Stand: 03.01.2020 13:59 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Weiterbildung: Chancen werden kaum genutzt

Ein Mann steht in einem schwarzen Raum. © NDR
Sascha Sauther hat sich bei einem Hersteller komplexer Lichtsysteme zum Leiter Projektmanagement weitergebildet.

Sascha Sauther hat seine Chance genutzt. Er hat sich im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes des Bundesministeriums für Arbeit zum Leiter Projektmanagement weitergebildet. Jetzt steuert er für seinen Arbeitgeber ESYLUX in Ahrensburg (Kreis Stormarn) zahlreiche Projekte. Dabei geht es um die Herstellung komplexer Lichtsysteme, vom ersten Arbeitsschritt bis sie bereit zur Auslieferung an den Kunden sind.

Schritt zur Zukunftsfähigkeit

"Ich wusste, dass ich mich weiterbilden muss, wenn ich in dem Feld erfolgreich sein möchte. Ich wusste auch, dass meine Firma positiv reagiert, wenn ich die Initiative ergreife", sagt Sauther. Für seinen Chef Oliver Moritz, Bereichsleiter Entwicklung, war die Weiterbildung von Sauther ein wichtiger Schritt zur Zukunftsfähigkeit. Mit seinen neuen Kenntnissen konnte sein Mitarbeiter die Lager-Verwaltung digitalisieren. Jetzt läuft sie über eine App. Inzwischen hat das Unternehmen fünf weitere Mitarbeiter zur Weiterbildung geschickt. Doch damit gehört die Firma zu den wenigen Ausnahmen.

Unterstützung beim Strukturwandel

Vor einem Jahr brachte die Bundesregierung das Qualifizierungschancengesetz auf den Weg. Der Hintergrund: Laut des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werden in Deutschland bis zum Jahr 2035 etwa genauso viele Jobs durch die Digitalisierung verloren gehen, wie neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Qualifizierungschancengesetz soll Unternehmen und Arbeitnehmer bei diesem Strukturwandel unterstützen.

Eine Grafik mit drei Tortendiagrammen zum Qualifizierungschancengesetz © NDR
Die Höhe der Zuschüsse ist von der Größe des Betriebs abhängig - je kleiner, desto höher die Förderung.

Die Bundesagentur für Arbeit fördert dabei die beruflichen Qualifizierung und Weiterbildung von Beschäftigten. Das Jobcenter übernimmt die Weiterbildungskosten und Zuschüsse zum Lohn während der Maßnahme. Die Höhe der Zuschüsse ist von der Größe des Betriebs abhängig - je kleiner, desto höher die Förderung. Konkret geht es für die Angestellten darum, entweder anerkannte Berufsabschlüsse oder aber Teilqualifikationen zu erwerben.

Arbeitsagentur: Mittelstand im Norden schlecht für die Zukunft aufgestellt

Doch die Mittel werden kaum abgerufen. Viele Unternehmen stellen offenbar ihre Leute auch nicht frei für Weiterbildungen. In Schleswig-Holstein wurden bis zur Jahresmitte nur 533 Personen und bis zum Jahresende nur knapp 800 Beschäftigte nach dem Qualifizierungs-Chancen-Gesetz gefördert. Laut Arbeitsagentur sollten es mindestens zehnmal mehr sein. Sie sieht deshalb gerade die mittelständische Wirtschaft im Norden schlecht für die Zukunft aufgestellt.

Woran liegt das? "Da haben sich manche Unternehmen noch nicht richtig in die Zukunft aufgemacht, haben vielleicht für die Arbeitswelt von Morgen noch gar nicht die richtige Strategie entwickelt", sagt Margit Haupt-Koopmann von der Arbeitsagentur Regionaldirektion Nord. "Dann fällt es natürlich schwer, zu überlegen: Welche Qualifikation brauchen meine Mitarbeiter, um morgen fit zu sein."

DGB: "Brauchen Recht auf Weiterbildung"

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord, betont: "Wir brauchen unbedingt ein Recht auf Weiterbildung für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer." Er appelliert an Unternehmen und Arbeitnehmer, das Geld, das für das Qualifizierungschancengesetz bereit gestellt wurde, auch abzurufen.

Für Produktentwickler Moritz ist die Zurückhaltung der Unternehmen nicht verständlich. Auch wenn die Mittel mal knapp seien, "ich kann nur empfehlen, es trotzdem zu machen. Denn es zahlt sich aus."

Weitere Informationen
Eine Englisch-Lehrerin einer Grundschule beschriftet eine Tafel. © dpa-Bildfunk Foto: Patrick Pleul

Referendariat für Lehrer-Seiteneinsteiger geplant

Lehrer ohne reguläres Lehramtsstudium sollen in Mecklenburg-Vorpommern besser qualifiziert werden. Unter anderem ist ein berufsbegleitendes Referendariat geplant, so Bildungsministerin Martin. mehr

Nullen und einsen bewegen sich vor einem Gebilde, das aussieht, wie ein Kopf. © fotolia.de Foto: Weissblick

"NØRD": Erster Digitalkongress der Landesregierung

In Greifswald ist mit der "NØRD 2019" der erste landesweite Digitalisierungskongress der Landesregierung gestartet. Er soll die Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern voranbringen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.01.2020 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Das Sparkassen-Logo im Pflaster vor der Sparkasse Hohenwestedt © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Förde Sparkasse und Sparkasse Mittelholstein kündigen Fusion an

Eine Fusion der Sparkasse Mittelholstein und der Förde Sparkasse rückt näher. Die Aufsichtsgremien der beiden Häuser haben mitgeteilt, dass sie den Gesprächen zugestimmt haben. Ein Jobabbau sei nicht geplant. mehr

Reiterhof in Quickborn © NDR Foto: Doreen Pelz

Haftbefehl erlassen nach Tod auf Reiterhof in Quickborn

Zehn Wochen nach dem tödlichen Schuss auf einen Reiterhofbesitzer in Quickborn ist der mutmaßliche Täter gefasst worden. Er wurde in Hamburg festgenommen. Ein Richter erließ Haftbefehl. mehr

Der verstorbene Regisseur der Karl-May-Spiele Norbert Schultze jr. schaut in die Kamera. © Karl-May-Spiele Bad Segeberg / Presse Foto: Claus Harlandt

Karl-May-Spiele: Trauer um Norbert Schultze jr.

Der langjährige Regisseur der Karl-May-Spiele Bad Segeberg, Norbert Schultze jr., ist tot. Er starb nach Angaben der Kalkberg GmbH im Alter von 78 Jahren in Hamburg. mehr

Jutta Just, eine der Koordinatorinnen der Flüchtlingshilfe. © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske

Flüchtlingshelferin Just: "Die meisten werden hierbleiben"

Vor fünf Jahren kamen Tausende Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein. Flüchtlingshelferin Jutta Just spricht im Interview über Arbeitssuche und das Rollenverständnis von Frauen und Männern unter den Geflüchteten. mehr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein