Stand: 12.02.2020 14:37 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Wind und Regen: Extreme Wasserstände in den Auen

Das Orkantief "Sabine" ist weitergezogen, doch stürmisch bleibt es nach wie vor in Schleswig-Holstein. Insbesondere an der Nordseeküste sind die Auswirkungen weiter spürbar. Auf den Inseln wird deutlich, welche Macht in den Naturgewalten steckt: Der Blanke Hans drückt das Wasser bis an die Dünen und stellt die Standfestigkeit der Dünen und der Häfen auf die Probe. Aber auch das Hinterland ist betroffen. Dort sind die Pegelstände weiter hoch.

Hohe Pegelstände bergen Gefahr für Überschwemmung

Am Bongsieler Kanal in Nordfriesland steht das Wasser derzeit ungewöhnlich hoch: "Der Kanal hat seinen Höchststand von sechs Metern erreicht", sagt Heinz Kröger, Werkstatt-Leiter beim Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel. Die Herausforderung ist das Halten des richtigen Niveaus. Der Pegel des Kanals muss immer höher sein als der Pegel der Nordsee, damit das Wasser ins Meer ablaufen kann. In Schlüttsiel lag am Mittwochnachmittag (Stand: 13.52 Uhr) der Pegelstand 3,37 Meter höher als das mittlere Hochwasser (3,39 Meter).

Dritte Kammer aufgemacht

Zur Regulation des Wasserstands im Kanal dienen insgesamt drei Speicherbecken. Zwei der Kammern davon sind nach Angaben von Kröger bereits fast voll. Sie haben zusammen ein Speichervolumen von rund 4,5 Millionen Kubikmetern Wasser. Dass sie komplett gefüllt sind, kommt etwa zwei Mal im Jahr vor. Die dritte Kammer werde jetzt laut Kröger ebenfalls aufgemacht. Sollten auch diese Kapazitäten ausgeschöpft sein, droht eine Überschwemmung des Hinterlandes - da das Wasser irgendwo hin muss.

Gestiegene Pegelstände auch in Südholstein

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Die Pegelstände sind gestiegen - auch die Bramau zwischen Bad Bramstedt und Wrist ist über die Ufer getreten.

Auch in vielen Teilen Südholsteins sorgen die Wassermassen dafür, dass die Flüsse über die Ufer treten. So beispielweise auch an der Bramau zwischen Bad Bramstedt und Wrist. Dort stehen die sogenannten Rieselwiesen, also die Flächen die an den Fluss grenzen, zur Zeit unter Wasser. Der Pegelstand war am Mittwochmittag ungefähr ein- bis eineinhalb Meter höher als sonst.

Insel Sylt muss einiges aushalten

Die Ausläufer von "Sabine" machen auch weiterhin den Küstengebieten zu schaffen. Rantum ist ein gutes Beispiel für die Kräfte, die bei einem solchen Sturm am Werk sind: Obwohl der Hafen auf der windabgewandten Seite der Insel liegt, hat sein Steg den Sturmböen in den vergangenen Tagen nicht standgehalten.

In Wenningstedt auf Sylt hat die Nordsee große Teile des Strandes weggespült. Die Infrastruktur ist bisher aber nicht beschädigt: "Alle Strandtreppen sind noch da, und ich gehe auch davon aus, dass das so bleibt", sagt Ralf Jörgensen vom Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup. "Wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen." Die kostspieligen Sandvorspülungen haben die Insel geschützt, einige sind jetzt aber auch fast nicht mehr vorhanden.

Schäden noch nicht absehbar

Mehrere Sturmfluten hintereinander können schwerwiegende Folgen für die Stabilität der Deiche haben. Im Auftrag des Umweltministeriums überprüfen Deichschützer jetzt täglich, ob alles in Ordnung ist. Aufgrund der hohen Pegelstände besteht außerdem aktuell jederzeit die Gefahr, dass das Wasser über die Deiche tritt. Wie stark die an den Küsten bisher entstandenen Schäden durch "Sabine" tatsächlich sind, ist noch nicht abzusehen. Erst wenn die Sturmflutserie vorbei ist, soll an Sylts Küste per GPS nachgemessen werden.

Hallig Langeneß: Positive Effekte der Sturmflutserie

Auf Hallig Langeneß ist seit der ersten Sturmflut am Montag Land unter. Der stürmische Westwind verhindert, dass das Wasser der Nordsee die Hallig komplett freigibt. Björn Marten Philipps, Leiter der Schutzstation Wattenmeer Langeneß, freut sich aber über die Sturmflutserie. "Eine Sturmflut bedeutet auch immer Sedimentanlagerung, die Hallig kann wachsen und das ist in Zeiten, in denen der Meeresspiegel steigt, sehr wichtig“, sagte Philipps NDR Schleswig-Holstein. In den letzten Jahren habe es nur wenige Sturmfluten gegeben. Eine Folge davon: die Rattenpopulation ist gewachsen.

Philipps hofft, dass die Zahl der Nager durch die Sturmfluten auf natürliche Weise eingedämmt wurde. Denn die Ratten räubern die Nester von Vögeln, die am Boden brüten. Eine Rattenplage auf Langeneß gebe es aber nicht. Auch für die Salzwiesen sind die Überflutungen wichtig, da sie sonst zu stark versüßen, erläutert der Leiter der Schutzstation Wattenmeer Langeneß. Die letzte der fünf Sturmfluten in Folge hatte am Mittwoch um 15.56 Uhr ihren höchsten Pegel erreicht. Philipps rechnet aber erst am Donnerstag damit, dass die Hallig wieder komplett trockenfallen wird.

 

Weitere Informationen

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Durchatmen nach Sturmflut-Serie im Norden

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Nach fünf Sturmfluten in Folge sind an der Nordseeküste die schlimmsten Folgen des Sturmtiefs "Sabine" überstanden. Vor allem auf den Inseln wurde jede Menge Sand von den Stränden gespült. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.02.2020 | 19:30 Uhr

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