Stand: 02.09.2019 12:57 Uhr

Zur Sache: Diskussion um Fehmarnbelt-Querung

Seit mittlerweile elf Jahren wird über die feste Fehmarnbelt-Querung gestritten. Die Fronten zwischen Tunnelgegnern und Tunnelbefürwortern sind so verhärtet wie nie. In der Sendung Zur Sache haben wir beide Parteien zu Wort kommen lassen. Dabei wurde heiß diskutiert.

Jorkisch: "Der Tunnel wird gebaut"

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Moderatorin Mechthild Mäsker im Gespräch mit Bernd Jorkisch, Unternehmer und Vorsitzender des Vereins "Hansebelt". Er spricht sich klar für die Fehmarnbelt-Querung aus.

Pfiffe und Buhrufe erntete der Vorsitzende des Vereins "Hansebelt", Bernd Jorkisch, von den meisten Gästen, als er sich für den geplanten Fehmarnbelttunnel aussprach. Jorkisch betonte, der Tunnel werde gebaut und auch gebraucht. Die Gegner halten den geplanten Tunnel für überflüssig, weil die feste Querung nach Ansicht der Gegner kaum von Pkw und Lkw genutzt werden würde. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn sprach von einem Milliardengrab, das verhindert werden müsse und auch verhindert werde. Nach Ansicht von Hagedorn werden sich die Dänen schon bald selbst aus finanziellen Gründen von dem Projekt verabschieden.

Zweitgrößtes europäisches Infrastrukturprojekt

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Seit 2005 sorgt die Feste Fehmarnbelt-Querung für Diskussionen.

Aktuellen Planungen zu Folge wird der Fehmarnbelttunnel mehr als sieben Milliarden Euro kosten. Über ihn wird seit 2005 politisch gestritten - da stand er im Koalitionsvertrag der damaligen CDU-SPD-Landesregierung. Seit 2008 ist er per Staatsvertrag beschlossene Sache. Verkürzt wird er als FBQ bezeichnet. Das steht für "Feste Fehmarnbelt-Querung". Diese FBQ ist das zweitgrößte europäische Infrastrukturprojekt. Vor allem in Schleswig-Holstein gibt es darum unzählige Diskussionen. Eigentlich hätte es schon lange von der politischen Agenda verschwinden müssen, sagt die Gruppe der Tunnelgegner.

Ein geltender Staatsvertrag

Wäre da nur nicht dieser Staatsvertrag. Dass dieser Vertrag gekündigt wird, ist politisch so gut wie ausgeschlossen. Obwohl es eine Ausstiegsklausel gibt. Die Dänen, die den Großteil des Projektes finanzieren, sind wild entschlossen, die feste Verbindung ihrer Insel Lolland über Fehmarn an das Festland in Deutschland zu bauen. Und die Baustelle auf Lolland wächst auch schon.

Risiken für die Natur - Chancen für die Wirtschaft?

Hierzulande hingegen gibt es mehr Bedenken, Hürden und Bürokratie. Der Blick auf die Risiken für Natur und Umwelt, Tourismus, Fischerei, Inselidylle und Lärmlast überwiegt. Sei es der 18 Kilometer lange Absenktunnel selbst, die absehbar große Baustelle im Nordwesten von Fehmarn oder die von enorm wachsendem Güterverkehr belastete Hinterlandanbindung. In Ostholstein gibt es entlang der Achse dieses Projektes kaum einen Ort, an dem nicht blaue Kreuze den Protest gegen die FBQ symbolisieren. Acht Klagen liegen gegen die FBQ vor, Tausende Einwendungen verzögern das Planfeststellungsverfahren.

"Neue Nähe zu Skandinavien"

Dabei bietet das Projekt für die regionale Wirtschaft auch Chancen: Arbeitsplätze für die Tunnelbauzeit und möglicherweise danach noch für die Wartung, neue Betriebsansiedlungen entlang der Verkehrsachse in einer strukturell eher schwachen Region. Der Verein Hansebelt e.V. und verschiedene zum Teil neu gegründete Unternehmen wollen von der "neuen" Nähe zu Skandinavien und den vielfältigen Aufgaben beim Bau profitieren.

Zur Sache live aus Burg auf Fehmarn

Zum elften Jahrestag des Staatsvertrages haben wir live vom Markt in Burg auf Fehmarn gesendet. Moderatorin Mechthild Mäsker empfing Befürworter und Gegner der Fehmarnbelt-Querung. Vor Ort waren auch viele Gäste im Publikum, die die Diskussion mit verfolgten und auch ihren eigenen Standpunkt mit einbrachten.

Weitere Informationen

FBQ: Die Dänen bauen, die Deutschen streiten

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Acht Klagen gegen Fehmarnbelttunnel

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Zwei Kommunen, zwei Vereine, eine Privatperson und drei Reedereien haben gegen die feste Fehmarnbeltquerung geklagt. Wann die Klagen mündlich verhandelt werden, steht aber noch nicht fest. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 01.09.2019 | 18:00 Uhr

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