Eine Krankenschwesten schiebt ein leeres Bett auf einem Krankenhausflur. © Colourbox Foto: Syda Productions

Corona-Quarantäne: Wie Kliniken in SH gegen akute Personalnot vorgehen

Stand: 05.01.2022 11:18 Uhr

Vielen Kliniken im Land fehlen Mitarbeiter, weil diese aufgrund der Omikron-Variante des Coronavirus in Quarantäne sind. Im besonders stark betroffenen Dithmarschen ist nun eine verkürzte Quarantäne für Krankenhausmitarbeiter möglich.

Steigende Infektionszahlen, immer mehr Fälle der Omikron-Variante, verschärfte Quarantäne-Regeln: Diese Entwicklung betrifft alle Schleswig-Holsteiner und macht auch vor Klinikpersonal nicht Halt. An vielen Krankenhäusern steht ein erheblicher Teil der Beschäftigten unter Quarantäne. Im Kreis Dithmarschen ist die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit am höchsten. Dem Westküstenklinikum (WKK) in Heide fehlen nach neuen Angaben von Mittwoch (5.1.) inzwischen 160 der insgesamt etwa 3.000 Mitarbeiter, weil sie wegen der Omikron-Variante für 14 Tage in Quarantäne müssen. Hinzu kommen knapp 40 Beschäftigte, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Ansteckungen fanden laut WKK außerhalb der Klinik statt. Die Ärzte dort beschränken sich wegen des Personalengpasses zurzeit auf dringend notwendige Operationen und Notfälle.

Deutliche Entspannung nicht in Sicht

Planbare Operationen und nicht akut notwendige Behandlungen werden weiterhin, wie schon über den Jahreswechsel, verschoben. "Eine deutliche Entspannung der Situation ist noch nicht abzusehen", sagte der Medizinische Geschäftsführer der Westküstenkliniken, Dr. Martin Blümke. Zusammen mit dem Gesundheitsamt des Kreises Dithmarschen hat das Westküstenklinikum nach Lösungsmöglichkeiten gesucht - und auch eine Regel gefunden, die nun für alle Krankenhäuser im Kreis gilt: Klinik-Mitarbeitende, die als Kontaktpersonen zurzeit in Quarantäne sind, können ab Tag fünf der Quarantäne wieder eingesetzt werden. Voraussetzung ist, dass sie keine Krankheitssymptome und einen negativen PCR-Test haben. Außerdem müssen sie unter Vollschutz arbeiten können - also mit FFP2-Maske, Kittel und Haube.

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Eine Außenfassade mit der Aufschrift WKK Westküstenkliniken. © Westküstennews Foto: Karsten Schröder

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Infektionsschutzgesetz lässt Regelung zu

"Diese Mitarbeitenden müssen nach ihrer Schicht jedoch wieder direkt nach Hause und in die Quarantäne", sagte Renate Dümchen, die den Gesundheitsbereich im Kreis leitet. Das Gesundheitsamt muss die Wiederaufnahme der Arbeit genehmigen. Laut Kreis lässt das Infektionsschutzgesetz eine solche Regelung zu, wenn es einen erheblichen Engpass bei medizinischem Personal gibt. Krankenhäuser dürften beim Gesundheitsamt "Quarantäne ersetzende Maßnahmen" beantragen.

Virologe Fickenscher: "Absolut sinnvolle" Regelung

Der Virologe Prof. Helmut Fickenscher von der Universität Kiel hält das Vorgehen für "absolut sinnvoll", zumal es derzeit noch keine bundeseinheitliche Lösung gebe. Seiner Meinung nach kann die Regelung auch im gesamten Pflegebereich übernommen werden. Wichtig sei, alles am Laufen zu halten, denn Personal sei Mangelware.

Quarantäne-Regel auch für andere Branchen möglich?

Nach Angaben des Gesundheitsamtes Dithmarschen könnte es Regelungen für eine verkürzte Quarantäne auch für anderen Branchen geben, die zur sogenannten kritischen Infrastruktur gehören - zum Beispiel Gas- und Stromversorger, Tankstellen und Supermärkte. Mit einer einheitlichen Lösung für diese Bereiche rechnet der Kreis noch in dieser Woche - durch das Land oder den Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Freitag.

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"Tunnellösungen" für Krankenhäuser im Kreis Rendsburg-Eckernförde

Auch in der Imland-Klinik in Rendsburg, wo aktuell 50 Beschäftigte in Quarantäne sind, wurde der Betrieb inzwischen eingeschränkt. Bereits am Wochenende hatte dort die Geburtsstation auf Notbetrieb umgestellt. Der Leiter des Lagezentrums Corona, Thomas Buchhold sagte, man komme im Kreis wirklich an die Grenzen der Belastbarkeit. Deshalb holen auch hier die Krankenhäuser schon jetzt in Einzelfällen Mitarbeiter früher aus der Quarantäne zurück, in Absprache mit dem Gesundheitsamt und unter den gleichen Voraussetzungen wie in Dithmarschen. Buchhold nennt das "Tunnellösungen". Weiterhin werden aber in der Imland-Klinik planbare, nicht dringliche Behandlungen und Eingriffe verschoben. "Wir versuchen das normale Behandlungsprogramm so weit als möglich aufrecht zu erhalten, müssen uns aber auf die pandemische Situation einstellen und Maßnahmen ergreifen, die den Betrieb auch unter starken Einschränkungen möglich machen", erklärte Imland-Geschäftsführer Markus Funk.

In anderen Kliniken im Land gilt die neue Quarantäne-Regelung für Mitarbeiter bisher nicht, obwohl auch dort aktuell viele Beschäftigte erkrankt oder in Quarantäne sind. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel und Lübeck sind knapp 60 Mitarbeiter betroffen, am Klinikum Nordfriesland in Husum 23.

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.01.2022 | 12:00 Uhr

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