Stand: 22.03.2018 17:47 Uhr

Schweinepest: Dänische Regierung plant Grenzzaun

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Die dänische Regierung befürchtet, dass die Wildschweine den Erreger der Afrikanischen Schweinepest nach Dänemark bringen.

Er soll 1,50 Meter hoch sein, 50 Zentimeter tief in die Erde gehen - und 70 Kilometer lang sein: Dänemarks Regierung hat vor, einen Zaun entlang der deutsch-dänischen Grenze zu bauen. Er soll Wildschweine daran hindern, von Schleswig-Holstein aus nach Dänemark zu wandern. Der Zaun ist Teil eines Pakets gegen die Afrikanische Schweinepest, auf den sich die Minderheitsregierung in Kopenhagen und die sie stützende Dänische Volkspartei geeinigt haben. Das hat das dänische Umwelt- und Lebensmittelministerium am Donnerstag mitgeteilt. An Wegen sollen Tore installiert werden. Der Grenzverkehr auf der Straße werde nicht beeinträchtigt, versicherte das Ministerium.

Angst um Schweinefleischindustrie

Die Zaun-Planer befürchten, dass wandernde Tiere den Erreger der afrikanischen Schweinepest ins Land bringen und so die milliardenschwere Schweinefleischindustrie in Dänemark bedrohen. "Es geht um ein Exportvolumen von 1,5 Milliarden Euro jährlich", sagte der zuständige Minister Esben Lunde Larsen (Venstre) in Kopenhagen. "Mit Ausbruch der afrikanischen Schweinepest in Dänemark würde der Export sofort verboten werden." Bislang ist es weder in Dänemark noch in Deutschland zu einem Ausbruch der Schweinepest gekommen. In Osteuropa hingegen sind mittlerweile über 1.000 Fälle bekannt.

Genaues Datum für Bau steht nicht fest

Der Zaun soll nun so schnell wie möglich errichtet werden. Ein genaues Datum stehe aber noch nicht fest, eine abschließende Kalkulation der Kosten gebe es auch noch nicht, heißt es aus Dänemark. Im nächsten Schritt muss das dänische Parlament dem Gesetzentwurf endgültig zustimmen, ehe mit der Planung des Zauns an der deutsch-dänischen Grenze begonnen werden kann. Zu dem Maßnahmen-Paket gehören auch verstärkte Kontrollen der Hygiene-Regeln für Tiertransporte.

Foto-Montage zeigt möglichen Grenzzaun

Es ist ein grün bewachsenes Feld zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark zu sehen, mit Zaun zwischen den Ländern in das Bild hineinmontiert © Dänisches Umweltministerium Es ist ein grün bewachsenes Feld zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark zu sehen, ohne Zaun zwischen den Ländern © Dänisches Umweltministerium

Das dänische Umweltministerium zeigt auf den beiden Fotos, wie sich Schleswig-Holsteins Nachbar vor Wildschweinen schützen will. Auf dem linken Bild ist eine dänische Wiese im Ist-Zustand zu sehen. In das rechte Foto ist der mögliche, 1,50 Meter hohe Grenzzaun hineinmontiert. Den Regler in der Mitte können Sie mit gedrückter linker Maustaste nach links und rechts schieben.

Habeck: "Der Zaun wird nicht helfen"

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hält nichts von den Plänen. Die Afrikanische Schweinepest sei natürlich eine ernstzunehmende Bedrohung. Allerdings werden sie nicht über Wildschweine eingeschleppt, sondern "über Menschen, über Tiertransporte, über infizierte Wurstwaren".

Kommentar

"Der Grenzzaun ist ein Beruhigungs-Placebo"

Ein Zaun soll verhindern, dass Wildschweine die Afrikanische Schweinepest nach Dänemark einschleppen. NDR 1 Welle Nord Redakteur Michael Frömter nennt das in seinem Kommentar puren Aktionismus. mehr

Habeck ist sich sicher: "Der Zaun wird nicht helfen, die Afrikanische Schweinepest herauszuhalten aus Dänemark." Für ihn ist die Maßnahme falsch und überzogen - und eine innenpolitische Aktion. Schleswig-Holstein halte zwar auch Zäune für den Notfall vor, um kleine Gebiete einzäunen zu können. Doch so schieße Dänemark übers Ziel hinaus.

Jäger: "Das haben die Schweine schnell spitz"

Nordfrieslands Kreisjägermeister Thomas Carstensen äußerte darüber hinaus Zweifel an der Effizienz des Zaunes: "Es gibt kaum ein intelligenteres Wildtier als das Wildschwein. Es wird sehr schnell merken, dass die Lücken - also die Straßen - in diesem Zaun vorhanden sind und die Grenze dann auf diesem Weg überqueren." Laut Carstensen ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis ein Wildschwein den Zaun unterwühlt oder ihn hochhebt, um unter ihm hindurchzukriechen: "Das haben die Schweine sehr schnell spitz."

Weitere Informationen

Afrikanische Schweinepest: Was Sie wissen müssen

An der Afrikanischen Schweinepest erkranken nur Haus- und Wildschweine. Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich. Sie können aber durch Unachtsamkeit den Erreger verbreiten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.03.2018 | 12:00 Uhr

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