, "andererseits haben wir ein bisschen Angst, dass die Inzidenzen steigen und wieder alles geschlossen werden müsste".

In der Fußgängerzone der Innenstadt laufen viele Menschen entlang.  Foto: Kai Peuckert
In der Eckernförder Innenstadt hörte man am Montagvormittag viele auswärtige Dialekte, überlaufen war es aber nicht.

In den ersten Stunden des Modellprojekts war die Eckernförder Innenstadt nicht überlaufen, die Abstände konnten gut eingehalten werden. Einige Einheimische bezweifelten gegenüber NDR Schleswig-Holstein, dass das gerade an den Wochenenden so bleibt, wenn auch Tagestouristen ins Ostseebad strömen könnten.

Eiscafé hält Innenbereich vorerst geschlossen

Schräg gegenüber betreibt Marco Boldrin eine Eisdiele. Obwohl es noch Vormittag ist, genießen bereits einige Kunden die Sonne bei einem Eis auf den Außenplätzen. "Das ist wieder ein Stück Normalität", sagt der gebürtige Italiener. Eigentlich dürfte er auch Gäste im Innenbereich bewirten, den hält er aber noch geschlossen. Das Hauptgeschäft finde eh draußen statt und das Wetter sei so gut, das reiche aktuell, sagt Boldrin. Aufgrund der Auflagen könne er im Innenbereich auch nur sechs oder sieben Tische anbieten. Wenn das Wetter schlechter wird, will er den Innenbereich aber öffnen.

Bäcker und Cafés bewirten nur außen

Dann steigt auch der bürokratische Aufwand. Denn auch Gäste in der Innengastronomie müssen einen negativen Test vorweisen, die Kontaktdaten müssen - per App oder händischer Liste - erfasst werden. Beides muss vier Wochen dokumentiert werden. Gerade in kleineren Cafés bleibt der Innenbereich daher zu. Betreiber sagten NDR Schleswig-Holstein, dass die Auflagen so groß seien. Auch bei den Bäckereien sind häufig nur die Außenbereiche geöffnet.

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Einige Innenbereiche haben geöffnet

Das China-Restaurant direkt an der Strandpromenade hat hingegen auch Innen schon wieder geöffnet, kann die Hälfte seiner Plätze anbieten. Am frühen Nachmittag saßen aber auch hier die Gäste nur draußen. Mitarbeiterin Yongyu Chau erwartet, dass sich das in den Abendstunden, wenn es kühler wird, ändert: "Eine Kollegin überprüft dann, ob die Gäste einen Test haben, sonst müssen sie draußen bleiben." So könnten die Gäste länger im Restaurant bleiben.

Projekt wird wissenschaftlich begleitet

Der Tourismus in Eckernförde öffnet nicht unkontrolliert. Die Stadt begleitet das Modellprojekt wissenschaftlich. Die Gastronomen hoffen aufzeigen zu können, dass sie keine Pandemietreiber sind. Dass ihre Hygienekonzepte sicher sind und man die Ergebnisse und Lockerungen auf andere Regionen übertragen kann.

Mit negativem Test ins Ostsee Info-Center

Am Eckernförder Strand sind nur wenige Menschen anzutreffen.  Foto: Kai Peuckert
Einheimische und Touristen verteilten sich am Montag auch am Strand gut. In den Strandkörben lässt sich gut Abstand halten.

Für das Ostsee Info-Center bedeutet das touristische Modellprojekt in der Schlei-Region mit Eckernförde sogar einen Rückschritt. Nach Ostern hat die Ausstellung nach Monaten wieder geöffnet - mit stark reduzierten Einlasszahlen, Mund-Nasen-Schutz-Pflicht und Kontaktnachverfolgung. Seit Montag gilt auch hier: Eintritt nur mit negativem Test. "Wir hoffen, dass wir, wenn es gut läuft, einen Beitrag dazu leisten können, dass auch in anderen Regionen weitere Öffnungsschritte möglich sind", sagte Till Holsten vom Ostsee Info-Center.

Projekt läuft maximal sechs Wochen

Vier Wochen läuft das Modellprojekt, mit der Option, es um zwei Wochen zu verlängern. Auch wenn sich die Sichtweisen von Eckernfördern und ihren Gästen zum Teil unterscheiden, hoffen alle, dass die nächsten Wochen zeigen, dass eine kontrollierte Öffnung im touristischen Bereich möglich ist, ohne dass die Inzidenz in der Region sprunghaft steigt. Denn sonst müsste das Projekt abgebrochen werden.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.04.2021 | 19:30 Uhr

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