Stand: 07.09.2020 20:26 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Segelschiff "Peking" verlässt SH Richtung Hamburg

Sie war 1911 in Hamburg vom Stapel gelaufen, segelte später 34 Mal um Kap Hoorn und lag über 40 Jahre als Museumsschiff in New York: Die historische Viermastbark "Peking" ist am Montag in ihre Heimat zurückgekehrt. In der Peters Werft in Wewelsfleth (Kreis Steinburg) war sie zuvor drei Jahre lang für 38 Millionen Euro aufwendig restauriert worden. In Hamburg soll der Großsegler künftig das Aushängeschild des geplanten Deutschen Hafenmuseums auf dem kleinen Grasbrook sein.

VIDEO: Segelschiff "Peking" kehrt nach Hamburg zurück (7 Min)

Jubel am Störsperrwerk

Am Montagmorgen ist die erste Herausforderung geschafft. Als die "Peking" das Nadelöhr Störsperrwerk langsam passiert, brandet Jubel und Applaus auf. Denn hier gilt: Die Natur ist der Chef. Nur bei Hochwasser passt die 115 Meter lange "Peking" durch das kleine Sperrwerk, das die Stör mit der Elbe verbindet. Es ist mit 22 Metern nur sieben Meter breiter als die "Peking". Deshalb begann die letzte Reise des Großseglers auch schon morgens in aller Frühe. Zusätzlich mussten die Rahen des Großseglers gebrasst, also weggeklappt werden. Sonst hätte die "Peking" nicht durch das Tor gepasst.

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Laura Albus im Gespräch mit Mathias Kahl auf einem Deich am Störsperrwerk. © NDR
4 Min

Mathias Kahl: "Ein gigantisch emotionaler Moment"

Für Mathias Kahl, Vorstandsmitglied des Vereins "Freunde der Peking", ist die Verholung der Peking ein sehr emotionaler Moment. Sein Vater fuhr auf dem Schiff zur See. 4 Min

Wie viele andere Menschen, hat es auch Mathias Kahl auf den Deich gelockt. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins "Freunde der Peking" und hat auf diesen Moment lange gewartet. Sein Vater fuhr mit der Peking zu See. "Schon als kleines Kind hat mir mein Vater gesagt: 'Mensch, es wäre doch schön, wenn wir die Peking mal wieder in Hamburg hätten.' Und jetzt ist es tatsächlich so weit," sagt Kahl sichtlich bewegt.

Mit zwei Schleppern Richtung Hamburg

Nach dem Passieren des Störsperrwerks kommt das nächste Manöver: Die Rahen werden erneut gebrasst, also wieder quer zum Schiff gestellt. Dabei werden mit Hilfe von Brasswinden die Querstangen am Mast in einen 90-Grad-Winkel zum Schiff gestellt. "Da kommt sie in ihrer vollen Größe und Schönheit zur Geltung", sagt der Projektleiter der Wewelsflether Werft, Niklas Pfaff.

Weiter geht es in Begleitung der beiden Schlepper "Wulf 3" und "Wulf 5" die Elbe hinauf. Die kräftigen Schlepper sind notwendig, um die "Peking" ordentlich manövrieren zu können. Für einen Langkieler sind enge Kurven nicht einfach zu meistern.

Als die "Peking" Stadersand passiert, wird es emotional für Joachim Kaiser von der Stiftung Maritim, die das Schiff 2016 übernommen hatte: "Diese Gebäude standen schon, als die 'Peking' die Elbe verlassen hat." Das ist inzwischen schon fast 90 Jahre her. Seitdem hat sich vieles verändert.

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Philipp Jess im Gespräch mit Niklas Pfaff an Deck der "Peking". © NDR
3 Min

Projektleiter Niklas Pfaff zu den Renovierungsarbeiten der Peking

Für Niklas Pfaff, Projektleiter der Werft Wewelsfleth, gab es viele Überraschungen bei der Renovierung der "Peking". Vor allem die giftigen Stoffe, die während der Arbeiten gefunden wurden, führten zu Problemen. 3 Min

Pause vor Twielenfleth

Die beiden Schlepper bringen die "Peking" dann ein Stück elbaufwärts bis Twielenfleth im Landkreis Stade. Dort wartet das Schiff auf die Flut - und damit auch die Weiterfahrt. Zwar hat die Bark lediglich einen Tiefgang von vier Metern, laut Kapitän Ben Lodemann ist die Flut aber trotzdem notwendig, um das Schiff sicher nach Hamburg zu bringen. Am frühen Nachmittag ist es soweit. Die Fahrt geht weiter. Das Schiff überfährt die Hamburger Landesgrenze.

Typhonkonzert im Hafen

Tausende verfolgen die Überführung entlang der Elbe. Die "Peking" wird begleitet von einer Flotte von historischen Schiffen und Yachten. Wasserfontänen und ein Typhonkonzert empfangen die Bark im Hamburger Hafen. Gegen 19 Uhr ist die Rückkehr nach insgesamt 88 Jahren abgeschlossen.

Weitere Details zum zweiten Teil der Überführung der "Peking" finden Sie hier.

Hamburgs Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärt am Montagabend: "Wir sind stolz darauf, als Nation, ein solches Schiff zu haben." Die Rückkehr der "Peking" sei zu 100 Prozent durch den Bund finanziert - mit 38,5 Millionen Euro.

VIDEO: Museumsschiff "Peking" trifft in Hamburg ein (13 Min)

Weitere Informationen
Die Peking liegt in der Peters-Werft.

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Schwarzweiß-Aufnahme der Stahlbark "Peking" in der Elbmündung, im Hintergrund ein Dampfschiff. © dpa Foto: Hans Hartz

Eine Legende ist zurück: Die Geschichte der "Peking"

1911 in Hamburg gebaut, fährt die "Peking" als Frachtsegler bis 1932 über die Meere. Ab 1974 liegt sie als Museumsschiff in New York. Seit 2017 ist sie wieder in Deutschland und wird restauriert. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.09.2020 | 19:30 Uhr

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