Seestermühe: Die Rettung der historischen Lindenallee

Stand: 06.10.2020 12:52 Uhr

In Seestermühe im Kreis Pinneberg steht eine geschützte, 300 Jahre alte Allee aus Kopflinden. Sie dürfen nicht der Natur überlassen werden. Doch die Pflege ist teuer.

Die barocke Lindenallee mit Teehaus in Seestermühe (Kreis Pinneberg), die zum Gut Seestermühe gehört, ist einmalig im Südwesten Schleswig-Holsteins. Die vier Reihen auf 700 Metern Länge stehen unter Denkmal- und Naturschutz. Der Heimatbund des Landes zeichnete die Allee einst als eine der schönsten Schleswig-Holsteins aus. Die Bäume sind 300 Jahre alt. Es sind sogenannte Kopflinden, die von Menschen immer wieder gestutzt werden müssen - das letzte Mal ist allerdings zu lange her.

Bei Wind können die Bäume zerbrechen

"Wenn man nicht ständig ausformt und pflegt und schneidet, dann geht der Baum in seine natürliche Form", erklärt Frank Schoppa vom Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland. Das führe zu einer starken Astbildung, es entstehe quasi ein Baum auf dem Baum. Bei viel Wind könne der Baum irgendwann einfach zerbrechen, sagt Schoppa. Vor etwa sechs Jahren hat er sich die Rettung der Allee zum Ziel gesetzt. In der Zwischenzeit haben immer mehr Bäume Schaden genommen.

Risse in Stämmen und Brandkrustenpilz

Manche der Linden sind vom Brandkrustenpilz befallen. "Ein holzzerstörender Pilz, der insbesondere bei Linden besonders aggressiv wirkt", sagt Baumpfleger Markus Kleinworth. Der Pilz siedelt sich am Stammfuß an und kann dazu führen, dass der Wurzelstock so sehr geschädigt wird, dass der Baum umkippt. Andere Bäume haben Risse in ihren Stämmen. Nur wenn etwas unternommen wird - wie zum Beispiel den Baum zu kürzen -, könne er gerettet werden, weiß der Baumpfleger.

572 Bäume müssen gepflegt werden

Ein Mann arbeitet in einem Kran und beschneidet eine Linde. © NDR
Baumpfleger arbeiten schon an den ersten der 572 Bäume.

Einem Runden Tisch unter dem Vorsitz des Fördervereins ist es gelungen, knapp 200.000 Euro an Fördergeldern und Spenden einzuwerben, um das Ensemble zu retten. Auch neue Bäume sollen mit dem Geld gepflanzt werden. Die Baumpfleger haben schon begonnen mit ihrer Arbeit. 572 Bäume müssen gepflegt werden.

Der Förderverein schmiedet schon neue Pläne, um die Pflege auch in Zukunft zu sichern. Denn die nächsten Stürme sollen an den alten Linden keine Schäden mehr anrichten können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.10.2020 | 19:30 Uhr

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