Stand: 05.08.2020 11:09 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Prien lehnt Maskenpflicht in Schulen in SH ab

Bildungsministerin Karin Prien auf einer Pressekonferenz © NDR Foto: Janis Röhlig
Zum Ende der Sommerferien hat Bildungsministerin Prien weitere Details für das neue Schuljahr unter Corona-Bedingungen bekannt gegeben.

Bildungsministerin Karin Prien hat am Mittwochvormittag die Rahmenbedingungen für den Schulstart in Schleswig-Holstein unter Corona-Bedingungen vorgestellt. Der Unterricht für alle Schularten und alle Jahrgänge unter den regulären Bedingungen findet ab Montag nach Stundentafel wieder statt. Auf der Pressekonferenz sprach sich die CDU-Politikerin dagegen aus, eine allgemeine Maskenpflicht an Schulen einzuführen. Sie stützt sich dabei auf ein aktuelles Gutachten verschiedener Mediziner - unter anderem der Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin.

Das Bildungsministerium empfiehlt jedoch, in den ersten beiden Schulwochen in der Schule eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. "Gerade in den ersten beiden Wochen nach den Ferien, wenn Einträge von Urlaubsrückkehrern nicht auszuschließen sind, ist das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung sinnvoll", erklärte Prien, die betonte: Eine landesweite Maskenpflicht für Schulen sei nicht verfassungsrechtlich verhältnismäßig oder medizinisch geboten.

VIDEO: Prien zu Maskenpflicht in der Schule: Medizinisch nicht notwendig (1 Min)

Präsenzunterricht: So viel und so lange wie möglich

Prien betonte, im neuen Schuljahr wolle man so viel und so lange Präsenzunterricht wie möglich für so viele Schüler wie möglich. Feste Lerngruppen seien dafür wichtiger Bestandteil. Eine komplette Schulschließung wie im Frühjahr könne und dürfe nicht wieder vorkommen. Die schrittweise Wiedereröffnung der Schulen vor den Ferien habe keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen gehabt. "Wir sind gut für den Regelbetrieb vorbereitet", sagte Prien. In den Schulen im Land sei alles bereit. Sie betonte aber, dass die Schulen in Zeiten der Corona-Pandemie vor großen Herausforderungen stehen.

Ministerium entwickelt Kriterien

Für den Fall, dass es doch im Laufe des Schuljahres notwendig werden sollte, Präsenzzeiten zu reduzieren, wurden Kriterien entwickelt. "Wir werden bevorzugt die neuen Jahrgänge an den Schulen, die Prüfungsjahrgänge, Schüler in der Qualifikationsphase in der Oberstufe und die Übergangsjahrgänge beschulen." Hinzu kämen Priorität für Schüler und Schülerinnen mit besonderen Bedarfen - wie zum Beispiel Deutsch als Zweitsprache.

Videos
Bildungsministerin Karin Prien spricht auf einer Pressekonferenz.
29 Min

Komplette Pressekonferenz mit der Bildungsministerin

Bildungsministerin Prien hat über die Details zum Start des neuen Schuljahres in Schleswig-Holstein unter Corona-Bedingungen gesprochen. Die komplette Pressekonferenz zum Nachschauen. 29 Min

Corona-Reaktionsplan in Abstimmung

Das Bildungsministerium erarbeitet derzeit in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium einen Corona-Reaktionsplan - ähnlich wie Bayern und Sachsen. Dieser soll den Schulen ganz konkret eine Handlungsorientierung geben, wie bei welchem Ausbruchsgeschehen reagiert werden kann. "Dabei betrachten wir sowohl den jeweiligen Kreis oder die kreisfreie Stadt als auch das Infektionsgeschehen vor Ort", sagte Prien. Komplette Schulschließungen wie im Frühjahr soll es nicht mehr geben.

Innovationsschub für digitale Bildung

Auch wenn die digitale Bildung die analoge Bildung nicht ersetzen kann, habe die Corona-Pandemie zu einem gewaltigen Innovationsschub geführt. "Wir stellen allen Schulen auf Wunsch ein einheitliches Lernmanagementsystem zur Verfügung", meinte Prien. Außerdem gebe es einen Videokonferenzdienst für die Schulen, die Schulen würden durch das IQSH dabei unterstützt, digitales Lernen auf Distanz zu ermöglichen.

Rund 20 Lehrkräfte wollen klagen

Wenige Tage vor dem Start des neuen Schuljahres haben rund 20 Lehrer Klage gegen das Verhalten des Bildungsministeriums eingereicht. Das hat die Lehrergewerkschaft GEW gestern bekannt gegeben. Die Landesvorsitzende der GEW, Astrid Henke, sagte, sorgenvoll würden Angehörige von Risikogruppen dem Schulstart entgegenblicken. Das Land zwinge sie trotz teilweise schwerer Vorerkrankungen ungeschützt in den Präsenzunterricht. Das sei unverantwortlich, hieß es weiter.

Eine Lehrern steht neben einer Tafel in einem Klassenraum ohne Schüler. © NDR

AUDIO: Lehrer in SH klagen wegen Corona (1 Min)

Mehr als 1.600 Atteste von Lehrkräften

Die GEW wirft Bildungsministerin Prien einen hartherzigen Umgang mit Lehrkräften vor, die zu einer Risikogruppe gehören. Laut Lehrergewerkschaft haben mehr als 1.600 Lehrkräfte im Land Atteste ihrer Haus- oder Fachärzte vorgelegt. Ganze 32 von ihnen seien vom betriebsärztlichen Dienst als schutzbedürftig anerkannt worden, so Henke. Prien sagte auf der Pressekonferenz, "die Gesundheit unserer Lehrkräfte ist mir sehr wichtig". Lehrkräfte, die von ihrem Hausarzt eine relevante Vorerkrankung attestiert bekommen haben, könnten sich an den betriebsmedizinischen Dienst des Ministeriums wenden. Dieser prüfe dann unter Berücksichtigung des aktuellen Infektionsgeschehens, was die eventuell notwendigen Maßnahmen vor Ort sind, um Lehrkräfte zu schützen oder ob sie von Zuhause arbeiten müssen.

Risikogruppe? Orientierung an konkreten Verhältnissen

Prien betonte aber: "Ob eine Lehrkraft tatsächlich zu einer Risikogruppe gehört, das entscheidet sich ganz konkret anhand des Infektionsgeschehens und den konkreten Verhältnissen in der Schule vor Ort. Bei einem bis heute extrem niedrigen Infektionsgeschehen in Schleswig-Holstein ist überhaupt nur in Ausnahmefällen denkbar, dass eine Lehrkraft tatsächlich zu einer Risikogruppe gehört." Die Orientierung erfolge an den aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes. Es sagt inzwischen sehr eindeutig - "es gibt keine konkret vorformulierte Risikogruppen. Es gibt keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen einer Vorerkrankung und der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe."

Videos
Bildungsministerin Karin Prien beantwortet Fragen von Journalisten.
2 Min

Prien: Risikogruppe orientiert sich an Infektionsgeschehen

Bildungsministerin Karin Prien hat auf der Pressekonferenz erklärt, warum es derzeit nur ein Ausnahmefall sein kann, dass eine Lehrkraft tatsächlich zur Risikogruppe gehört. 2 Min

SPD: Schulchaos droht sich fortzusetzen

Die schleswig-holsteinische SPD wirft der Bildungsministerin bei der Vorbereitung des neuen Schuljahres unter Corona-Bedingungen Versäumnisse und Versagen vor. "Die Ferienzeit wurde nicht gut genutzt, das Chaos droht sich fortzusetzen", sagte die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli am Dienstag. "Eltern, Lehrkräfte und Schülerschaft schauen besorgt auf mangelhafte Vorbereitung und den immer schroffer werdenden Umgang der Bildungsministerin." Die SPD präsentierte ein eigenes Konzept zum neuen Schuljahr - einen Tag vor der PK von Ministerin Prien. Es sieht unter anderem bis Herbst Unterricht im Freien vor, eine schnellere Ausstattung von Schulen und Schülern fürs digitale Lernen sowie kostenlose Plexiglas-Visiere und FFP2-Masken für Schulbeschäftigte.

Weitere Informationen
Daniel Günther (l, CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, spricht neben Heiner Garg (FDP), Minister für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Bundeslandes, während eines Presstermins zum Thema Corona-Schutzmaßnahmen. © dpa Foto: Frank Molter

Landesregierung: "Es ist nicht die Zeit, zu lockern"

Die schleswig-holsteinische Landesregierung will zunächst auf weitere Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen verzichten. Ministerpräsident Günther sagte, man gehe auf Nummer sicher. mehr

Die Schüler sitzen im Klassenraum und tragen einen Mund-Nase-Schutz. © Picture Allaince Foto: Sven Hoppe

Schüler in SH sollen Maske in der Schule tragen

Das Bildungsministerium empfiehlt dringend, dass Kinder in den ersten zwei Wochen in der Schule eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Außerdem müssen Eltern ein Merkblatt unterschreiben und zurück an die Schulen geben. mehr

Eine rote Schutzmaske liegt auf einem Schultisch. © picture alliance Foto: Marijan Murat

Corona-Regeln in SH: Das ist erlaubt, das ist verboten

Regelmäßig überarbeitet die Landesregierung die Regeln zum Umgang mit der Corona-Pandemie in der Landesverordnung. Hier geben wir einen Überblick. mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Auswirkungen der Pandemie des Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein dauern an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.08.2020 | 12:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Einsames Ferienhaus in Nymindegab Dänemark © Fotolia.com Foto: fmu64

Reisewarnung: Was Dänemark-Urlauber jetzt wissen müssen

Kurz vor Beginn der Herbstferien hat die Bundesregierung einige Regionen in Dänemark zu Risikogebieten erklärt. Dazu zählt auch die beliebte Ferieninsel Bornholm. Was müssen Reisende beachten? mehr

Eine Frau mit Trillerpfeife und ver.di-Mütze. © dpa - Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Gewerkschaft weitet Warnstreiks in Schleswig-Holstein aus

Im öffentlichen Dienst wird heute wieder gestreikt. In Schleswig-Holstein sind Kiel und Schleswig laut ver.di die Schwerpunkte. Die Gewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. mehr

Fahne von Schleswig-Holstein. © Fotolia.com Foto: moonrun

Wirtschaft in SH verkraftet Corona-Krise offenbar am besten

Das Bruttoinlandsprodukt in Schleswig-Holstein hat bundesweit die geringsten Einbußen. Laut Wirtschaftsministerium liegt das daran, dass das Land weniger Industrie und weniger verarbeitendes Gewerbe hat. mehr

Die Teilnehmer der Synode sitzen bei der Eröffnung der Veranstaltung im Saal. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Nordkirche: Kirchensteuern brechen wegen Corona ein

Der Nordkirche fehlen etwa 66 Millionen Euro im Etat, weil die Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Kirchensteuer hat. Auf der Synode in Lübeck diskutieren die Parlamentarier über Einsparungen. mehr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein