Stand: 13.02.2019 08:26 Uhr

Schüler kämpfen gegen Elterntaxis

von Hannah Böhme

7.30 Uhr, kurz vor Schulbeginn im Soltausredder in Barsbüttel (Kreis Stormarn): Erste Autos biegen in die Straße ein, in der die Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule (EKG) und die Grundschule Barsbüttel liegen. Sie halten an und lassen Kinder mit ihren dicken Schulranzen aussteigen. Autotüren knallen zu, ein "Tschüss mein Schatz" aus dem Fenster. Autos fahren wieder los. Innerhalb von Minuten füllt sich die kleine, enge Straße mit sogenannten Elterntaxis. Mütter und Väter, die ihre Kinder mit dem Auto bis zum Schuleingang bringen und damit regelmäßig den gesamten Verkehr im Soltausredder zum Erliegen bringen.

Verkehrs-AG.

Verkehrs-AG will Elterntaxi-Chaos beseitigen

Schleswig-Holstein Magazin -

Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sorgen in Barsbüttel regelmäßig für Chaos. Eine Verkehrs-AG will durch verkehrstechnische Veränderungen Abhilfe schaffen.

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"Autos stehen kreuz und quer"

1.100 Kinder und Jugendliche kommen hier jeden Morgen an. Je näher der Unterrichtsbeginn rückt, desto hektischer und unübersichtlicher wird die Situation vor den beiden Schulen. Lehrer und Schüler berichten von Autos, die auf Gehwegen halten, in Einfahrten wenden oder zurücksetzen, ohne zu gucken.

Wenig Einsicht bei den Eltern

"Die Autos stehen hier kreuz und quer. Es ist echt gefährlich", beschreibt Paulina Loof die Situation morgens vor ihrer Schule. "Die Kinder haben Angst, sie werden oft erst sehr spät gesehen", so die 18-Jährige. Die Eltern zeigen dabei nur wenig Einsicht: Man habe probiert mit ihnen zu sprechen, erklärt Paulinas Mitschüler Konstantin Tsagkalidis. Das habe aber bisher nichts gebracht. Die beiden Oberstufenschüler sind Mitglieder der Verkehrs-AG. Eine Gruppe von insgesamt zehn Lehrern, Eltern und Schülern der Grundschule und der Gemeinschaftsschule, die gemeinsam Lösungen für das Elterntaxi-Problem suchen.

"Kinder sollen selbst entscheiden, wie sie zur Schule kommen"

Ein Ansatz der AG lautet, die Schüler selbst - und nicht die Eltern - müssen davon überzeugt werden, dass es sinnvoll ist, zur Schule zu laufen. Dazu suchen Paulina und Konstantin als Verkehrs-Scouts den direkten Kontakt zu den Schülern, zum Beispiel der 5c: In einer Gesprächsrunde reden die Scouts mit den Kindern über die Situation morgens vor der Gemeinschaftsschule und darüber, welche Alternativen die Kinder haben. "Wir wollen, dass sie selbstständig die Entscheidung treffen, wie sie zur Schule kommen", erklärt Konstantin.

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Brenzlige Situationen vor Unterrichtsbeginn

Und auch die Fünftklässler halten das Thema für wichtig: "Es ist echt katastrophal hier morgens", sagt die elfjährige Emma-Luise. "Mich hat mal fast ein Auto erwischt", erzählt Finja. Die Elfjährige kommt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule. Dass Schüler und nicht Lehrer oder Eltern mit ihnen über dieses Thema reden, finden die beiden Mädchen gut: "Die wissen einfach, wie das für uns Kleine ist." Oberstufenschüler Konstantin ergänzt: "Wir haben einfach eine andere Verbindung als Eltern oder Lehrer."

AG fordert Lösungen von der Politik

Laut Elternbeirat zeigen die Gespräche mit den Schülern erste Erfolge. So sei die Situation an manchen Tagen schon viel entspannter, erklärt die Schulelternsprecherin. In der Hoffnung, Elterntaxis in Zukunft komplett aus dem Soltausredder zu verbannen, hat die Verkehrs-AG auch einige Forderungen an die Politiker in Barsbüttel gestellt. Dazu gehören unter anderem Hol- und Bringzonen für Eltern auf dem Parkplatz eines nahegelegenen Supermarktes. Mit diesen haben andere Schulen bereits erste gute Erfahrungen gemacht.

Ein Schild an einer Schule macht kenntlich, wo Eltern mit ihrem Pkw halten sollen. © Bertil Starke

Liebe Eltern, bitte werdet erwachsen!

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Ein ironischer Aufruf von Peter Bartelt an Kinder, ihren Eltern das tägliche Taxi zu verzeihen, das jeden Morgen vor schleswig-holsteinischen Schulen für gefährliches Verkehrschaos sorgt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.02.2019 | 12:00 Uhr

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