Ein Wissenschaftler arbeitet an einem Analysegerät für Blut.

TH Lübeck: Mobiles Gerät analysiert Blut bei Vergiftungen

Stand: 31.01.2021 15:56 Uhr

Kohlenmonoxid, falsche Medikamente, Chemikalien - bei der Behandlung von vergifteten Menschen zählt jede Minute. Ein mobiles Gerät könnte die Hilfe bald beschleunigen und erleichtern.

Wenn es brennt, muss es schnell gehen. Neben den Brandverletzungen sind auch giftige Gase eine große Gefahr für die Menschen. Welche Dämpfe und wie viel davon Betroffene einatmen, wird aber meist erst im Krankenhaus erkannt. Wissenschaftler der Technischen Hochschule Lübeck haben eine Technik entwickelt, mit der die Behandlung bereits am Unfallort oder auch im Krankenwagen beginnen kann. Dr. Alexander Tzabazis vom UKSH Lübeck erklärt: "Wenn Rauchgasintoxikationen vorliegen, können die entsprechenden Medikamente und Blutkonserven schon bereit gestellt werden. Man kann aber auch schon vor Erreichen des Krankenhauses die Therapie anpassen, zum Beispiel bei der Beatmung."

Mehr als 500 Blutanalysen wurden bislang durchgeführt

Benjamin Kern ist einer der Wissenschaftler an der Technischen Hochschule Lübeck. Er sagt, schnell zu wissen, was ein Mensch im Blut hat, das dort nicht hingehört, könne in Notfällen Leben retten. Er arbeitet an der Technik, die klein und mobil sein soll. Es ist ein Blut-Gas-Analysegerät, das Feuerwehren und Rettungssanitäter direkt am Unglücksort einsetzen können. Für die Entwicklung vergiftet Benjamin Kern gesundes Blut, um zu erkennen, welchen Einfluss das auf die Farbe hat: "Wir müssen verschiedene Vergiftungsarten nachbilden, also zum Beispiel das Blut mit Kohlenmonoxid begasen und das in verschiedenen Abstufungen." Er hat inzwischen 518 Versuche durchgeführt - mit unterschiedlichen Blutqualitäten und verschiedenen Giftstoffen, die besonders häufig bei Unfällen auftreten. "Das sind Stoffe wie Wasserstoffperoxide, Stickoxide, Nitrate, Nitrite. Vergiftungen treten aber auch durch Medikamente auf, die irrtümlicherweise eingenommen wurden, durch Kinder beispielsweise. Da wird am Ende der Sauerstofftransport im Blut behindert."

Software ist selbstlernend und intelligent

Seit fünf Jahren arbeiten Benjamin Kern und Professor Stefan Müller an dem Projekt. Jetzt steht die Technik, um mit einem Laserstrahl das Blut durchleuchten zu können. Mit einer Software, die sie geschrieben haben, wird das Farbspektrum der Blutprobe nun mit Werten einer Datenbank anderer Blutproben verglichen. Inzwischen haben sie die Bausteine der Technik auf wenige Komponenten reduziert und eine selbstlernende intelligente Software entwickelt. Auf dem Bildschirm können die Wissenschaftler anhand eines Farbverlaufs das Blut genau analysieren. Von Infrarot bis Ultraviolett - jeder Giftstoff verändert die Farbkurve. Professor Stefan Müller sieht einen großen Vorteil in dieser Technologie: "Man kann sie sehr klein und robust machen kann. Damit ist sie prädestiniert für mobile Anwendungen. Also zum Beispiel auch in Gebieten, wo man keine gute Krankenversorgung hat, wo keine stationären Geräte zur Verfügung stehen, zum Beispiel in Ländern der Dritten Welt."

Die Technik muss jetzt noch in kleinen Gehäusen verschwinden. Schon wenige Bluttropfen sollen für die Analyse reichen. In zwei Jahren könnte das Gerät dann auf dem Markt sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 01.02.2021 | 19:30 Uhr

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