Ein "Einfahrt verboten"-Schild an einem Absperrzaun auf einer Landstraße. © Colourbox Foto: 75tiks

Straßenbau in SH: Wo 2022 gebaut wird - und wo nicht

Stand: 28.01.2022 12:37 Uhr

Flüsterasphalt und Fledermäuse: Wer Straßen bauen will, muss sich mit vielen Themen auskennen. Rund 300 Millionen Euro sollen im Jahr 2022 in Schleswig-Holsteins Straßen investiert werden. Allerdings geht es nicht überall voran.

von Christopher Gaube

Leiser Asphalt, keine Schlaglöcher und Lärmschutzwände - sowohl Autofahrer als auch die Anwohner wissen es zu schätzen, wenn die Straßen in gutem Zustand sind. Eines mag jedoch keiner: die Bauarbeiten, um das Straßennetz instand zu halten. Doch auch in diesem Jahr müssen sich Autofahrer und Anwohner auf Baustellen einrichten.

Neubau der Rader Hochbrücke wird vorbereitet

Vom ersten Großprojekt werden die Autofahrer auf der A7 kaum etwas mitbekommen. Der Neubau der Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal soll in diesem Jahr schon vorbereitet werden. Dazu müssen Bäume gefällt und Baustraßen sowie Schiffsanleger errichtet werden. Zusätzlich werden Leitungen verlegt.

Laut der zuständigen Projektmanagementgesellschaft DEGES ist außerdem ein größerer Erdbau zur Dammherstellung geplant. Im Herbst soll dann der Bauauftrag für die neue Hochbrücke vergeben werden. Baubeginn ist frühestens Ende 2022, eher aber Anfang kommenden Jahres.

Anbindung des Fehmarnbelttunnels

Rund um den Bau des knapp 18 Kilometer langen Fehmarnbelttunnels von der Insel Fehmarn zur dänischen Insel Lolland wird der Ausbau der Zufahrtsstraßen in diesem Jahr vorbereitet. Das betrifft den vierspurigen Ausbau der B207 zwischen Heiligenhafen-Ost und Puttgarden. Hier sind vor allem Leitungsverlegungen und ökologische Maßnahmen geplant.

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Die von Autos befahrene Rader Hochbrücke aus der Vogelperspektive. © NDR

Neubau der Rader Hochbrücke soll 2023 starten

Der Planfeststellungsbeschluss für die Brücke über die A7 liegt jetzt vor. Das Projekt wird europaweit ausgeschrieben. mehr

Auch die Zufahrt auf die Insel Fehmarn wird in diesem Zusammenhang erweitert, weil die Kapazitäten der Fehmarnsundbrücke nach Eröffnung des Tunnels nach Dänemark nicht mehr ausreichen werden. Die Planungsarbeiten für einen Fehmarnsundtunnel haben bereits begonnen.

Zahlreiche Baustellen auf den Autobahnen

Neben den geplanten Neubauten sind auch zahlreiche Sanierungen geplant. Auf den rund 1.000 Kilometern Autobahn im Land wird es deshalb in diesem Jahr einige Baustellen geben.

Bei den in der Tabelle aufgeführten Baumaßnahmen auf Autobahnen sollen teilweise innovative Baustoffe zum Einsatz kommen. "Hier setzen wir auf Baumaterialien, wie etwa den langlebigeren Kompaktasphalt oder den lärmoptimierten Splitmastix, um die Verfügbarkeit zu erhöhen und den Lärmschutz - wo nötig - zu verbessern", teilt Carsten Butenschön mit, Leiter Bau und Erhaltung der Autobahn GmbH Niederlassung Nord.

Verzögerungen beim Weiterbau der A20

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Ein Baustellenen Fahrzeug auf der Übeholspur einer Autobahn. © Colourbox Foto: Roman Babakin

300 Millionen Euro für Straßenbau-Projekte in SH

Von der Kreisstraße bis zum Großprojekt - die Bauarbeiten werden auch in diesem Jahr vielerorts für Verkehrsbehinderungen sorgen. mehr

Bei einem anderen großen Bauprojekt wird auch in diesem Jahr kein Meter Autobahn entstehen. Der Weiterbau der A20 ab Bad Segeberg ruht, weil es laut Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) noch keinen Planfeststellungsbeschluss gibt. "Das ist dem deutschen Planungsrecht geschuldet. Wir mussten rund sechs Millionen Euro in die Kartierung von Fledermausflugbewegungen stecken, allein zwischen zwischen dem Abschnitt Bad Bramstedt bis Bad Segeberg", sagt Buchholz und fügt an: "Also viele Kilometer entfernt vom eigentlich Kalkfelsen in Bad Segeberg." Dort sind Fledermäuse heimisch, die von der neuen Autobahn nicht gestört werden sollen.

Bevor der Bau beginnen kann, müssen nun entsprechenden Überflughilfen gebaut werden. Das müsse laut Verkehrsminister in die Planungen einbezogen werden, um Rechtssicherheit für den Bau zu bekommen.

Lücke zwischen A21 und Landeshauptstadt soll kleiner werden

Bei einem anderen Langzeitprojekt wird währenddessen weitergebaut: Die B404 zwischen zwischen Klein Barkau und Löptin soll bis 2026 geschlossen werden. Rund sieben Kilometer rückt der Autobahnanschluss in den Süden nach Fertigstellung näher an die Landeshauptstadt heran. Laut Verkehrsministerium gibt es für den letzt Bauabschnitt der A21 nach Kiel inzwischen Machbarkeitsstudien. Entscheidungen über konkrete Baumaßnahmen stehen aber noch aus.

Hohe Investitionen in Bundes- und Landesstraßen

Der größte Teil des diesjährigen Straßenbaubudgets soll in die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen fließen. Rund 200 Millionen sind dafür vorgesehen. Während die Bundesstraßen laut Verkehrsminister Buchholz in einem weitestgehend guten Zustand sind, gibt es woanders einen Sanierungsstau: "Bei den Landesstraßen wird es bis 2031/2032 dauern, bis wir 80 Prozent der Straßen in einem guten Zustand haben."

 

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Holzstäbe im Boden dienen der Platzierung von Drainagen © NDR Foto: Sven Jachmann

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.01.2022 | 19:30 Uhr

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