Ein Hubschrauber fliegt mit Kalkbehälter zum durch die Luft.  Foto: Jelto Ringena

Saure Wälder in SH: Hilfe kommt aus der Luft

Stand: 28.01.2021 09:27 Uhr

Nährstoffmangel betrifft auch die Waldböden in Schleswig-Holstein. Viele sind übersäuert. In einem Privatwald im Kreis Rendsburg-Eckernförde kommt deshalb eine besondere Methode zum Einsatz.

von Jelto Ringena

Es sieht aus wie eine große Staubwolke, die über den Baumkronen schwebt. Ein Hubschrauber hat gerade eine Ladung Kalk über dem Privatwald in Hohenwestedt verteilt. Mit dieser Aktion wird der Wald gedüngt. So soll der Boden wieder neutralisiert werden. "Tests haben ergeben, dass der Boden zu sauer ist", erzählt der zuständige Bezirksförster Rolf-Martin Niemöller. Nach seinen Aussagen ergaben die Proben einen Wert zwischen 3,1 und 3,8. Zur Einordnung: Ein gesunder Wald hat einen neutralen Wert bei 7.

Kalk soll jetzt helfen

Ein Bagger belädt einen Kalkbehälter.  Foto: Jelto Ringena
Eine Tonne Kalk kann der Hubschrauber laden.

Direkt an der Waldgrenze liegt ein großer Hügel. Hier stellt der Hubschrauber immer wieder den trichterförmigen Behälter ab und ein Bagger kippt eine Schaufel Kalk hinein. Dann geht es damit in die Luft. Über den Wald lässt der Pilot den Dünger dann ab - zehn Minuten später beginnt die Prozedur von vorne. In regelmäßigen Abständen gibt es eine kleine Pause, weil der Hubschrauber betankt werden muss. Das passiert ganz in der Nähe des Waldes auf dem Wacken-Festival-Gelände.

GPS-Gerät zeigt an, wo gedüngt werden soll

Ein Hubschrauber steht auf einer Rasenfläche kurz vor dem Abflug.  Foto: Jelto Ringena
Im Zehn-Minuten-Takt streut der Hubschrauber-Pilot Kalk über den Wald.

"Wenn ich den Hubschrauber gleich wieder mit Kalk beladen habe, sehe ich auf meinem GPS-Gerät im Cockpit ganz genau die Fläche, die ich schon bestreut habe und wo ich noch streuen muss", sagt Franz Schmidt. So schafft es der Pilot, einen Überblick zu behalten, denn er muss heute ziemlich oft über dem Waldgebiet hin und her fliegen. Mit jedem Flug streut er eine Tonne Kalk über das private Waldgelände. Das reicht für eine Waldfläche von 300 Meter Länge und 15 Meter Breite. Insgesamt sollen 125 Tonnen über dem Gebiet verteilt werden.

Landesforsten finden künstliche Kalkung nicht notwendig

CO2 belastetes Regenwasser und verunreinigtes Grundwasser sind häufige Ursachen für zu saure Böden, wie die schleswig-holsteinischen Landesforsten berichten. Wenn ein Boden zu sauer ist, können die Bäume Mangelerscheinungen bekommen. "Sie sind so auch wieder anfälliger für Borkenkäfer", sagt ein Sprecher. Dennoch sind sie dagegen, den Wäldern künstlich Kalk hinzuzufügen. Seit 2008 werden die Flächen der Landesforsten nicht mehr gekalkt. Die Wälder in Schleswig-Holstein seien wesentlich nährstoffreicher als in anderen Bundesländern und könnten PH-Schwankungen sehr gut abfedern, heißt es. Außerdem wolle man nicht in die natürlichen Nährstoffkreisläufe eingreifen.

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