Sternschnuppen in Sicht: Perseiden über der Baumschule

Stand: 13.08.2022 15:43 Uhr

Der Meteorstrom bringt in jedem August einen Sternschnuppenregen an den Himmel. In Tornesch im Kreis Pinneberg haben ihn Interessierte am Freitagabend genau beobachtet - mit bloßem Augen oder Teleskopen.

von Lena Haamann

Sie sind höchstens so groß wie ein Kieselstein, aber bewirken beeindruckende Leuchterscheinungen am nächtlichen Himmel. Was wir als Sternschnuppen oder Perseiden sehen, ist Kometenstaub, der in die Erdatmosphäre eintritt. Jedes Jahr im August sind es besonders viele, weil die Erde dann die Bahn des Kometen "109P/Swift-Tuttle" kreuzt. Die Hobby-Astronomen der Schulsternwarte Tornesch (Kreis Pinneberg) wollen sich dieses Himmelsschauspiel nicht entgehen lassen.

 Bis zu 100 Sternschnuppen in der Stunde

Zwei Jungen und ein Mann stehen vor einem Teleskop auf dem Geländer der Regionalen Volks-und Schulsternwarte Tornesch e. V. © NDR Foto: Lena Haamann
Hobbyastronom Jens Sander kennt sich mit dem Weltall aus. Er erklärt zwei Jungen die Benutzung eines Teleskops.

Es ist noch hell, als sie ihre Liegestühle, Teleskope, Feldstecher und Kameras aufbauen. 50 Mitglieder des Vereins Regionale Volks- und Schulsternwarte, Hobbyastronomen und andere Interessierte. Auf dem Gelände einer Baumschule, die dem Vereinsvorsitzenden Jens Sander gehört, hoffen alle darauf, in dieser Nacht so viele Perseiden wie möglich beobachten zu können. Bis zu 100 Stück in der Stunde. Weil hier die Gebäudewände rundherum das Licht der Straßenlaternen abschirmen, sind die Bedingungen besonders gut.

Hobby-Astronom Jens Sander beobachtet die Perseidennächte schon seit mehr als 20 Jahren. "Dieses Jahr haben wir ein sehr schönes Jahr, weil wir diesen klaren Himmel haben. Das ist ja in Norddeutschland nicht selbstverständlich. Ein kleiner Wermutstropfen ist der Vollmond, der den Himmel aufhellt, denn dadurch sieht man die kleinen Sternschnuppen nicht", sagt er, während er seine Matratze auf dem Hof positioniert. Rund zwei Drittel der Sternschnuppen sind schwächer, schätzt er. "Aber da bleiben ja immer noch genug große zum Beobachten übrig."

50.000 Stundenkilometer schnell

Als drei Stunden später die Dunkelheit eingebrochen ist, haben sich alle eingerichtet und blicken gespannt in den Himmel. Auch Holger Siegfriedt und Maike Bieber, die noch nie Perseiden gesehen haben. "Die heißen so, weil sie aus dem Sternbild Perseus kommen", erklärt Jens Sander ihnen und zeigt in Richtung Südosten. "Dort lässt der Komet Swift-Tuttle eine Staubspur hinter sich liegen - sozusagen eine Schmuddelbahn. Und da saust die Erde jedes Jahr um diese Zeit hindurch."

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Wenn die Kometen-Teilchen in die Erdatmosphäre eintreten, entsteht eine Ionisationsspur, die das typische Leuchten bewirkt. Zwar sind die meisten nur so groß wie ein Staubkorn - aber bis zu 50.000 Stundenkilometer schnell. Je größer das Teilchen ist, desto länger und heller erscheint die Sternschnuppe. Gleich mit Einbruch der Dunkelheit können einige Teilnehmer schon die ersten beobachten. "Ich habe gar nicht genug Wünsche vorbereitet", fällt Maike Bieber ein. "Wie viele wir wirklich sehen ist jedes Mal ein bisschen wie Lotterie“, sagt Jens Sander. "Das hängt davon ab, ob die Erde mitten durch den Strom hindurchsaust, oder eher am Rand."

"Es ist nur ein Licht, aber ein ganz besonderes"

Perseiden streifen am Nachthimmel in Tornesch. © Peter Zemlin Foto: Peter Zemlin
Für viele Menschen mehr "als nur Licht" - Sternschnuppen.

Seitdem sein Opa ihm als Kind ein Teleskop vererbt hat, ist der Hobby-Astronom vom Weltall fasziniert. Er hat sich selber immer mehr Wissen angeeignet, besitzt mittlerweile hunderte Bücher, mehrere Teleskope und eine eigene kleine Sternwarte. Für den weitesten Überblick liegt Jens Sander jetzt auf seiner Matratze auf dem Boden. "Da", ruft er und zeigt in den Himmel, als er seine erste Sternschnuppe in dieser Nacht sieht. "Sternschnuppen beobachten ist wie Nordlichter sehen. Man sieht nur ein Licht. Aber es ist ein besonderes, das aus dem Kosmos kommt. Sternschnuppen bringen richtig Dynamik in den sonst so statischen Himmel." Und das nicht nur optisch - man kann die Kometenteilchen rund 100 Meter über uns sogar hören. "Das passiert manchmal bei größeren Teilen, die zerplatzen - und klingt wie irgendwas zwischen Klospülung und Jet", erklärt er der Beobachterin neben ihm.

Drei Wünsche für jeden Beobachter

Einige Stunden später beenden auch die letzten Hartgesottenen ihre Sternschnuppenjagd in Jens Sanders Baumschule. "Habt ihr welche sehen können?", fragt der, während er sein Teleskop abbaut. "Ich habe fünf gesehen, so viele wie in den vergangenen fünf Jahren nicht. Dafür hat sich das Wachbleiben gelohnt", sagt Beobachter Reinhold Balke. Damit liegt er etwas über dem Durchschnitt. "Der lag heute Nacht bei drei Wünschen pro Beobachter", weiß Jens Sander. Und mit dieser Sternschnuppen-Ausbeute sind für eine Nacht mit Vollmond alle sehr zufrieden.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.08.2022 | 19:30 Uhr

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